Wenn schon kleine Unordnung große Angst auslöst

Liegen die Gewürzdosen nicht im richtigen Abstand, machen sich Unruhe und Anspannung breit: Ordnungszwänge können Leidensdruck auslösen, gelten aber als gut therapierbar. | Foto: dpa
  • Liegen die Gewürzdosen nicht im richtigen Abstand, machen sich Unruhe und Anspannung breit: Ordnungszwänge können Leidensdruck auslösen, gelten aber als gut therapierbar.
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Ordnungszwang. Bei manchen Menschen kann schon eine scheinbar kleine Unordnung im Haushalt starke innere Unruhe auslösen und den Alltag erheblich belasten. Betroffene verlieren viel Zeit mit Ritualen und erleben anhaltenden Stress, obwohl ihnen die Unangemessenheit ihres Handelns bewusst ist.

Hinter dem ausgeprägten Bedürfnis nach perfekter Ordnung kann eine Zwangsstörung stecken. Fachleute sprechen von Ordnungszwang, wenn Gedanken und Handlungen nicht mehr frei steuerbar sind und mit hohem Leidensdruck einhergehen. Häufig kommen sogenannte magische Befürchtungen hinzu, etwa die Vorstellung, dass Angehörigen etwas zustoßen könnte, wenn ein Ordnungsschema nicht eingehalten wird.

Als wirksam gilt nach Einschätzung von Fachleuten vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition. «In solchen Fällen kann eine kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition hilfreich sein», sagt Prof. Lena Jelinek vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die zu Zwangsstörungen forscht.

Therapie findet dort statt, wo der Zwang entsteht

Ein zentrales Element der Behandlung ist der direkte Bezug zum Alltag. Jelinek zufolge ist es wichtig, dass Therapeutinnen oder Therapeuten Betroffene auch zu Hause begleiten. Dort entstehen die auslösenden Situationen, etwa in der Küche oder im Wohnzimmer.

Ein Beispiel aus der Praxis: Für einen Mann müssen Gewürzdosen im Regal exakt symmetrisch und in festem Abstand stehen. Nach jedem Kochen investiert er viel Zeit, um diese Ordnung herzustellen. Bleibt das Ritual aus, treten starke Sorgen auf, etwa die Angst, den eigenen Kindern könne etwas passieren. Obwohl der Zusammenhang rational verneint wird, setzt sich der Zwang durch.

Im Rahmen der Therapie wird schrittweise geübt, die Ordnung bewusst zu verändern oder nicht herzustellen. Unter therapeutischer Begleitung erlebt der Betroffene, dass die befürchteten Katastrophen ausbleiben. Ziel ist es, die Angst auszuhalten, ohne sie durch Rituale zu neutralisieren. Das Gehirn lernt allmählich, dass von der Unordnung keine reale Gefahr ausgeht.

Diese Form der Behandlung gilt als aufwendig, kann aber langfristig zu einer spürbaren Entlastung führen, weil sie direkt an den alltäglichen Auslösern ansetzt. dpa

Dieser Text wurde mit maschineller Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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