Autonomer Lidl-Test in Edermünde: Das steckt dahinter
- Der Lastwagen verzichtet bewusst auf eine Fahrerkabine.
- Foto: Felix Kirberg/dpa
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Edermünde. Lieferungen zu Lidl-Filialen könnten künftig stärker automatisiert laufen, getestet wird das derzeit in Edermünde bei Kassel. Die Schwarz-Gruppe setzt dort einen autonomen Lkw der schwedischen Firma Einride ein, um eine zum Konzern gehörende Lidl-Filiale vom Warenverteilzentrum aus zu beliefern.
Bei einer Veranstaltung im bayerischen Geisenfeld zeigte der Konzern nun das Fahrzeug und nannte Details. Hintergrund ist auch der Mangel an Lkw-Fahrern. Serhan Yildirim von Schwarz Logistic Solutions sieht in autonomen Systemen „einen vielversprechenden Baustein in der Logistik". Entscheidungen und Verantwortung sollten aber auch künftig beim Menschen bleiben.
Test auf kurzer Strecke im Alltag
In der aktuellen Phase geht es nach Angaben von Lidl Deutschland um kurze bis mittlere Strecken und um die Frage, wie die gesamte Prozesskette im Realbetrieb funktioniert. Dazu gehören auch Be- und Entladung an den Rampen. Thomas Dangelmayer von Lidl Deutschland sagte, man prüfe Schritt für Schritt, wie sich solche Lösungen in das bestehende System integrieren lassen.
Für Autobahnen oder Langstrecken ist das eingesetzte Fahrzeug derzeit nicht ausgelegt. In Edermünde darf es höchstens 25 Stundenkilometer fahren. Die Teststrecke zwischen Warenverteilzentrum und Filiale ist nur 400 Meter lang.
Warum 400 Meter trotzdem anspruchsvoll sind
Die Herausforderung liegt laut Dangelmayer nicht in der Strecke, sondern in den Manövern im Filialalltag. Der Lkw muss im öffentlichen Straßenverkehr abbiegen, einen Parkplatz überqueren und an die Laderampe fahren. Genau diese Abläufe sollen im Pilotbetrieb erprobt werden.
Ganz ohne menschliche Begleitung läuft der Test noch nicht. Ein sogenannter Local Operator von Einride begleitet das Fahrzeug. Er übernimmt in der Pilotphase das Be- und Entladen und kann in Ausnahmesituationen per Fernsteuerung eingreifen.
Deutschland als anspruchsvoller Prüfstand
Die Schwarz-Gruppe hat Deutschland nach eigenen Angaben bewusst für den Pilotversuch ausgewählt. Yildirim verwies auf die strengen Vorgaben von TÜV und Kraftfahrt-Bundesamt. Wer diese Standards erfülle, schaffe eine solide Basis für weitere Einsätze in Europa.
Als weitere Herausforderung gilt, dass sich autonome Lkw nahtlos in digitale und physische Abläufe an Rampen und Filialen einfügen müssen. Das Projekt soll zeigen, ob sich aus dem Testbetrieb verlässliche Maßstäbe für größere autonome Transportsysteme ableiten lassen. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |