Neue Apfelsorte am Bodensee: Erste große Ernte im Herbst

Die neue Züchtung soll mit weniger Pflanzenschutz auskommen.  | Foto: Felix Kästle/dpa
  • Die neue Züchtung soll mit weniger Pflanzenschutz auskommen.
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Bodensee. Eine neue Apfelsorte aus der Bodenseeregion könnte den Obstbau deutlich verändern. Die sogenannten robusten Züchtungen sollen mit weniger Pflanzenschutz auskommen und trotzdem knackige Früchte liefern.

In den Anbaugebieten rund um den Bodensee testen Obstbauern und Fachleute seit Jahren neue Apfelsorten. Ziel ist ein Anbau, der besser mit Krankheiten, Schädlingen und den Folgen des Klimawandels zurechtkommt. Besonders Pilzkrankheiten wie Apfelschorf setzen vielen Plantagen zu und machen regelmäßige Behandlungen nötig.

Neue Sorte soll weniger Pflanzenschutz brauchen

Eine der neuen Züchtungen trägt den Namen „Mammut“. Rund 80.000 Bäume wurden bereits gepflanzt. Die Sorte wird unter der Dachmarke „Fairdi“ vermarktet. Im kommenden Herbst wird erstmals eine größere Ernte erwartet.

Nach Angaben von Obstbauer Thomas Heilig entstand die Initiative aus der Praxis. Mehrere Betriebe aus der Region starteten das Projekt im Jahr 2020 gemeinsam mit Wissenschaftlern. Ziel ist ein Obstbau, der langfristig wirtschaftlich bleibt und gleichzeitig Umwelt und Artenvielfalt schont.

Klimawandel erhöht Druck auf Plantagen

Am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee bei Ravensburg werden die Sorten geprüft. Dort beobachten Fachleute, wie die Bäume mit Trockenheit, Hitze und starken Regenfällen umgehen. Der Klimawandel setze die Obstplantagen zunehmend unter Stress, sagt Fachbereichsleiter Ulrich Mayr.

Robuste Sorten könnten deshalb eine wichtige Rolle für die Zukunft spielen. Sie sollen widerstandsfähiger gegen Krankheiten sein und den Einsatz chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel reduzieren.

Das passt auch zu politischen Vorgaben. Baden Württemberg will den Einsatz solcher Mittel bis zum Jahr 2030 deutlich senken. Projekte mit resistenten Obstsorten werden deshalb vom Land gefördert.

Ganz ohne Pflanzenschutz geht es nicht

Trotz der Fortschritte bleiben Behandlungen weiterhin nötig. Auch robuste Sorten kommen je nach Wetter und Krankheitsdruck nicht komplett ohne Pflanzenschutz aus.

Der Aufwand kann jedoch deutlich sinken. Für viele Betriebe ist das entscheidend. Denn der wirtschaftliche Druck im Obstbau ist hoch und gleichzeitig erwarten Verbraucher makellose Früchte im Supermarkt.

Nur wenige neue Sorten schaffen es in den Handel

Am Bodensee wachsen derzeit rund 30 robuste Apfelsorten in Versuchs- und Praxisanlagen. Doch nur wenige werden sich langfristig durchsetzen.

Fachleute nennen mehrere Voraussetzungen für den Erfolg neuer Sorten

  • Widerstandskraft gegen Krankheiten
  • Stabile Erträge im wechselhaften Klima
  • Geschmack, der Verbraucher überzeugt
  • Akzeptanz im Lebensmitteleinzelhandel

Nach Einschätzung von Experten schaffen es nur sehr wenige der vielen gezüchteten Sorten tatsächlich in den Supermarkt. Bis dahin vergehen oft mehr als 20 Jahre von der ersten Kreuzung bis zum großflächigen Anbau.

Mit Projekten wie „Fairdi“ hoffen Obstbauern am Bodensee, den Apfelanbau langfristig zu sichern und gleichzeitig Umweltauflagen besser erfüllen zu können. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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