Neue DB-Strategie bis 2035 setzt auf realistische Ziele
- Die Deutsche Bahn richtet ihren Konzern bis 2035 neu aus. Im Mittelpunkt der Strategie von DB-Chefin Evelyn Palla stehen mehr Pünktlichkeit, Netzsanierung und bessere Bedingungen für Reisende.
- Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
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Deutschland. Für Bahnreisende sollen Sauberkeit, Sicherheit und verlässlichere Fahrpläne künftig Vorrang haben. Die Deutsche Bahn hat am Dienstag, 7. Juli, ihre neue Strategie bis 2035 vorgestellt und verabschiedet sich dabei von früheren Wachstumszielen.
DB-Chefin Evelyn Palla stellte die neue Marschroute im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG vor. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Deutschen Bahn künftig realistische Ziele, eine bessere betriebliche Qualität und wirtschaftliche Stabilität. „Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen. Wir setzen auf realistische Ziele und Fakten“, erklärte Palla.
Drei Phasen bis zum Jahr 2035
Die Bahn plant den Umbau in drei Schritten.
- 2026 soll die Konzernstruktur verschlankt werden. Die Bahn will Hierarchien abbauen und stärker dezentral arbeiten.
- Bis 2030 sollen Netz und Betrieb stabilisiert werden. Vorgesehen sind unter anderem die Sanierung von 24 Korridoren und 2500 Kilometern Streckennetz.
- Bis 2035 soll der Sanierungsmarathon weitgehend abgeschlossen sein. Im Fernverkehr strebt die Bahn dann eine Pünktlichkeit von 80 Prozent an.
Mehr Fokus auf Alltag der Reisenden
Für Fahrgäste sollen kurzfristig vor allem spürbare Verbesserungen im Alltag sichtbar werden. Dazu gehören mehr Reinigungskräfte an Bahnhöfen und in Zügen, bessere Fahrgastinformationen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Nach Angaben der Bahn waren bis Mai bei rund 87 Prozent der Fernverkehrsfahrten die Geräte in der Bordgastronomie störungsfrei im Einsatz. Zudem wurden an 35 Bahnhöfen zusätzliche Sicherheitskräfte mit Bodycams eingesetzt. Die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr sei in den ersten Monaten von 2026 auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gestiegen.
Abschied von der Strategie „Starke Schiene“
Die bisherige Strategie „Starke Schiene“ mit starkem Wachstum und einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen gilt intern als nicht mehr realistisch. Die Bahn setzt nun stärker auf wirtschaftliche Tragfähigkeit und einen stabileren Betrieb. Bis 2030 erwartet der Konzern eine Verbesserung des operativen Ergebnisses auf 1,7 Milliarden Euro. Bereits ab 2026 soll das Ergebnis nach Steuern wieder positiv ausfallen. Palla kündigte zudem einen Kulturwandel an. Leistung und Verantwortung müssten sich im Konzern künftig stärker lohnen. Die Konzernleitung werde zu einer schlanken Holding umgebaut. Laut Bahn sollen dadurch ab 2028 jährlich mehr als 500 Millionen Euro eingespart werden.
Digitalisierung soll realistischer werden
Auch bei der Digitalisierung setzt die Bahn auf einen langsameren und praktischeren Ausbau. Frühere Ziele für eine vollständig digitale Schiene bis 2035 seien nicht erreichbar gewesen. Stattdessen sollen zunächst alte Stellwerke modernisiert und 200 weitere ETCS-fähige Stellwerke aufgebaut werden. Außerdem plant die Bahn mehr digitale Informationen für Betriebspersonal und einen stärkeren Einsatz von KI bei der Fahrplanung.
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |