Investitionsdämpfer in Rheinland-Pfalz: Pharma kürzt Milliarden

An dem neuen Lilly-Standort in Alzey laufen die Bauarbeiten schon seit Längerem. (Archivbild) | Foto: Arne Dedert/dpa
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Rheinland Pfalz. Zwei große Pharmaunternehmen bremsen ihre Investitionen im Land. Für den Wirtschaftsstandort Rheinland Pfalz bedeutet das weniger Ausbau und möglicherweise weniger neue Arbeitsplätze. Betroffen sind Projekte des US Konzerns Eli Lilly in Alzey und geplante Investitionen von Boehringer Ingelheim.

Eli Lilly reduziert den geplanten Ausbau seines neuen Produktionsstandortes in Alzey deutlich. Ursprünglich wollte das Unternehmen rund 2,5 Milliarden US Dollar investieren. Nun soll der noch offene Teil des Projekts um etwa die Hälfte kleiner ausfallen. Hintergrund sind laut Konzern die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung im Gesundheitswesen.

Produktionsstart weiterhin für 2027 geplant

Der Rohbau der Anlage in Alzey ist bereits weitgehend fertig. Auch der Innenausbau ist fortgeschritten. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten dort bereits rund 300 Beschäftigte.

Statt der ursprünglich geplanten Größe soll zunächst nur der Mindestumfang der Hightech Produktionsstätte fertiggestellt werden. Die Inbetriebnahme mit reduzierter Kapazität ist weiterhin für das Jahr 2027 vorgesehen. In früheren Planungen war von bis zu 1000 Arbeitsplätzen die Rede.

Kritik an Gesundheitsreform aus der Branche

Der Vorstandschef von Eli Lilly, Dave Ricks, bezeichnete die geplante Gesundheitsreform im Handelsblatt als „schreckliches Signal“. Deutschland könne bei der Unterstützung der Industrie im europäischen Vergleich zurückfallen.

Auch Boehringer Ingelheim bremst seine Investitionen. Das Unternehmen will geplante Ausgaben für deutsche Standorte in den Jahren 2027 bis 2030 mit einem Gesamtvolumen von rund 900 Millionen Euro vorerst nicht umsetzen.

Als Gründe nennt der Konzern schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ebenfalls die Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitssystem. Diese sehen unter anderem höhere Rabatte vor, die Pharmaunternehmen künftig den Krankenkassen gewähren müssen.

Druck durch internationale Konkurrenz

Nach Angaben von Boehringer Ingelheim wächst gleichzeitig der Wettbewerb aus anderen Regionen. Besonders in den USA und in Asien sei die Dynamik derzeit größer. Zudem hätten einige Pharmafirmen Vereinbarungen mit der US Regierung getroffen, um mögliche Zölle zu vermeiden. Dafür müssen sie stärker in Produktion und Forschung in den Vereinigten Staaten investieren.

Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers sagte dem Handelsblatt: „Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland.“ Die gestoppten Investitionen hätten vor allem Infrastruktur an deutschen Standorten betreffen sollen, etwa neue Laborgebäude.

Landesregierung spricht von Warnsignal

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder erklärte, die Entscheidungen der Unternehmen würden sehr ernst genommen. Die Landesregierung habe sofort Kontakt aufgenommen und wolle im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin vermitteln.

Auch Wirtschaftsminister Michael Ebling sieht Handlungsbedarf. Die Ankündigungen seien ein Weckruf für die Bundesregierung. Gesundheits und Wirtschaftspolitik müssten gemeinsam gedacht werden. Der aktuelle Gesetzentwurf zur gesetzlichen Krankenversicherung gebe forschenden Arzneimittelherstellern zu wenig Planungssicherheit.

Der Bürgermeister von Alzey, Steffen Jung, zeigte sich überrascht. Gleichzeitig betonte er, dass Eli Lilly grundsätzlich an dem Standort festhalte. Nach aktuellem Stand sollen weiterhin rund 500 Arbeitsplätze entstehen. Die Ansiedlung bleibe eines der größten Wirtschaftsprojekte der Stadt. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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