Erdoğan: ARD-Dokuserie zeigt Aufstieg und Mechanismen der Macht

ERDOĞAN: Die vierteilige Dokuserie in der ARD Mediathek zeichnet Erdoğans Aufstieg und die Mechanismen seiner Macht nach. | Foto: WDR Westdeutscher Rundfunk
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ERDOĞAN. Recep Tayyip Erdoğan prägt die Türkei seit über 23 Jahren, und die vierteilige Dokuserie „ERDOĞAN“ fragt, wie aus ihm der mächtigste und populärste Politiker des Landes seit Atatürk werden konnte. Ab am 29. Juni läuft die Reihe in der ARD Mediathek, wahlweise in deutscher oder türkischer Sprachfassung.

Die Serie folgt Erdoğans Weg vom Aufwachsen in einem ärmlichen Istanbuler Viertel bis zum Staatspräsidenten, der nahezu alle Befugnisse in seiner Hand vereint. Im Zentrum stehen Fragen nach seinem politischen Instinkt, seinen Strategien und den Mechanismen, mit denen er Niederlagen in Chancen verwandeln konnte.

ERDOĞAN: Wer aus dem Umfeld spricht, und worauf die Serie schaut

Für die Dokuserie haben die Journalistinnen und Journalisten Michael Wech und Kristina Karasu mit früheren Weggefährten und Vertrauten aus Erdoğans unmittelbarem Umfeld gesprochen. Zu den Gesprächspartnern zählen unter anderem der frühere stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arınç, der frühere US-Verteidigungsminister Leon Panetta, der frühere Präsident und langjährige Türkei-Berichterstatter des Europäischen Parlaments Martin Schulz sowie Erdoğans ehemaliger Privatsekretär Turhan Çömez.

Auch Fatma Bostan Ünsal, AKP-Mitgründerin, Nihal Olçok, die Witwe von Erdoğans langjährigem Wahlkampfstrategen, und der frühere Kulturminister Ertuğrul Günay geben Einblicke. Die Serie greift dabei auch Fragen zur Bedeutung der türkischen Community in Deutschland auf und thematisiert, welche Rolle Erdoğans Frau Emine und seine Kinder für ihn spielen.

Warum jetzt, warum so sensibel: Zwei Stimmen aus dem Team

Michael Wech begründet den Zeitpunkt der Reihe so: „Erdoğan gehört für mich zu den fünf mächtigsten, amtierenden Politikern der Welt. Und er ist vermutlich auf dem Zenit seiner Macht. Deshalb könnte es keinen besseren Moment geben, finde ich. [...] Nichts ist spannender als die Frage: Wer ist der Mann, dem dies gelang?“, sagt Wech.

Kristina Karasu beschreibt die Veränderung, die sie über Jahre beobachtet hat: „Als ich 2008 das erste Mal nach Istanbul kam, wurde Erdoğan im Inland gefeiert und in Europa hofiert. Die Wirtschaft boomte. Heute regiert er das Land quasi allein, geht unbarmherzig gegen seine Gegner vor, lässt kritischen Bürgerinnen und Bürgern kaum noch Luft zum Atmen.“

Zugang, Angst und was Gespräche ausgelöst haben

Karasu erzählt, dass das Thema Sicherheit bei den Recherchen eine Rolle spielte, weil viele Menschen in der Türkei Angst vor Konsequenzen haben, wenn sie Erdoğan kritisieren. „Doch dann haben viele Menschen, die jahrelang sehr nah an Erdoğan Seite standen, sehr offen mit uns geredet. Es sind Menschen aus sehr unterschiedlichen ideologischen Lagern, die irgendwann in ihrem Leben die Entscheidung getroffen haben, dass Reden besser ist als Schweigen“, so Karasu.

Bei den Interviews gab es Momente, die lange nachwirkten. „Die ersten Interviews haben wir mit Erdoğans einstigem Privatsekretär Turhan Çömez sowie der einstigen Weggefährtin Nihal Olçok geführt, die zugleich Witwe von Erdoğans legendärem, langjährigen Werbeberater ist. [...] Die Gespräche dauerten viele Stunden lang und waren wie eine Zeitreise“, sagt Karasu. [red]

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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