Investitionskürzung in Alzey: Expertin warnt vor Pharmarisiko

Die Pharmaindustrie kritisiert die Rahmenbedingungen in Deutschland. (Archivfoto/ Symbolbild) | Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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Mainz. Geringere Investitionen großer Pharmafirmen könnten Folgen für Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Rheinland Pfalz haben. Nach der Entscheidung mehrerer Konzerne sieht eine Expertin deutliche Warnsignale für den Standort Deutschland.

Die Pharmaexpertin Jasmina Kirchhoff vom Institut der deutschen Wirtschaft sagte der Deutschen Presse Agentur, die jüngsten Entscheidungen seien „deutliche Warnschüsse“. Unternehmen prüften derzeit sehr genau, wo sie künftig investieren. Was aktuell passiere, könne auch andere Firmen zu ähnlichen Überlegungen bewegen.

Auslöser der Debatte sind zwei große Investitionsentscheidungen.

  • Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will geplante Investitionen von rund 900 Millionen Euro an deutschen Standorten für die Jahre 2027 bis 2030 nicht umsetzen.
  • Der US Konzern Eli Lilly reduziert sein geplantes Projekt für ein neues Werk in Alzey in Rheinland Pfalz von ursprünglich 2,5 Milliarden US Dollar auf etwa die Hälfte.

Pharmaindustrie kritisiert fehlende Planungssicherheit

Kirchhoff verweist auf die geplante Gesundheitsreform in Deutschland. Diskutiert wird unter anderem das GKV Beitragsstabilisierungsgesetz. Gleichzeitig verändern sich weltweit die Rahmenbedingungen. Der US Markt richte sich neu aus. Zudem wachse der Wettbewerbsdruck aus Asien.

Besonders kritisch sieht die Branche dynamisierte Herstellerabschläge, die Teil eines Sparpakets des Bundes sein sollen. Diese Rabatte könnten sich jedes Jahr verändern. Damit werde langfristige Planung für Unternehmen deutlich schwieriger.

Auch mögliche Rabattverträge für innovative Arzneimittel stoßen laut Kirchhoff auf Skepsis. In der Branche besteht die Sorge, dass dadurch der Schutz geistigen Eigentums geschwächt werden könnte.

Zielkonflikt zwischen Kosten und Standortpolitik

Nach Einschätzung der Expertin steht die Politik vor einem grundlegenden Zielkonflikt. Einerseits sollen Arzneimittelausgaben im Gesundheitssystem begrenzt werden. Andererseits müsse Deutschland als Forschungs und Produktionsstandort attraktiv bleiben.

Deutschland gilt als größter Gesundheitsmarkt Europas. Viele Länder orientieren ihre Arzneimittelpreise an den deutschen Preisen. Entscheidungen hierzulande hätten deshalb auch internationale Signalwirkung. Zugleich könne die neue Arzneimittelpolitik der USA zu einem zusätzlichen Risiko für den Standort werden.

Kirchhoff fordert deshalb eine engere Abstimmung zwischen Gesundheits und Wirtschaftspolitik. Beide Bereiche müssten gemeinsam Lösungen entwickeln, um Innovationen und Investitionen im Land zu halten. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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