Niedrigwasser am Rhein: Chemiebranche warnt vor Engpässen
- Wegen des Niedrigwassers können Transportschiffe weniger laden
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Bonn. Niedrigwasser auf dem Rhein kann Lieferungen verteuern und in der Chemieindustrie zu Produktionseinschränkungen führen. Darauf weist der Branchenverband VCI vor einer Fachkonferenz in Bonn hin.
Wenn Schiffe wegen niedriger Pegel weniger laden können oder ganz ausfallen, steigen nach Angaben des Verbands die Kosten und Lieferketten geraten unter Druck. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup sagte der Deutschen Presse-Agentur, Notfallpläne der Unternehmen ersetzten keine funktionierende Infrastruktur.
Wichtige Transporte laufen über den Rhein
Besonders relevant ist das für Standorte am Rhein wie Ludwigshafen. In der Chemie werden dort große Mengen per Binnenschiff transportiert, darunter Methanol sowie Flüssiggase wie Butan, Propan und Ammoniak. Nach jüngsten Daten wurden im Jahr 2024 rund 20 Millionen Tonnen Chemie-Erzeugnisse per Binnenschiff befördert. BASF transportiert am Stammwerk Ludwigshafen nach Unternehmensangaben rund 40 Prozent der Güter per Schiff und verlagert Transporte teils auf Lkw und Schiene.
Milliardenrisiko für die Wirtschaft
Nach Schätzungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft könnte das Niedrigwasser im dritten Quartal zwischen 1 und 2 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten. Das Bruttoinlandsprodukt könnte dadurch um 0,1 bis 0,2 Prozent gedämpft werden. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen.
Verlagerung auf die Schiene nur begrenzt möglich
Der VCI betont, dass die Branche mit besseren Wasserstandsprognosen und speziellen Schiffen auf Niedrigwasser vorbereitet sei. Bei extrem niedrigen Pegeln bleibe die Schifffahrt aber stark beeinträchtigt. Das erschwere die Logistik und verteuere Transporte.
Hinzu kommt laut Verband, dass die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite die Verlagerung auf die Schiene derzeit erschwert. Zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet stehen demnach nur die zwei Gleise der linksrheinischen Strecke zur Verfügung statt sonst vier.
Verband drängt auf Ausbau der Wasserstraßen
Der VCI fordert seit längerem, Engstellen in der Rheinrinne zu beseitigen. Der Verband kritisiert, komplexe Verfahren und Personalmangel in der Verwaltung verzögerten die Umsetzung bis in die 2030er Jahre. Große Entrup sagte zudem, Deutschland brauche ein Verkehrsnetz, das auch in Extremlagen funktioniere: robuste Wasserstraßen, leistungsfähige Schienen und Straßen sowie echte Ausweichmöglichkeiten für die Industrie. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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