Schöne Momente wieder genießen: Was bei Stress helfen kann
- Angekommen im langersehnten Urlaub, doch die erwartete Freude stellt sich nicht ein? Dann regen sich rasch Schuldgefühle.
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Schöne Momente genießen. Manchmal steht ein lange erwartetes Ereignis an und trotzdem bleibt das gute Gefühl aus. Selbst bei Urlaub, Konzerten oder Familienfeiern kann es passieren, dass Freude kaum spürbar ist. Dahinter stecken oft Stress, Erwartungen oder ungelöste Konflikte.
Das Phänomen ist laut Michaela Wegener von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP) nicht ungewöhnlich. Gefühle, die in solchen Momenten auftauchen, können eine wichtige Informationsquelle sein. Irgendetwas will es einem sagen: "Und wenn ich verstanden habe, was, wird das Gefühl sich verändern. Wahrscheinlich geht es sogar weg."
Häufig überlagern mehrere Emotionen gleichzeitig ein eigentlich positives Erlebnis. Neben der Freude können Belastung, Druck oder organisatorischer Stress stehen.
Erwartungsdruck und Konflikte überdecken oft die Freude
Ein typisches Beispiel ist die eigene Hochzeit. "Ich übernehme so sehr Verantwortung dafür, dass es schön wird, dass ich es genau deswegen selbst nicht mehr genießen kann", beschreibt Michaela Wegener.
Auch äußere Umstände können eine Rolle spielen. Bei Familienfeiern etwa treffen Menschen auf Verwandte, mit denen es Konflikte gibt. Im Urlaub wiederum können kleine Kinder oder organisatorische Anforderungen dafür sorgen, dass Entspannung schwerfällt. "Dann sind da zwei Gefühle gleichzeitig", so die Psychologin.
In manchen Fällen steckt hinter anhaltender Freudlosigkeit allerdings eine sogenannte Anhedonie. Sie gilt als mögliches Symptom bei Depressionen oder Psychosen. Wenn zusätzlich Antriebslosigkeit im Alltag auftritt oder eine familiäre Vorbelastung mit Psychosen besteht, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Gefühle wahrnehmen kann den Moment wieder öffnen
Wenn während eines eigentlich schönen Ereignisses Frust oder Traurigkeit auftauchen, kann es helfen, diese Gefühle zunächst zuzulassen. "Manchmal hilft es tatsächlich, eine Runde weinen zu gehen", sagt Michaela Wegener. Wird das eigene Empfinden wahrgenommen und anerkannt, entsteht häufig wieder etwas innere Ruhe.
Selbstreflexion spielt dabei eine zentrale Rolle. Wer erkennt, woher der innere Druck oder ein ungutes Gefühl kommt, kann besser damit umgehen. Denkbar ist etwa, Erwartungen anzupassen oder bewusst Stress zu reduzieren.
Realistische Vorstellungen helfen ebenfalls. "Wenn ich zum Beispiel mit kleinen Kindern in den Urlaub fahre und erwarte, mich zu entspannen, dann muss ich das verdammt gut planen und bestimmt auch Abstriche machen", sagt Michaela Wegener.
Wer unangenehmen Gefühlen zunächst Raum gibt, schafft oft die Grundlage dafür, dass Freude später doch noch spürbar wird. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |