Autokrise in Deutschland: Gewinne der Hersteller brechen ein

Der Umsatz von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW ist im ersten Halbjahr gesunken. (Archivbild) | Foto: Lukas Barth-Tuttas/dpa
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Deutschland. Für Beschäftigte, Zulieferer und Autokäufer steigt der Druck: Die drei großen deutschen Autobauer Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW verlieren im internationalen Vergleich weiter an Boden. Nach einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY sanken ihre Umsätze in der ersten Jahreshälfte auf rund 284 Milliarden Euro. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

International zeigt sich ein anderes Bild. Die 19 untersuchten Autokonzerne steigerten ihre Erlöse zusammen um 3,6 Prozent auf knapp 1.048 Milliarden Euro. Für die deutschen Hersteller war es laut EY bereits das dritte Umsatzminus in einem ersten Halbjahr in Folge.

Deutsche Konzerne fallen im Ranking zurück

Besonders deutlich wird der Rückstand im Vergleich der einzelnen Hersteller. 15 der untersuchten Autobauer erzielten laut EY ein Umsatzplus. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW landeten dagegen auf den Plätzen 16, 17 und 19. Den stärksten Zuwachs verbuchte Tesla, gefolgt von Suzuki und Geely.

Auch beim Gewinn setzt sich die Schwäche fort. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz Ebit, der deutschen Autobauer sank um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Absolut lagen VW, Mercedes und BMW damit weiterhin klar vor den Herstellern aus anderen Ländern. Nach der EY-Analyse ist es aber der niedrigste Wert seit dem Pandemie-Jahr 2020.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:

  • Umsatz der deutschen Hersteller: rund 284 Milliarden Euro, minus 2,9 Prozent
  • Umsatz aller untersuchten Hersteller: knapp 1.048 Milliarden Euro, plus 3,6 Prozent
  • Ebit der deutschen Hersteller: 13,0 Milliarden Euro, minus 19,0 Prozent
  • Gewinn aller untersuchten Hersteller: 43,7 Milliarden Euro, plus 11,4 Prozent
  • China-Absatz von VW, Mercedes und BMW: minus 25 Prozent

Der Gewinn aller betrachteten Hersteller stieg laut Analyse um 11,4 Prozent. EY verweist allerdings darauf, dass der Vergleich durch hohe Abschreibungen mehrerer Konzerne auf das Geschäft mit E-Autos im Vorjahreszeitraum verzerrt wird.

EY sieht Profitabilitätskrise bei VW, Mercedes und BMW

EY-Branchenexperte Constantin Gall spricht von einer Profitabilitätskrise der deutschen Autoindustrie. „Die deutschen Hersteller verlieren nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft“, erklärte Gall. Während internationale Wettbewerber ihre Margen stabilisierten, gerieten VW, Mercedes-Benz und BMW bei Gewinn und Rendite weiter ins Hintertreffen.

Nach seiner Einschätzung belasten strukturelle Kostennachteile die Unternehmen. Der hohe Produktionsanteil in Deutschland sei lange ein Wettbewerbsvorteil und Zeichen für Qualität gewesen. Inzwischen würden jedoch eine geringe Lohnkostenproduktivität, hohe Energiepreise sowie Kosten durch Regeln und Bürokratie stärker ins Gewicht fallen.

Gall warnte, dass notwendige Veränderungen in Deutschland nicht konsequent genug umgesetzt würden. Deshalb werde es schwer, bei der Profitabilität wieder zur Weltspitze aufzuschließen. Deutsche Konzerne suchten ihr Heil zunehmend an attraktiveren Standorten.

China wird vom Wachstumstreiber zum Risiko

Besonders belastend ist laut EY der chinesische Markt. Neben US-Zöllen macht den Autobauern vor allem die schwächere Nachfrage in China zu schaffen. Dort verzeichneten Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW von Januar bis Juni einen Absatzrückgang von 25 Prozent.

„China bleibt das größte Einzelrisiko für die deutschen Konzerne“, erklärte Gall. Ein Minus in dieser Größenordnung lasse sich kurzfristig nicht in anderen Regionen ausgleichen. Zwar laufe es für die deutschen Hersteller in Europa derzeit vergleichsweise gut. Das reiche aber nicht aus, um den Einbruch in China wettzumachen.

Der chinesische Markt ist laut EY extrem wettbewerbsintensiv. Wegen der schwachen Konjunktur verkaufen sich teure Premiumfahrzeuge schlechter. Im wachsenden Elektrosegment bevorzugen chinesische Kunden zudem verstärkt einheimische Marken. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sank binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent.

Auch chinesische Hersteller stehen unter Druck. Ihr weltweiter Absatz sank im ersten Halbjahr um acht Prozent. In Europa legte ihr Absatz dagegen um 44 Prozent zu. Laut EY halten sie trotz hoher Kosten am Expansionskurs fest. Für Anbieter aus Europa bedeutet das weiter steigenden Preisdruck im Heimatmarkt.

IG Metall ruft zu Aktionen gegen Stellenabbau auf

Die Krise trifft auch Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie. Mehrere Jobabbauprogramme laufen über Jahre. Betroffen sind zehntausende Menschen, unter anderem bei Mercedes-Benz, BMW, im Volkswagen-Konzern und bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio, ZF Friedrichshafen und Mahle.

Die IG Metall macht deshalb am Montag, 21. September, an gut 200 Orten mobil. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ erwartet die Gewerkschaft mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie fordert von den Herstellern mehr Investitionen in deutsche Werke, etwa in Batteriefertigung und autonomes Fahren. Von der Politik verlangt sie wettbewerbsfähige Industriestrompreise und Zölle auf chinesische Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge. [dpa/red]

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dpa content aus Ludwigshafen

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