Zwischen Nachrichten und Kinderzimmer: So schützen Eltern ihre Kinder vor Stress

Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen. (zu dpa: «Wenn Krisen aufs Familienklima drücken – was jetzt hilft») | Foto: dpa
  • Umgang mit Krisen: Eltern sollten unterscheiden, welche Infos ihr Kind verstehen kann - und welche eher Ängste auslösen. (zu dpa: «Wenn Krisen aufs Familienklima drücken – was jetzt hilft»)
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Familie. Wenn Nachrichten über Kriege, steigende Preise oder politische Krisen den Alltag bestimmen, spüren Kinder vor allem die Anspannung der Erwachsenen. Familienberaterin Kira Liebmann beobachtet, dass überlastete Eltern schneller gereizt reagieren. Schon kleine Strategien können helfen, den Druck nicht direkt in den Familienalltag mitzunehmen.

Viele Eltern seien derzeit stark belastet, sagt die Erziehungs- und Familienberaterin aus Maisach. Dauerstress senke das Einfühlungsvermögen, Streit entstehe schneller. «Und damit holen wir die Krise auch in die Familien», so Liebmann.

Für Kinder sei jedoch meist nicht die Weltlage selbst das Problem. Entscheidend sei die Stimmung zu Hause. «Für Kinder ist der Tankstellenpreis egal. Für Kinder zählt, was dieser Tankstellenpreis mit den Eltern macht», so Liebmann.

Emotionen sortieren, bevor der Familienalltag beginnt

Sorgen über Geld, Politik oder Krisen lassen sich nach Einschätzung der Beraterin besser mit Partnern, Freunden oder anderen Erwachsenen besprechen. Kinder könnten solche Themen häufig noch nicht einordnen. Sie registrieren vor allem, wenn es den Eltern schlecht geht.

Ein kurzer Übergang zwischen Arbeit und Familienzeit könne helfen, das eigene Stressniveau zu senken. Beispiele aus der Beratungspraxis sind ruhige Musik, ein kurzer Spaziergang oder bewusstes Wahrnehmen von Naturgeräuschen. Ziel ist, das Nervensystem zu beruhigen, bevor Gespräche oder Konflikte entstehen.

Altersgerechte Erklärungen entlasten Kinder

Wie offen über Krisen oder Geld gesprochen wird, hängt stark vom Alter ab. Bei jüngeren Kindern reicht oft eine einfache Einordnung der eigenen Stimmung. Liebmann empfiehlt Formulierungen wie: «Ich bin gerade leichter gestresst. Das hat aber mit dir nichts zu tun.»

Mit zunehmendem Alter können Zusammenhänge konkreter erklärt werden.

  • Bis zur Grundschule müssen finanzielle oder politische Zusammenhänge meist nicht detailliert erklärt werden.
  • In der Grundschule kann sachlich erläutert werden, dass Dinge teurer werden.
  • Jugendliche verstehen wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen deutlich besser.

Wichtig sei ein nüchterner Ton. «Bitte nicht ins Drama fallen, sondern eher sachlich erklären», sagt Liebmann.

Wenn Urlaubspläne unsicher werden

Finanzielle Veränderungen werden für Kinder oft sichtbar, wenn Reisen oder größere Ausflüge zur Diskussion stehen. Laut Liebmann hilft hier Klarheit. Eltern könnten die Situation offen erklären, etwa: «Wir wissen nicht, ob im Sommer noch Flüge gehen» oder: «Wir wissen nicht, ob wir das Geld haben werden.»

Danach könne der Blick auf Alternativen helfen. Statt langer Problemdebatten rät die Beraterin zu einem Perspektivwechsel. Ausflüge an den See, Tagesfahrten oder kleine gemeinsame Aktivitäten können gemeinsam geplant werden. Auch die Frage «Was würdet ihr euch denn wünschen?» beziehe Kinder ein.

Soziale Vergleiche lassen sich ebenfalls einordnen. Aussagen wie «Wir können das nicht beeinflussen» oder «trotzdem geht es uns gut, weil wir uns lieb haben» stärken nach Einschätzung der Expertin das Sicherheitsgefühl, ohne die Situation zu beschönigen.

Bewusst Raum für gute Nachrichten schaffen

Neben Gesprächen über Sorgen spielt auch der Umgang mit Informationen eine Rolle. Liebmann empfiehlt eine bewusste «Informationshygiene». Dazu gehört, den eigenen Nachrichtenkonsum zu begrenzen und etwa abends das Handy wegzulegen.

Ebenso wichtig sei, aktiv für positive Momente zu sorgen. Die Frage, welche Menschen oder Aktivitäten Energie geben und welche eher belasten, könne helfen, den Alltag neu auszubalancieren.

Denn im Familienleben gehe in Krisenzeiten häufig etwas verloren. Freude. «Es darf gelacht werden, auch wenn wir Krisen haben», betont Liebmann. Bewusste Leichtigkeit stabilisiere Familien und helfe, die Balance zwischen Belastung und Alltag zu halten. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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