SV Darmstadt 98 erinnert an jüdische Vereinsmitglieder

Die Stolpersteintour des SV Darmstadt 98 führte durch Darmstadt bis zum Böllenfalltor. | Foto: Anouar Touir

Darmstadt. Der SV Darmstadt 98 hat am 13. Oktober erstmals eine Stolpersteintour zur Erinnerung an frühere jüdische Vereinsmitglieder veranstaltet. Rund 35 Teilnehmer gingen nach Vereinsangaben auf einer etwa sechs Kilometer langen Strecke durch die Stadt und erfuhren mehr über Menschen aus dem Verein, die während der nationalsozialistischen Verfolgung ausgegrenzt, vertrieben oder zur Flucht gezwungen wurden.

Stationen zwischen Innenstadt und Böllenfalltor

Die Tour begann am Lilien-Fanshop in der Wilhelminenstraße und führte bis zum Böllenfalltor. Geleitet wurde sie von Thomas Spengler und Marc Rainer Balbaschewski aus dem Vereinshistorischen Referat.

Eine Station war die frühere Praxis von Hugo Berger. Berger war zunächst Leichtathlet beim SV Darmstadt 98 und später Vereinsarzt. Er behandelte nach Vereinsangaben auch Menschen unentgeltlich, die sich medizinische Versorgung nicht leisten konnten. Im November 1933 verlor Berger seine ärztliche Zulassung und wurde in das Konzentrationslager Osthofen verschleppt. Nach seiner Freilassung emigrierte er 1934 nach Israel. 1954 besuchte er Darmstadt erstmals wieder.

Ausschluss jüdischer Mitglieder im Jahr 1933

An den Stolpersteinen für Herbert und Moritz Wieseneck erinnerte die Gruppe an zwei weitere frühere Vereinsmitglieder. Moritz Wieseneck war als Funktionär tätig, Herbert Wieseneck engagierte sich als Leichtathlet und Handballer. Herbert Wieseneck musste den Verein im September 1933 verlassen. Zuvor hatten dem SV Darmstadt 98 laut Vereinsangaben rund 20 jüdische Mitglieder angehört.

Im Oktober 1933 führte der Verein den sogenannten Arierparagraphen ein. Jüdische Menschen und weitere Personen, die nicht den nationalsozialistischen Vorgaben entsprachen, wurden damit von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Erinnerung an Bücherverbrennung

Ein weiterer Halt war am Jugendstilbad. Dort ging es um die Bücherverbrennung vom 21. Juni 1933. Der Darmstädter Studentenbund zog damals mit Fackeln vom Bismarckturm zum Jugendstilbad und verbrannte zuvor aussortierte Bücher öffentlich. Die Aktion richtete sich gegen Literatur und Autoren, die von Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Die Tour endete am Dr.-Karl-Heß-Platz am Böllenfalltor. Karl Heß war von 1928 bis 1933 Vorsitzender des SV Darmstadt 98. Er floh vor der nationalsozialistischen Verfolgung ins Exil und emigrierte nach Brasilien. In den 1960er-Jahren kehrte er mit seiner Frau nach Darmstadt zurück.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs meldeten sich ehemalige jüdische Vereinsmitglieder erneut beim SV Darmstadt 98. Schriftliche Zeugnisse dokumentieren ihre weiterhin bestehende Verbindung zum Verein. In vielen dieser Schreiben wurde auch Heinz Lindner gelobt, obwohl dessen Handlungen während der Zeit des Holocaust als problematisch beschrieben werden. [red]

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Fußball im Südwesten: Vereinsnachrichten & Ergebnisse aus Rheinhessen

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