Schwarze Feldhamster in Thüringen: Warum diese Vielfalt wichtig ist

Im Alltag fällt der Feldhamster kaum auf, doch in Thüringen zeigt ein seltener Bestand mit schwarzen Tieren, warum genetische Vielfalt im Artenschutz entscheidend ist. | Foto: jonnysek/stock.adobe.com
  • Im Alltag fällt der Feldhamster kaum auf, doch in Thüringen zeigt ein seltener Bestand mit schwarzen Tieren, warum genetische Vielfalt im Artenschutz entscheidend ist.
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Feldhamster schützen. Die schwarzen Feldhamster bei Buttelstedt zeigen, wie wertvoll genetische Vielfalt für das Überleben einer bedrohten Art ist.

Wer in Thüringen in Agrarlandschaften unterwegs ist, bekommt Feldhamster fast nie zu Gesicht. Umso besonderer ist ein Gebiet bei Buttelstedt: Dort lebt eines der letzten großen Vorkommen in Deutschland, berichtet die Deutsche Wildtier Stiftung.

Auffällig ist nicht nur die Seltenheit, sondern die Fellfarben. Neben dem bekannten bunten Feldhamster kommen dort hellere, fuchsfarbene, graue und auch schwarze Tiere vor. Diese Bandbreite gilt als Zeichen einer hohen genetischen Vielfalt, die wichtig ist, damit sich eine Art an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.

Warum schwarze Feldhamster kein „anderes“ Tier sind

Die schwarze Färbung entsteht durch Melanismus. Dabei wird das dunkle Pigment Melanin übermäßig in Haut und Haaren eingelagert. Laut Deutsche Wildtier Stiftung beruht Melanismus auf einer genetischen Mutation und kann in manchen Lebensräumen Vorteile bei der Tarnung bringen. Er gilt als Gegenstück zum Albinismus, bei dem Melanin fehlt und Tiere sehr hell gefärbt sind.

Ganz schwarz sind die Hamster dennoch nicht. Schnauze, Pfoten und oft ein Fleck auf Brust oder Kehle sind weiß. Im Verhalten unterscheiden sich melanistische Tiere nicht von andersfarbigen Feldhamstern. Sie können sich mit ihnen fortpflanzen, die schwarze Variante wird dominant vererbt. Schwarze Feldhamster sind neben Thüringen nur aus der Ukraine bekannt.

Was intensive Landwirtschaft für den Feldhamster bedeutet

Der Feldhamster ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Früher wurde er als Getreideschädling massiv verfolgt, heute setzt ihm vor allem die intensive Landwirtschaft zu. Lebensräume werden zu monotonen Agrarflächen, in denen Deckung und passende Strukturen fehlen.

Damit der Feldhamster langfristig überleben kann, geht es daher um zwei Ebenen:

  • Lebensraum sichern, damit Bestände überhaupt stabil bleiben.
  • Genetische Vielfalt erhalten, damit Anpassung an Veränderungen möglich bleibt.

Praxiszentrum Feldhamsterschutz in Buttelstedt steht vor dem Aus

Um die genetische Vielfalt in Buttelstedt zu schützen, wurde dort vor drei Jahren auf den Flächen des Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsguts das Praxiszentrum Feldhamsterschutz gegründet. Doch Ende 2026 soll es geschlossen werden.

„Angesichts der europaweiten Bedeutung der Feldhamsterpopulation in Buttelstedt fordert die Deutsche Wildtier Stiftung das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum dazu auf, das Praxiszentrum Feldhamsterschutz zu erhalten“, erklärt Dr. Lydia Hönig, Projektleiterin Feldhamster bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Das landeseigene Praxiszentrum könne effiziente Schutzmaßnahmen erproben und umsetzen und sei damit eine Chance für den Erhalt der Art über Thüringens Landesgrenzen hinaus.

Die Deutsche Wildtier Stiftung schützt den Feldhamster nach eigenen Angaben seit über 14 Jahren, setzt derzeit gemeinsam mit Landwirten Schutzmaßnahmen in Sachsen-Anhalt um und fördert Forschungs-, Bildungs- und Schutzprojekte in anderen Bundesländern.

Unterm Strich macht Buttelstedt sichtbar, dass Artenschutz nicht nur um „mehr Tiere“, sondern auch um Vielfalt innerhalb einer Art geht.

Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

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