Mehrarbeit im Südwesten: 35-Stunden-Woche unter Druck
- «Längere Arbeitszeiten dürfen da keine Tabuzone sein», sagt der Südwestmetall-Chef. (Symbolbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von dpa content
Stuttgart. Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten müssen sich vor der neuen Tarifrunde auf eine Debatte über längere Arbeitszeiten einstellen. Der Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Peter Sebastian Krause, fordert von der IG Metall, auch über mehr Arbeitszeit zu verhandeln. „Wir brauchen Kostensenkung, um den Produktionsstandort zu stabilisieren“, sagte Krause der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Längere Arbeitszeiten dürfen da keine Tabuzone sein.“
Was Südwestmetall fordert
Krause sprach sich nicht für eine pauschale Abkehr von der 35-Stunden-Woche aus. Im Tarifvertrag müssten aber „Lösungsräume“ geschaffen werden, damit Unternehmen Kosten senken könnten, wo es nötig sei. Das gelte besonders, wenn sonst Investitionen in Deutschland nicht möglich seien. Längere Arbeitszeiten bei gleichem Monatslohn könnten aus Sicht der Beschäftigten zu den weniger schmerzhaften Lösungen gehören, sagte Krause.
Warum die 35-Stunden-Woche wieder Thema ist
Die Debatte hatte im August die Spitze von Mercedes-Benz neu entfacht. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller regte im „Handelsblatt“ eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche für dasselbe Gehalt an. In der deutschen Autoindustrie ist bei tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard, auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht.
Was für die Tarifrunde wichtig wird
Für Beschäftigte und Betriebe stehen damit mehrere Punkte im Raum:
- Die IG Metall lehnt ein Aufweichen der 35-Stunden-Woche bisher ab.
- Nach dem Mercedes-Vorstoß hatte die Gewerkschaft im August bundesweit zu Protesten bei dem Autobauer aufgerufen.
- Am Mittwoch, 23. September, will die IG Metall über ihre Forderungen für die kommende Tarifrunde entscheiden.
Damit dürfte die Arbeitszeitfrage zu einem zentralen Konfliktpunkt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft werden. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |