Schwerhörigkeit im Beruf: So werden Warnsignale nicht überhört
- Ein Hörtest hilft, Unsicherheiten im Job einzuordnen, wenn Warnsignale, Durchsagen oder Gespräche nicht mehr zuverlässig verstanden werden.
- Foto: zinkevych/stock.adobe.com
- hochgeladen von Thorsten Kornmann
Schwerhörigkeit im Beruf. Wer Warnsignale, Durchsagen oder Zurufe im Job nicht zuverlässig versteht, senkt die Arbeitssicherheit und riskiert zugleich Fehler in der Kommunikation.
Im Alltag fällt schlechtes Hören oft zuerst in Gesprächen auf. Im Beruf kann es zusätzlich zu einem Sicherheitsproblem werden, sobald akustische Signale Teil der Arbeitsabläufe sind. Darauf weist die Bundesinnung der Hörakustiker KdöR hin.
Hörakustiker-Meister Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), ordnet das so ein: Überall dort, wo akustische Signale eingesetzt werden, um sicher arbeiten zu können, wird Schwerhörigkeit zum Risiko. Gemeint sind Situationen, in denen Warnsignale oder kurze Zurufe unmittelbare Handlungen auslösen müssen.
Wo schlechtes Hören im Job besonders ins Gewicht fällt
Je nach Tätigkeit sind die Folgen sehr unterschiedlich. Typische Beispiele aus der Praxis sind:
- Arbeitsplätze mit Warn- und Alarmsignalen: Auf Baustellen, in der Luftfahrt oder bei der Bahn können Warnsignale von Maschinen, Sirenen, Durchsagen oder Zurufe wie "Stopp" oder "Achtung" überhört werden. Auch Funksprüche und Codes können missverstanden werden. Das erhöht das Risiko für Unfälle und Verletzungen.
- Versorgung und Medizin: In Pflege, Rettungsdienst oder Medizin ist gutes Hörverstehen zentral, weil Anweisungen und Alarmtöne präzise ankommen müssen. Als Beispiel nennt Schmidt falsch verstandene Dosierungen wie "5 mg" statt "15 mg" oder überhörte Alarmtöne von Geräten wie einem Beatmungsgerät. Auch nicht gehörte Hilferufe von Patienten können gravierende Folgen haben.
- Kommunikationsberufe: In Callcentern, im Unterricht, bei Meetings oder Verhandlungen führt schlechtes Hören eher zu Missverständnissen. Hinweise wie "Deadline wurde verschoben" oder "Es soll sofort zurückgerufen werden" kommen dann nicht oder falsch an. Das kann als Unaufmerksamkeit oder Desinteresse wirken und im Arbeitsalltag Probleme auslösen.
Neben der Sicherheits- und Fehlerseite spielt auch die Belastung eine Rolle. Häufiges Nachfragen oder unsicheres Verstehen kann auf Dauer Stress und psychische Anspannung verstärken. In dieser Lage ist eine Hörprüfung bei einer fachkundigen Stelle eine naheliegende Einordnung, weil sich damit klären lässt, ob eine Schwerhörigkeit vorliegt und welche Unterstützung im Alltag und am Arbeitsplatz passt.
Gehörschutz: In lauten Jobs geht es auch um Vorbeugung
Nicht immer ist bestehende Schwerhörigkeit der Ausgangspunkt. In geräuschintensiven Berufen kann Lärm das Gehör langfristig schädigen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) führt für 2025 auf Basis ihrer Zahlen aus, dass lärmbedingte Schwerhörigkeit die häufigste anerkannte Berufskrankheit ist. Die Zahl der anerkannten Fälle stieg von 8.897 im Jahr 2024 auf 9.819 im Jahr 2025.
Als praxisnaher Richtwert gilt: Dauerhafter Lärm ab 80 Dezibel kann das Gehör schädigen. Passender Gehörschutz ist daher eine sinnvolle Maßnahme, wenn Lärm regelmäßig zum Arbeitsumfeld gehört. Hörakustiker beraten dazu auch mit individuellen Lösungen.
Mehr Informationen rund ums Hören gibt es unter https://www.richtig-gut-hoeren.de und https://www.instagram.com/biha.kdoer/. Hörakustiker-Fachbetriebe vor Ort sind über https://www.hoerakustiker-suche.de/ zu finden.
Unterm Strich gilt: Wo akustische Signale Arbeitsabläufe steuern, ist gutes Hörverstehen ein konkreter Sicherheitsfaktor und ein praktisch prüfbarer Bestandteil der eigenen Arbeitsfähigkeit.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |