Weniger Zucker, höhere Preise? Was die neue Softdrink-Steuer für Verbraucher und Bauern bedeutet
- Die Zuckersteuer ist vom Kabinett beschlossen - aber nicht alle freuen sich. (Symbolbild)
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Rheinland-Pfalz. Die geplante Steuer auf zuckergesüßte Getränke könnte Limonaden weniger süß machen und Preise beeinflussen: Im Land ist sie umstritten. Sie soll ab Mittwoch, 1. Juli gelten, zuvor muss jedoch noch der Bundestag entscheiden.
Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) will den Kompromiss mittragen, sieht die Abgabe aber kritisch. Rheinland-Pfalz sei wegen seiner Zuckerbauern stärker betroffen als andere Länder. Die Betriebe litten bereits unter der Glasflügelzikade und Ernteausfällen. Zudem steige der Wettbewerb durch Rohrzucker aus Südamerika.
Gesundheitsexperten sehen Chance gegen Übergewicht
Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) befürwortet die Steuer als Mittel der Prävention, vor allem mit Blick auf Kinder und Jugendliche. Eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke könne nach internationalen Erfahrungen und Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation helfen, den Konsum zu senken.
Auch der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und JugendärztInnen, Christian Wantzen, unterstützt den Vorstoß. Kinder und Jugendliche hätten 2020 im Durchschnitt bis zu einen halben Liter zuckergesüßte Erfrischungsgetränke täglich getrunken. Dieser Konsum habe weiter zugenommen. Im europäischen Vergleich liege Deutschland damit auf Platz drei.
Was die Steuer bewirken soll
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erwartet vor allem veränderte Rezepturen. Eine gestaffelte Abgabe könnte für Hersteller einen Anreiz sein, den Zuckeranteil zu reduzieren. Nach Angaben der Verbraucherzentrale ging der durchschnittliche Zuckergehalt betroffener Softdrinks in Großbritannien seit Einführung einer solchen Abgabe laut Studien um rund 47 Prozent zurück.
- Weniger Zucker: Getränke mit geringerem Zuckeranteil sollen niedriger besteuert werden.
- Preise: Nach Erfahrungen aus anderen Ländern müssten Produkte nicht zwingend teurer werden, wenn Hersteller ihre Rezepturen anpassen.
- Einnahmen: Die vorgesehenen Mittel sollen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren.
Bauern und Getränkeindustrie lehnen Abgabe ab
Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer warnt dagegen vor Mehrbelastungen für Verbraucher, Landwirtschaft und Unternehmen. Er verweist auf Dänemark, das seine Steuer auf zuckerhaltige Getränke 2014 unter anderem wegen Bürokratiekosten und Grenzhandel wieder abschaffte. Die Bitburger Braugruppe setzt ebenfalls auf freiwillige Zuckerreduzierung statt auf eine neue Steuer.
Auch Landwirtschafts- und Umweltministerin Christine Schneider (CDU) lehnt die Abgabe ab. Sie gehört zu neun CDU-Länderfachministern, die Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Brief gegen die Zuckersteuer aufgefordert hatten.
Bundestag entscheidet über den Start
Vorgesehen sind Einnahmen von 690 Millionen Euro im ersten Jahr und 925 Millionen Euro im zweiten Jahr. Danach werden jährlich 875 bis 890 Millionen Euro erwartet. Ob die Steuer tatsächlich zum geplanten Termin startet, entscheidet nun der Bundestag. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |