Tödliche Hitzefalle in Schorndorf: Kleinkind im Auto gestorben
- Gerade wenn Babys oder Kleinkinder im Auto einschlafen, steigt die Gefahr, dass sie im Kindersitz vergessen werden. (Archivbild)
- Foto: Nicolas Armer/dpa
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Schorndorf. Ein abgestelltes Auto kann sich im Sommer innerhalb weniger Minuten lebensgefährlich aufheizen. In Schorndorf ist am Mittwoch, 17. Juni, ein 20 Monate altes Mädchen in einem geparkten Wagen gestorben. Das Kind saß in einem Kindersitz im Auto, als die Situation entdeckt wurde. Jede Hilfe kam zu spät.
Der Fall erschüttert, weil solche Tragödien immer wieder vorkommen. Babys und Kleinkinder sterben weltweit, nachdem sie im Auto vergessen wurden. Fachleute sprechen vom sogenannten „Vergessenes Baby Syndrom“.
Wie häufig solche Fälle vorkommen
Exakte Statistiken gibt es nicht. Die US Plattform „No Heat Stroke“ wertet Medienberichte aus und zählt seit 1998 mehr als 1.050 Kinder, die in den USA durch Hitze in Autos gestorben sind. Im Durchschnitt sterben dort jedes Jahr über 37 Kinder an einem Hitzeschlag, nachdem sie im Wagen zurückgelassen oder vergessen wurden.
Nicht enthalten sind Fälle, in denen Kinder bewusst kurz im Auto gelassen werden, etwa während eines Einkaufs, und Eltern die Gefahr unterschätzen.
Warum Autos so schnell zur Hitzefalle werden
Ein Fahrzeug in der Sonne heizt sich extrem schnell auf. Nach Angaben des ADAC steigen die Temperaturen im Innenraum auch bei mildem Wetter drastisch.
- Bei 24 Grad Außentemperatur herrschen im Auto nach zehn Minuten etwa 31 Grad.
- Nach 30 Minuten können bereits rund 40 Grad erreicht werden.
- Nach einer Stunde steigt die Temperatur auf etwa 50 Grad.
- Bei 30 Grad draußen sind im Wagen nach einer Stunde sogar rund 56 Grad möglich.
Auch ein leicht geöffnetes Fenster verhindert diesen Hitzestau nicht.
Warum Babys besonders gefährdet sind
Babys und Kleinkinder überhitzen deutlich schneller als Erwachsene. Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit schwitzen sie weniger und können ihren Körper dadurch schlechter abkühlen.
Zudem produzieren Kinder durch ihren Stoffwechsel mehr Wärme. Ihre Hautoberfläche ist im Verhältnis zum Körpergewicht größer. Dadurch reagieren sie empfindlicher auf Hitze. Grundsätzlich gilt. Je jünger das Kind, desto höher das Risiko einer gefährlichen Überhitzung.
Warum Eltern ihr Kind im Auto vergessen
Der US Psychologe David M. Diamond erforscht das Phänomen seit rund 20 Jahren. Nach seinen Studien spielen Stress, Schlafmangel oder veränderte Tagesabläufe eine wichtige Rolle.
Das Gehirn kann in solchen Situationen eine falsche Erinnerung erzeugen. Menschen glauben dann, eine Routinehandlung bereits erledigt zu haben. Etwa das Kind im Kindergarten abgegeben zu haben. Gleichzeitig läuft die Autofahrt zur Arbeit gewohnheitsmäßig ab.
Dabei wird das sogenannte Intentionsgedächtnis, das eigentlich an geplante Handlungen erinnern soll, vom Gewohnheitsgedächtnis überlagert.
Tipps, um das Risiko zu verringern
Fachgesellschaften empfehlen einfache Erinnerungsstrategien im Alltag.
- Eine Wickeltasche oder ein Spielzeug sichtbar auf den Beifahrersitz legen.
- Handtasche oder Mobiltelefon neben das Kind auf die Rückbank legen.
- Mit der Kita einen Kontrollanruf vereinbaren, wenn das Kind morgens fehlt.
- Ein Stofftier auf den Beifahrersitz legen, wenn das Kind im Auto sitzt.
Solche kleinen Hinweise können helfen, das Kind beim Aussteigen nicht zu übersehen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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