Niedrigwasser am Oberrhein: Schiffe laden nur noch wenig
- Blick aus dem Führerhaus über den Schiffsbug: Binnenschiffer Patrick Mnich steuert mit der GMS Kallisto über den Rhein.
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Oberrhein. Das Niedrigwasser bremst den Warenverkehr auf dem Rhein deutlich aus. Zwischen Mannheim und Kehl kommen Binnenschiffe teils nur langsam voran und können nach Angaben aus der Branche und von Behörden derzeit oft nur mit stark reduzierter Ladung fahren.
Für Binnenschiffer Patrick Mnich ist die Lage auf dem Oberrhein unmittelbar spürbar. Der 33-Jährige steuert mit der GMS Kallisto rheinaufwärts nach Kehl und sagt, mehr Tempo sei oft nicht möglich, weil seiner Schiffsschraube seitlich und unter dem Schiff das nötige Wasser fehle. Nach seinen Angaben liegen stellenweise nur 30 bis 40 Zentimeter zwischen Flussgrund und Schiff. Dann wirbele die Schraube bereits Kies auf. Im schlimmsten Fall könnte das Schiff aufsetzen.
Fahrten dauern deutlich länger
Mnich hatte die Maschinenteile für Windkraftanlagen vor mehr als einer Woche in Magdeburg geladen. Am heutigen Sonntag, 16. August, ist er morgens in Mannheim gestartet und muss die Ladung am Montag, 17. August, früh in Kehl löschen. Für die Strecke rechnet er mit rund 14 statt sonst 9 Stunden. Hinter Mannheim habe ihn die Fahrt besonders viel Zeit gekostet. Nach eigenen Worten sei die Kallisto dort auch über einen Kieshaufen gerutscht.
Wie stark das Niedrigwasser den Verkehr einschränkt, zeigt auch die Auslastung des Schiffes. Statt sechs Maschinenteilen transportiert Mnich nur drei. Die GMS Kallisto kann eigentlich 1.570 Tonnen laden, aktuell sind es nach seinen Angaben nur 150 Tonnen. Das entspricht rund zehn Prozent der Kapazität.
Behörden melden anhaltend niedrige Pegel
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein teilt mit, dass die Pegelstände seit Anfang Juni vergleichsweise niedrig sind. Als Gründe nennt die Behörde fehlendes Schmelzwasser aus den Bergen und ausbleibenden Regen. Eine kurzfristige Besserung sei nicht in Sicht.
Auch das baden-württembergische Verkehrsministerium spricht von einer angespannten Lage am Rhein. Nahezu alle Transporte könnten derzeit nur mit reduzierter Ladung durchgeführt werden. Die maximale Auslastung der Binnenschiffe liege aktuell bei etwa 20 Prozent. Um Folgen abzufedern, hat das Land nach Ministeriumsangaben inzwischen das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufgehoben.
Entscheidung über Fahrt liegt beim Schiffsführer
Nach Angaben der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt gibt es keinen festen Pegelwert, ab dem Schiffe bei Niedrigwasser nicht mehr fahren dürfen. Ob ein Schiff fährt und wie viel es laden kann, liegt in der Verantwortung des Schiffsführers.
Mnich sagt, sein 80 Meter langes Schiff könne wegen des vergleichsweise geringen Eigengewichts noch fahren. Andere Schiffe träfen die niedrigen Wasserstände härter. Sein Bruder sitze mit einem tiefer gehenden Schiff im Duisburger Hafen fest und könne nicht weiterfahren.
Nach diesem Auftrag soll Mnich Tierfutter in Weinheim am Neckar laden. Wie viel Fracht möglich ist, will er kurzfristig nach den Pegelprognosen entscheiden. Sorge bereitet ihm vor allem, dass Kunden wegen der unsicheren Lage abspringen könnten. Ein geplanter Auftrag in Aschaffenburg für die kommende Woche wurde nach seinen Angaben bereits storniert.
Mnich kritisiert zudem besonders zugespitzte Aussagen zur Lage auf dem Rhein. Seine Hoffnung ist vor allem mehr Verlässlichkeit für Kunden. Schon ein halber Meter zusätzlicher Wasserstand würde nach seiner Einschätzung helfen, damit mehr Aufträge auf dem Wasser bleiben. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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