Kritik an Gesundheitsreform aus Ingelheim: Pharmabranche warnt vor Folgen
- «Wir sollten nicht an Arzneimitteln sparen, sondern mit ihnen», sagt Boehringer-Deutschlandchef Schoenmaeckers. (Archivfoto)
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Ingelheim. Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung könnte nach Einschätzung der Pharmaindustrie Folgen für Forschung, Investitionen und den Zugang zu neuen Medikamenten haben. Der Deutschlandchef des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim sieht die aktuellen Pläne kritisch.
Médard Schoenmaeckers, Vorsitzender der Geschäftsführung von Boehringer Ingelheim Deutschland, sagte der Deutschen Presse Agentur, die Politik habe die Pharmabranche zuletzt selbst als Schlüsselindustrie bezeichnet. „Das muss sich auch in verlässlichen, innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln.“ Die derzeit diskutierten Maßnahmen seien aus Sicht des Unternehmens jedoch „alles andere als eine ausgewogene Lastenverteilung“.
Bund plant Entlastung der Krankenkassen
Die Bundesregierung will am Mittwoch, 29. April, ein Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen im Kabinett beschließen. Ziel ist eine Entlastung der Kassen um rund 19,6 Milliarden Euro im kommenden Jahr.
Geplant sind unter anderem:
- Ausgabenbremsen für Arztpraxen, Kliniken und die Pharmaindustrie
- höhere Zuzahlungen für Medikamente
- Einschränkungen bei der Mitversicherung von Ehepartnern
- höhere Herstellerrabatte für Arzneimittel
Nach Ansicht von Schoenmaeckers lösen zusätzliche Belastungen für forschende Pharmaunternehmen die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung jedoch nicht. Wichtige strukturelle Kostentreiber im Gesundheitssystem würden dabei ausgeblendet. Gleichzeitig könnten geringere Anreize für Innovation entstehen.
„Wir sollten nicht an Arzneimitteln sparen, sondern mit ihnen“, sagte der Manager. Moderne Medikamente könnten langfristig sogar Kosten senken.
Warnung vor Nachteilen im internationalen Wettbewerb
Deutschland stehe zudem im internationalen Wettbewerb um Forschung, Entwicklung und Investitionen. Dieser Aspekt werde in den aktuellen Reformvorschlägen kaum berücksichtigt. Nationale Alleingänge bei Preis und Regulierung könnten sich weltweit auswirken und Standortentscheidungen beeinflussen.
Sollte das Gleichgewicht aus Marktzugang, berechenbaren Preisen und Innovationsanreizen weiter gestört werden, könnte Deutschland als Pharmastandort an Attraktivität verlieren. Neue Therapien könnten dann später oder gar nicht mehr verfügbar sein. Auch Investitionen könnten ausbleiben.
Schoenmaeckers fordert deshalb eine langfristig angelegte Reform. Versicherungsfremde Leistungen müssten klar gegenfinanziert werden. Außerdem brauche es effizientere Strukturen und eine stärkere Ausrichtung der Versorgung am Nutzen für Patientinnen und Patienten. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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