Starke Gefühle bei Kindern begleiten: So geben Eltern Halt
- Kleiner Mensch mit großen Gefühlen: Kleine Kinder können ihre Emotionen noch nicht gut selbst regulieren – Eltern geben in solchen Momenten Halt.
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Starke Gefühle bei Kindern begleiten. Eltern können Wut, Angst, Trauer und auch große Freude besser auffangen, wenn sie ruhig bleiben und dem Kind zuerst Sicherheit geben. Gerade kleine Kinder können ihre Gefühle noch nicht selbst gut regulieren, weil sich die dafür wichtige Steuerung im Gehirn erst zwischen zwei und sechs Jahren weiterentwickelt.
Primäre Emotionen wie Wut, Angst, Trauer und Freude entstehen schon im ersten Lebensjahr. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Apotheken Umschau Eltern" erklärt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Eva Möhler, dass deshalb zunächst vor allem Eltern gefragt sind, starke Gefühle mit auszuhalten und einzuordnen.
Bei Wut hilft Ruhe oft mehr als ein Machtwort
Wenn ein Kind wütend ist, kann es laut der Ergotherapeutin und Familientherapeutin Kiran Deuretzbacher helfen, erst einmal selbst durchzuatmen und nicht in die Situation einzusteigen. Sätze wie "Beruhig dich doch mal" machen ihr zufolge das Kind oft noch viel wütender.
Stattdessen könne das Gefühl gespiegelt werden. Ein Beispiel dafür ist die Frage: "Wie blöd findest du das eigentlich?" Auch Fragen, die das Kind mit "Ja" beantworten kann, können entlasten. Ziel ist dabei nicht sofortige Ruhe, sondern ein Gefühl von Sicherheit.
Wut sollte zudem nicht vorschnell abgewertet werden. Sie kann darauf hinweisen, dass Grenzen überschritten wurden oder etwas gegen eigene Werte lief. Manchmal steckt hinter Wut auch Angst oder Traurigkeit.
Traurigkeit braucht Raum und verlässliche Nähe
Trauer und Traurigkeit gehören ebenfalls zum Alltag von Kindern, etwa wenn ein Stofftier verloren geht oder der Abschied von einer vertrauten Erzieherin ansteht. Nach Einschätzung von Deuretzbacher hilft es, diese Gefühle nicht kleinzureden, sondern ernst zu nehmen.
Hilfreich können einfache Angebote sein:
- eine Umarmung
- Zuhören
- Tee machen
- kurz allein sein und trotzdem erreichbar bleiben
Wichtig ist dabei das Signal: "Ich bin da, wenn du mich brauchst." Wenn Traurigkeit ihren Platz bekommen hat, fällt der Übergang zurück in den Alltag oft leichter.
Bei Angst kann Bewegung Anspannung abbauen
Auch Angst hat eine Funktion, weil sie aufmerksam und vorsichtig macht. Gerade für Kinder sind viele Situationen neu. Der oft gut gemeinte Satz "Du brauchst keine Angst haben" nimmt dieses Gefühl jedoch nicht weg.
Um akute Angst vor einer ungewohnten Situation abzumildern, nennt Deuretzbacher vor allem Bewegung als Hilfe:
- Sport machen
- durch die Wohnung laufen
- zum Lieblingslied tanzen
Treten Ängste häufiger auf und schränken den Alltag deutlich ein, kann eine kinderärztliche Abklärung sinnvoll sein. Dann kann auch eine Angststörung dahinterstecken.
Auch große Freude braucht einen ruhigen Ausklang
Selbst starke Freude kann Kinder überfordern, wenn der Übergang in den Alltag abrupt kommt. Nach einem Kindergeburtstag kann es deshalb helfen, den Wechsel langsam zu gestalten, etwa mit einem gemeinsamen Heimweg zu Fuß. So bekommt auch die Freude eine Landebahn und die Stimmung kippt seltener. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |