Weniger Scham in Gruppentherapie: Wann sie hilft
- Gruppentherapie ist nicht für jede Situation geeignet.
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Gruppentherapie. Gruppentherapie kann Scham mindern und Mut für den Alltag machen, weil Betroffene in einer angeleiteten Runde erleben, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Für Menschen, die vor einer Behandlung in der Gruppe zögern, ist vor allem wichtig: Die Therapieform ist keine Notlösung, sondern kann Einzeltherapie sinnvoll ergänzen.
Beim Gedanken an Psychotherapie in der Gruppe sind viele Patientinnen und Patienten zunächst skeptisch. Häufig geht es um die Sorge, von den Problemen anderer zusätzlich belastet zu werden oder die eigene Gefühlswelt vor fremden Menschen offenlegen zu müssen.
«Solche Sorgen vor der ersten Sitzung sind völlig normal», sagt Prof. Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie und Psychosomatik. Nach ihrer Einschätzung kann die starke Akzeptanz in der Gruppe für viele Teilnehmende entlastend wirken. Beschoner ist ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau.
Warum die Gruppe im Alltag entlasten kann
In einer therapeutisch angeleiteten Gruppe wirken mehrere Faktoren zusammen. Entscheidend ist nicht nur das Gespräch mit der Fachkraft, sondern auch die Erfahrung mit anderen Betroffenen.
- Nicht allein mit den eigenen Problemen: Patientinnen und Patienten erleben oft, dass andere mit ähnlichen Themen kämpfen. «Menschen, die sich lange als schwach oder besonders kompliziert empfunden haben, merken plötzlich, dass andere mit ganz ähnlichen Themen kämpfen», sagt Beschoner. Das kann Scham mindern.
- Rückmeldungen aus der Gruppe: Teilnehmende erhalten Feedback nicht nur von der therapeutischen Fachkraft, sondern auch von anderen Gruppenmitgliedern. «Dieses ehrliche Feedback erreicht viele Menschen viel tiefer als eine theoretische Erklärung», sagt die Fachärztin. So kann sichtbar werden, wie bestimmte Verhaltensweisen auf andere wirken.
- Übungsfeld für den Alltag: In geschütztem Rahmen lassen sich schwierige Situationen ausprobieren. Dazu gehören etwa Grenzen zu setzen, Kritik auszuhalten oder eigene Bedürfnisse zu äußern. «Viele merken dabei: Ich darf mich anders verhalten, ohne dass gleich etwas Schlimmes passiert», beschreibt Beschoner. Das kann den Schritt in Alltagssituationen erleichtern.
Einzeltherapie und Gruppentherapie ergänzen sich
Eine Gruppentherapie sollte nicht als abgespeckte Alternative zur Einzeltherapie verstanden werden. Beide Therapieformen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. In der Einzeltherapie lassen sich persönliche Themen besonders individuell bearbeiten. In der Gruppe werden soziale Erfahrungen und Beziehungsmuster oft unmittelbarer sichtbar.
Auch Studien deuten darauf hin, dass Gruppentherapie bei bestimmten psychischen Erkrankungen wirksam sein kann. Für einzelne Störungsbilder zeigen Metaanalysen eine vergleichbare Wirksamkeit von Gruppen- und Einzeltherapie.
Ob Gruppentherapie geeignet ist, hängt vom Krankheitsbild, von der persönlichen Situation und vom aktuellen Unterstützungsbedarf ab. Klären lässt sich das in einer psychotherapeutischen Sprechstunde oder im Gespräch mit der behandelnden Fachkraft. Auch eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie ist möglich.
Für Betroffene kann die Gruppe vor allem dann hilfreich sein, wenn soziale Erfahrungen, Scham oder Beziehungsmuster Teil der Belastung sind. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |