Social Media macht Jugendliche glücklich – und setzt sie gleichzeitig unter Druck
- Die Nutzung von Social Media ist für viele ein ständiges Auf und Ab von positiven und belastenden Inhalten. (Symbolbild)
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Mainz. Social Media kann für Jugendliche hilfreich sein und zugleich stark belasten: Genau das zeigt eine in Mainz vorgestellte repräsentative JIM-Plus-Studie zum digitalen Wohlbefinden von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland.
Die Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest beschreibt die Nutzung sozialer Netzwerke als „Drahtseilakt zwischen Inspiration und Belastung“. Viele Jugendliche erleben das Scrollen demnach als eine Art Achterbahnfahrt zwischen positiven Erlebnissen und problematischen Inhalten.
Was die Studie für Familien zeigt
Für das persönliche Wohlbefinden der Befragten sind vor allem soziale Beziehungen wichtig. Freunde, Sport und Familie spielen eine deutlich größere Rolle als soziale Netzwerke. Nicht einmal jeder Fünfte nennt Social Media als eine von drei wichtigsten Wohlfühlaktionen.
Wenn Jugendliche Sorgen haben, hören sie laut Studie vor allem Musik oder suchen das Gespräch mit vertrauten Personen. Nur 12 Prozent nutzen dafür KI-Chatbots. Social Media dient vor allem Mädchen und Jugendlichen ab 16 Jahren häufiger als Ablenkung.
Wo die Belastung besonders groß ist
Als besonders belastend erleben Jugendliche ungewollte Nacktbilder, Mobbing und drastische Gewaltdarstellungen. Häufig stoßen sie außerdem auf Fake News, extreme politische oder religiöse Inhalte sowie Hate Speech.
- 71 Prozent begegnen Fake News
- 43 Prozent sehen extreme politische oder religiöse Inhalte
- 40 Prozent stoßen auf Hate Speech
- 61 Prozent sind durch KI-Inhalte verunsichert, was echt ist und was nicht
Viele reagieren auf problematische Inhalte mit Weiterscrollen. Rund jeder Dritte gibt an, sich daran gewöhnt zu haben. Nur etwa ein Viertel meldet problematische Beiträge an die Plattformen.
Welche Folgen das Scrollen hat
72 Prozent sagen, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich tun sollten. 55 Prozent berichten, ihnen fehle dadurch Zeit für Erholung und Freizeit. Ebenso viele haben das Gefühl, ihre Zeit in sozialen Netzwerken zu verschwenden. 40 Prozent nehmen nach eigener Einschätzung eine nachlassende Konzentration wahr.
Hinzu kommt sozialer Vergleich. Fast zwei Drittel der Nutzenden vergleichen sich nach eigenen Angaben automatisch mit anderen. Gut die Hälfte hat dabei den Eindruck, dass andere ein besseres Leben führen. Mädchen nutzen soziale Netzwerke häufiger als Jungen und berichten zugleich öfter von Vergleichsdruck. Sie geben auch deutlich häufiger an, sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen.
Was Jugendliche an Social Media positiv sehen
Trotz der Belastungen spielen Plattformen wie YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat für viele eine wichtige Rolle. 82 Prozent sehen dort einen wichtigen Zugang zu Wissen. Etwa die Hälfte berichtet, sich auf diesen Plattformen verstanden zu fühlen.
Am kritischsten wird laut Studie TikTok bewertet. Zugleich gehört der Dienst zu den Plattformen, die Jugendliche besonders vermissen würden. Bei Mädchen steht TikTok dabei sogar an erster Stelle. Mit 13 Prozent hat TikTok auch den höchsten Anteil sehr intensiver Nutzung von mehr als drei Stunden pro Tag.
Warum Altersgrenzen weiter diskutiert werden
Die Debatte über Altersbeschränkungen für soziale Medien dürfte weiter an Bedeutung gewinnen. Experten der EU-Kommission empfehlen für Kinder unter 13 Jahren einen beschränkten Zugang. Ab 13 Jahren soll ein schrittweiser Zugang zu altersgerechten Angeboten mit standardmäßigen Sicherheitsvorkehrungen möglich sein.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Empfehlungen Anfang der Woche in Brüssel vorgestellt. Einen Vorschlag der Behörde kündigte sie nach dem Sommer an.
Wie Jugendliche auf Verbote blicken
Mehr als die Hälfte der Befragten sieht ein Verbot skeptisch, weil es aus ihrer Sicht leicht zu umgehen wäre. Zugleich meinen 43 Prozent, dass Social Media unterhalb eines bestimmten Alters verboten sein sollte.
Auffällig ist auch der Rückblick auf den eigenen Einstieg. Die Mehrheit der Plattformnutzenden empfiehlt heute ein höheres Einstiegsalter, als sie selbst bei der ersten Nutzung hatte. 47 Prozent beneiden nach eigenen Angaben sogar Generationen, die ohne Social Media aufgewachsen sind. Nicht einmal jeder Zehnte hat in der aktuellen Verbotsdebatte den Eindruck, dass die Sicht von Jugendlichen ausreichend berücksichtigt wird. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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