Futterknappheit in Rheinland-Pfalz: Reserven schrumpfen
- Fiedler ist froh, dass er noch Futterreserven aus den vergangenen beiden Jahren hat (Archivbild)
- Foto: Harald Tittel/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Rheinland-Pfalz. Die Trockenheit schwächt die Futterbasis vieler Milch- und Viehbetriebe in Rheinland-Pfalz: Nach Wochen mit vertrockneten Wiesen und schwachem Mais greifen Landwirte bereits auf Reserven zurück.
In Habscheid-Hallert im Eifelkreis Bitburg-Prüm beschreibt Landwirt Stefan Fiedler die Lage auf seinen Flächen deutlich. „Natürlich blutet uns da richtig das Herz, wenn man die gelben Flächen sieht, weil da müsste eigentlich das Futter für unsere Tiere wachsen“, sagt er. Sein Betrieb zählt gut 400 Tiere, darunter rund 200 Milchkühe.
Normalerweise wäre Fiedlers Betrieb inzwischen beim vierten Grasschnitt. Auf seinen 120 Hektar Grünland waren bislang aber nur zwei Schnitte möglich. Er hofft noch auf einen weiteren Schnitt im Oktober. Auch beim Futtermais rechnet er mit einer deutlich kleineren Ernte. „Wir werden knapp die Hälfte ernten wie sonst die Jahre“, sagt Fiedler. Einige Maispflanzen hätten keine Kolben gebildet, andere seien nur zu einem Drittel bis zur Hälfte mit Körnern besetzt.
Warum die Reserven jetzt wichtig werden
Fiedler füttert bereits seit Monaten Grassilage und Maissilage aus den vergangenen beiden Jahren. Diese Vorräte sollen nach seinen Angaben noch etwa zwei Monate reichen, bevor er auf die Ernte dieses Jahres zurückgreifen muss. Rund 50 Kilo Futter braucht eine Kuh pro Tag.
Auch viele andere Betriebe im Land stehen nach Angaben der Bauern- und Winzerverbände unter Druck. Wegen der Trockenheit seien oft nur zwei Grasschnitte möglich gewesen. Nach den ersten Schnitten seien viele Flächen „regelrecht verbrannt“, sagt Jana Beck vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. In Betrieben mit Weidehaltung musste deshalb teils schon im Juni und Juli zusätzlich Futter gegeben werden.
Wann es für Höfe kritisch werden kann
Entscheidend wird aus Sicht Fiedlers das nächste Frühjahr. Wenn es erneut trocken ausfällt, könnten viele Betriebe massive Probleme bekommen, weil die Reserven der Vorjahre dann aufgebraucht seien. Bei einzelnen Höfen sei die Lage bereits jetzt angespannt.
Wenn kein Futter mehr verfügbar ist, müssen Betriebe an ihre Wintervorräte gehen. Wird auch das knapp, kann die Tierzahl sinken. In der Landwirtschaft heißt das „Vieh abstocken“: Tiere werden abgegeben oder geschlachtet.
Wie Betriebe auf längere Trockenphasen reagieren
Fiedler setzt darauf, die Arbeit stärker an längere Trockenperioden anzupassen. Dazu gehören mehrere Maßnahmen:
- trockenresistentere Gräser wie Rohrschwingel im Grünland
- Sommergetreide schon im Herbst aussäen, um Winterfeuchtigkeit zu nutzen
- nach der früheren Maisernte direkt Gras einsäen, damit Flächen weiter Futter liefern
Welche Änderungen Bauern fordern
Aus Sicht Fiedlers erschweren manche Vorgaben die Anpassung an neue Wetterlagen. Er fordert mehr Flexibilität bei der Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle, weil die Vegetation nach seiner Einschätzung länger anhält. Außerdem sollten Betriebe Grünland leichter erneuern dürfen, wenn Pflanzen durch Trockenheit abgestorben sind. Auch bei der Fruchtfolge im Maisanbau wünscht er sich mehr Spielraum, um die Futtergrundlage zu stabilisieren.
Fiedler fordert zudem mehr Rückhalt für die Landwirtschaft und ein klares politisches Bekenntnis zur Tierhaltung. Bei jüngsten Bränden hätten Landwirte mit wassergefüllten Fässern geholfen und dafür viel Anerkennung bekommen. Diese Unterstützung wünsche er sich auch im Alltag der Betriebe. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |