Trinkwasser im Südwesten: Wo es eng werden kann
- In den Großstädten ist die Versorgungslage den Angaben nach nicht angespannt.
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Stuttgart. Die Trinkwasserversorgung ist in Baden-Württemberg derzeit weitgehend gesichert, doch in einigen Regionen im Südwesten kann es bei anhaltender Hitze und Trockenheit eng werden.
Besonders angespannt ist die Lage nach Angaben von Versorgern in höheren Lagen und im Schwarzwald. Badenova berichtet dort von stark sinkenden Quellschüttungen. Betroffen sind demnach vor allem Kommunen, die überwiegend oder ausschließlich mit Quellwasser versorgt werden. Gleichzeitig liegt der tägliche Trinkwasserverbrauch seit Längerem auf hohem Niveau.
Der Versorger bereitet sich nach eigenen Angaben auf mögliche Engpässe vor. Dazu zählt auch die organisatorische Vorbereitung von Wassertransporten mit Lastwagen. Wie sich die Lage weiter entwickelt, hängt laut Badenova auch vom Verbrauch ab. Deshalb ruft das Unternehmen bereits jetzt zum Wassersparen auf.
Im Schwarzwald wächst der Druck
Vor allem private Gartenbewässerung, das Befüllen von Pools und private Autowäschen sollten nach Möglichkeit unterbleiben. Einzelne Gemeinden haben bereits konkrete Sparappelle veröffentlicht. Genannt werden Großerlach und Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis sowie Aichtal im Landkreis Esslingen.
In Karlsruhe ist die Lage nach Angaben der Stadtwerke dagegen entspannt. Große Grundwasservorkommen im Oberrheingraben und die Auffüllung der Reserven in den Wintermonaten sorgten dafür, dass auch längere Hitzephasen derzeit nicht als kritisch gelten. Die aktuell hohen Verbrauchswerte seien weder außergewöhnlich noch problematisch.
Karlsruhe und Stuttgart sehen sich gut versorgt
Auch Stuttgart sieht die Versorgung als gesichert an. Netze BW Wasser verweist auf die leistungsfähige Bodensee-Wasserversorgung und die Landeswasserversorgung als Vorlieferanten. Einen allgemeinen Sparaufruf hält das Unternehmen aus technischer Sicht derzeit nicht für nötig. Empfohlen wird dennoch ein vernünftiger Umgang mit Wasser. Rasen müsse bei Hitze nicht bewässert werden und erhole sich oft wieder im Herbst.
Die Bodensee-Wasserversorgung gibt ebenfalls Entwarnung. Nach Unternehmensangaben versorgt sie rund vier Millionen Menschen im Land. Der Bodensee gilt dabei als stabiler Speicher. Die entnommene Wassermenge entspreche nur rund einem Prozent des Zuflusses und liege damit deutlich unter der natürlichen Verdunstung.
Auch die Landeswasserversorgung mit rund drei Millionen versorgten Menschen in Baden-Württemberg und einigen Gemeinden in Bayern spricht nicht von einer angespannten Lage. Die Grundwasserstände seien zwar niedrig, entsprächen aber etwa den trockenen Sommern 2022 und 2023. Selbst bei anhaltender Hitze und Trockenheit sei die Versorgung im Verteilungsgebiet gesichert. Zudem sinke der Bedarf in der Ferienzeit erfahrungsgemäß.
Langfristig warnt das Land vor Defiziten
Auf längere Sicht bewertet das Umweltministerium die Entwicklung deutlich kritischer. Nach dem Masterplan Wasserversorgung des Landes haben bereits heute rund 21 Prozent der Kommunen im Südwesten ein großes Defizit beim Spitzenbedarf. Bis 2050 könnte der Anteil auf rund 53 Prozent steigen. Nach Angaben des Ministeriums verfügen derzeit zudem 38 Prozent der Kommunen über keine oder nur eine stark eingeschränkte Ersatzwasserversorgung, falls die Hauptbezugsquelle ausfällt.
Umweltministerin Thekla Walker warnt, dass sich das Grundwasser wegen der langen Dürre teils auf historischem Tiefstand befinde. Das Land arbeitet deshalb an einer „Strategie Sichere Wasserversorgung BW 2050“ und unterstützt Kommunen nach Ministeriumsangaben mit 88 Millionen Euro pro Jahr bei Schutzmaßnahmen.
Was im Alltag jetzt helfen kann
Versorger und Umweltministerium rufen dazu auf, sorgsam mit Wasser umzugehen. Genannt werden vor allem diese Punkte:
- Gartenbewässerung möglichst einschränken
- Pools möglichst nicht befüllen
- Autowäschen möglichst vermeiden
- Rasenflächen bei Hitze nicht unnötig bewässern
- Freibäder und Badeseen als Alternative zum eigenen Pool nutzen
Für die meisten Menschen im Land besteht aktuell also kein Anlass zur Sorge. In quellenabhängigen Gemeinden in höheren Lagen bleibt die Lage aber besonders im Blick. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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