Tschernobyl-Folgen in Rheinland-Pfalz: Strahlung bleibt messbar
- Eine Drohne beschädigte die 2016 von einem Koblenzer Unternehmen gelieferte Schutzhülle. (Archivfoto)
- Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
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Rheinland-Pfalz. Auch vier Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind ihre Folgen noch messbar. Messungen zeigen, dass radioaktive Rückstände weiterhin in Teilen der Umwelt in Rheinland-Pfalz nachweisbar sind.
Am Sonntag, 26. April, jährt sich der Super-GAU im ukrainischen Atomkraftwerk zum 40. Mal. Damals explodierte Reaktor vier während eines Tests um 1.23 Uhr. Radioaktive Partikel gelangten in großen Mengen in die Atmosphäre und verteilten sich über weite Teile Europas.
Schutzhülle über zerstörtem Reaktor
Das zerstörte Kraftwerk ist bis heute eine der gefährlichsten Atomruinen der Welt. Über dem havarierten Reaktor steht seit 2016 eine riesige Stahlhülle. Der sogenannte „New Safe Confinement“ soll verhindern, dass radioaktive Stoffe austreten.
An der Konstruktion war auch ein Unternehmen aus Koblenz beteiligt. Der Vertriebsleiter der Firma Kalzip, Christoph Schmidt, bezeichnet das Projekt als prägend für seine Laufbahn. Die Konstruktion sei auf eine Lebensdauer von rund 100 Jahren ausgelegt und sogar auf extreme Belastungen getestet worden. Dazu gehörten starke Stürme oder schwere Einschläge.
Schäden durch Angriffskrieg
Neue Risiken entstanden jedoch durch den Krieg in der Ukraine. Laut Schmidt wurde die Schutzhülle durch eine Explosivdrohne beschädigt. Dabei entstand ein etwa zwei Meter großes Loch im Dach. Teile der speziellen Schutzmembran brannten. Fachleute prüfen derzeit Möglichkeiten für eine provisorische Reparatur.
Spätfolgen noch in Rheinland-Pfalz messbar
Auch weit entfernt vom Unglücksort lassen sich Folgen nachweisen. Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz weist darauf hin, dass das radioaktive Isotop Cäsium 137 noch immer in der Umwelt vorhanden ist. Zwar sind inzwischen rund 60 Prozent zerfallen. Dennoch werde die Katastrophe auch in den kommenden Jahrzehnten messbar bleiben.
Besonders betroffen sind laut Behörde bestimmte Lebensmittel aus der Natur.
- Wildschweinfleisch kann erhöhte Werte aufweisen
- Pilze nehmen radioaktives Cäsium besonders leicht aus Waldböden auf
Der Grund liegt im Verhalten der Tiere. Wildschweine wühlen im Boden nach Nahrung und fressen unter anderem Hirschtrüffel. Diese unterirdischen Pilze reichern Cäsium besonders stark an.
Behörden geben Entwarnung für Verbraucher
Trotz einzelner Belastungen sehen Fachleute derzeit kein Gesundheitsrisiko. Das Landesuntersuchungsamt wertete mehr als 24.000 Datensätze zu erlegten Wildschweinen aus Rheinland-Pfalz aus. Selbst häufiger Verzehr gilt demnach als unbedenklich.
Auch bei Pilzproben aus den Jahren 2022 bis 2025 lagen alle Messwerte unter dem gesetzlichen Höchstwert von 600 Becquerel pro Kilogramm. Regelmäßige Untersuchungen von Gemüse, Obst, Fleisch und Milch zeigen ebenfalls keine Auffälligkeiten.
Nach Angaben der Behörde ist radioaktives Cäsium auf landwirtschaftlichen Flächen inzwischen so fest im Boden gebunden, dass es kaum noch von Pflanzen aufgenommen wird. Damit gelangt es auch nicht in die Nahrungskette. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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