Biontech: In Idar-Oberstein bangen 440 Beschäftigte um ihre Jobs

Biontech hat eine finanzstarke Kooperation bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten. (Archivbild) | Foto: Andreas Arnold/dpa
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Mainz. Beim Biopharma-Unternehmen Biontech stehen bis zu 1860 Arbeitsplätze auf der Kippe. Hintergrund ist die deutlich gesunkene Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen. Das Unternehmen aus Mainz richtet sich strategisch neu aus und setzt künftig stärker auf Krebsmedikamente.

Kritik nach angekündigten Standortschließungen

Die Ankündigung von Werksschließungen sorgt an mehreren Standorten für heftige Reaktionen. Betroffen sind Einrichtungen in Idar-Oberstein, Marburg, Singapur sowie Standorte des übernommenen Tübinger Unternehmens Curevac.

In Idar-Oberstein bangen rund 440 Beschäftigte um ihre Jobs. Das Werk ist auf mRNA sowie Zell- und Gentherapeutika in frühen klinischen Phasen spezialisiert und übernimmt Analytik und Qualitätskontrollen für den Covid-19-Impfstoff.

Auch in Marburg stößt der Schritt auf Kritik. Dort könnten etwa 540 Arbeitsplätze betroffen sein. Das Werk wurde 2021 während der Corona-Pandemie eröffnet. Noch in diesem Jahr soll dort die letzte Charge des Covid-19-Impfstoffs produziert werden. Danach ist ein Rückbau der Anlagen geplant.

An den Curevac-Standorten einschließlich Tübingen stehen rund 820 Stellen im Fokus. Weitere 60 Arbeitsplätze könnten in Singapur wegfallen.

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr kritisierte die Entwicklung scharf. Er sprach von Täuschung und verwies auf frühere Pläne für ein gemeinsames Unternehmen. Zudem vermutet er, dass Biontech mit der Übernahme Patentstreitigkeiten umgehen wolle.

Biontech verweist auf Überkapazitäten

Das Management begründet die Einschnitte mit geringer Auslastung und notwendigem Kostendruck. Für einzelne Standorte wird ein teilweiser oder vollständiger Verkauf geprüft. Nach Angaben des Unternehmens laufen Gespräche über mögliche Investoren.

Die Hoffnung vieler Beschäftigter richtet sich darauf, dass finanzstarke Käufer die Labore weiter betreiben und Arbeitsplätze erhalten.

Weniger Impfstoffgeschäft

Biontech erwartet auf den Märkten in Europa und den USA sinkende Umsätze mit Covid-19-Impfstoffen. Künftig soll die Produktion vollständig von Pfizer-Standorten in Europa und Amerika übernommen werden. Dadurch werden bisher genutzte Kapazitäten in Deutschland überflüssig.

Milliarden für Krebsforschung

Finanziell bleibt das Unternehmen jedoch stark aufgestellt. Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 118,1 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Nettoverlust auf 531,9 Millionen Euro.

Für die kommenden Jahre setzt Biontech vor allem auf Krebsmedikamente auf mRNA-Basis. Eine Kooperation mit dem US-Konzern Bristol Myers Squibb bringt dem Unternehmen bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar. Darin enthalten ist eine Vorauszahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar sowie weitere Zahlungen bis 2028.

Allein im ersten Quartal investierte Biontech rund 557 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Durch die geplante Konsolidierung sollen jährlich bis zu 500 Millionen Euro eingespart werden. Das Geld soll in die Entwicklung und spätere Markteinführung neuer Krebsmedikamente fließen.

Land sieht Biotech-Standort weiter stark

Der designierte Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, bezeichnete die Einschnitte als schmerzhaft. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung des Landes als wichtigen Biotechnologie- und Pharmastandort in Deutschland. Ziel sei es, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land zu sichern.

Weltweit beschäftigt Biontech rund 8400 Menschen. Aktuell sind etwa 400 Stellen ausgeschrieben. Rund 90 davon am Unternehmenssitz in Mainz. Die neuen Jobs liegen jedoch nicht mehr im Bereich der Covid-19-Impfstoffproduktion. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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