Warum die Sommerzeit-Umstellung das Unfallrisiko im Berufsverkehr erhöht
- Sommerzeit-Umstellung und erhöhtes Risiko für Wildunfälle im morgendlichen Berufsverkehr.
- Foto: ADAC Hessen-Thüringen e.V.
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Sommerzeit umstellen. In den Tagen nach der Zeitumstellung hilft vor allem eines, um das Unfallrisiko zu senken: mit mehr Reserve zu fahren, weil Müdigkeit zunimmt und Wildwechsel häufiger in die Dämmerungs- und Berufsverkehrszeiten fällt.
In der Nacht zum Sonntag, 29. März, werden um Punkt zwei die Uhren eine Stunde vorgestellt. Der ADAC Hessen-Thüringen e.V. ordnet ein, dass sich die Umstellung nicht nur im Tagesablauf zeigt, sondern auch in der Verkehrssicherheit, weil sich bei manchen Menschen der Biorhythmus verschiebt.
Wer die verlorene Stunde deutlich spürt, ist in den Folgetagen häufiger müde und weniger konzentriert. Das ist kein Ausnahmeproblem, sondern ein typischer Effekt, wenn die innere Uhr nicht sofort nachzieht. In dieser Phase entscheidet im Straßenverkehr oft die Kombination aus Tempo, Aufmerksamkeit und Reaktionsweg.
Warum nach der Umstellung Wildunfälle häufiger passieren
Zur Müdigkeit kommt laut ADAC Hessen-Thüringen e.V. ein zweiter Faktor, der sich nach der Umstellung besonders bemerkbar macht: Wildtiere wechseln weiterhin zu ähnlichen Zeiten, während sich der Berufsverkehr durch die neue Uhrzeit verschiebt. Dadurch treffen mehr Fahrzeuge und Wild in der Dämmerung zusammen.
Deutschlandweit ereignet sich statistisch alle 2,5 Minuten ein Wildunfall. Für Hessen nennt der Landesjagdverband Zahlen aus dem Jagdjahr 2024/2025 (vom 1.4.2024 bis 31.3.2025): Insgesamt 13.740 Stück Schalenwild (Paarhufer wie Reh-, Rot- und Damwild) fielen dem Straßenverkehr zum Opfer, davon 12.004 Rehe. Kleintiere wie Fuchs, Hase und Kaninchen sind in dieser Statistik nicht enthalten.
Besonders häufig passieren Kollisionen auf Landstraßen durch Waldgebiete oder entlang von Feldern. Der ADAC nennt hier vor allem die Morgenstunden zwischen 6 und 9 Uhr als Zeitraum mit erhöhtem Risiko, weil Wild zur Nahrungssuche unterwegs ist und gleichzeitig mehr Pendler fahren.
Zusätzlich sind laut Landesjagdverband junge Böcke auf der Suche nach einem eigenen Revier oft unruhig unterwegs. Vor allem im April und Mai kommt es regelmäßig zu vielen Unfällen mit Rehen während des morgendlichen Berufsverkehrs.
Was im Alltag auf typischen Strecken den Unterschied macht
Warnschilder für Wildwechsel sollen auf Gefahrenstrecken aufmerksam machen. In der Praxis werden sie aber häufig übersehen. Entscheidend ist dann die Geschwindigkeit, weil sie den Anhalteweg stark beeinflusst.
- Ein konkretes Beispiel aus der ADAC-Einordnung: Bei einer Reduktion von 80 auf 60km/h verkürzt sich der Anhalteweg bereits um 20 Meter.
- Auf Landstraßen mit Wald- und Feldrändern lohnt sich besonders in den frühen Morgenstunden mehr Aufmerksamkeit, weil Wild plötzlich die Fahrbahn queren kann.
- Wenn der Schlaf durch die Zeitumstellung schlechter war, steigt das Risiko für Fehler durch Müdigkeit und geringere Konzentration.
Um die Anpassung an die Sommerzeit zu erleichtern, nennt Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen e.V., zwei alltagstaugliche Stellschrauben: Bewegung an der frischen Luft wie Spazierengehen oder Radfahren sowie in den Tagen vor der Umstellung früher schlafen zu gehen, um die innere Uhr umzugewöhnen.
Wenn Wild am Straßenrand steht: die sichere Reihenfolge
Stehen Tiere auf oder neben der Straße, empfiehlt der ADAC: bremsen, hupen und das Licht abblenden, um Wildtiere zu vertreiben. Als besonders riskant gelten hektische Ausweichmanöver, weil dadurch Unfälle mit dem Gegenverkehr oder ein Abkommen von der Fahrbahn wahrscheinlicher werden.
Wichtig ist auch der Hinweis aus der ADAC-Praxis: Viele Wildtiere wie Rehe, Hirsche oder Wildschweine sind Rudeltiere. Nach dem ersten Tier kann ein weiteres folgen. Ist ein Zusammenstoß unvermeidbar, gilt laut ADAC: Lenkrad möglichst gerade halten und kräftig bremsen. Nach einem Wildunfall muss die Unfallstelle abgesichert sowie Polizei und Jäger informiert werden.
Für die Schadensregulierung mit der Versicherung ist eine Wildunfallbescheinigung notwendig. Diese wird laut ADAC von der Polizei oder dem Jagdpächter bereits am Unfallort ausgestellt und muss der Versicherung vorgelegt werden. Verletzte oder tote Tiere dürfen nicht mitgenommen werden, da sonst eine Anzeige wegen Wilderei drohen kann.
Unterm Strich sorgt die Zeitumstellung vor allem morgens für eine ungünstige Mischung aus Müdigkeit und mehr Wildwechsel, weshalb in den ersten Tagen nach der Sommerzeit mehr Reserve bei Tempo und Aufmerksamkeit praktisch den größten Unterschied macht. (red)
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |