Rabatt-Apps in Deutschland: Was Nutzer jetzt wissen sollten

Lidl ködert Kunden in seiner App mit zusätzlichen Rabattaktionen. | Foto: Philip Dulian/dpa
  • Lidl ködert Kunden in seiner App mit zusätzlichen Rabattaktionen.
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Deutschland. Wer beim Einkauf per App Rabatte nutzt, kann sparen, gibt dafür aber Daten preis und muss Zusatzregeln beachten. Genau dieses System steht nun erneut vor Gericht: Am Dienstag, 29. September, will das Brandenburgische Oberlandesgericht eine Entscheidung zur „Lidl Plus“-App verkünden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband, kurz vzbv, sieht in App-Rabatten eine Benachteiligung bestimmter Kundengruppen. Die Verbraucherschützer haben deshalb gegen den Discounter Lidl geklagt. Es geht um die Frage, ob Rabatte, die nur registrierte App-Nutzer erhalten, Verbraucher unfair ausschließen können. Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen 6 UKl 2/25.

Warum Verbraucherschützer Rabatt-Apps kritisieren

Nach Ansicht des vzbv können ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder auch jüngere Verbraucher benachteiligt werden. Der Grund: Sie können entsprechende Geräte oder Apps mitunter nicht nutzen oder dürfen sie nicht verwenden. Wer kein Smartphone hat, technisch unsicher ist oder sich nicht registrieren möchte, bekommt bestimmte Preisvorteile dann nicht.

Die Verbraucherschützer waren auch gegen Netto und Penny vorgegangen. Diese Klagen wurden unter anderem wegen fehlender Belege abgewiesen. Rechtskräftig sind die Urteile aber noch nicht. Eine Revision wurde zugelassen. Damit soll sich der Bundesgerichtshof mit dem Thema befassen. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Welche Vorteile die Apps im Alltag bieten

Viele große Lebensmittelhändler werben in ihren Apps mit Sonderangeboten, Coupons und Bonusprogrammen. Registrierte Kunden können oft zusätzliche Rabatte erhalten. Teilweise sind bestimmte Artikel nur per App günstiger. Teilweise gibt es Extra-Rabatte auf bereits reduzierte Produkte oder Coupons, wenn innerhalb eines Monats eine bestimmte Einkaufssumme erreicht wird.

Für viele Verbraucher ist der Nutzen schnell sichtbar: Angebote lassen sich vorher prüfen, Einkaufslisten besser planen und Coupons direkt an der Kasse nutzen. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage verwenden drei von vier Menschen in Deutschland Rabatt-Apps von Händlern wie Rewe, Lidl oder Penny. Jeder Zweite nutzt sie sogar mindestens einmal pro Woche. Befragt wurden vom 28. bis 31. August 2.040 Menschen ab 18 Jahren.

Wie viel sich mit Rabatt-Apps wirklich sparen lässt

Der Spareffekt fällt nach einer Auswertung des Vergleichsportals Smhaggle eher begrenzt aus. Demnach liegt die durchschnittliche Ersparnis pro App bei rund einem Prozent. Gemeint sind die gesamten Ausgaben über alle Händler hinweg. Viele Menschen kaufen nicht nur bei einer Kette ein, sondern wechseln zwischen mehreren Supermärkten und Discountern.

Für Verbraucher heißt das: Die App kann einzelne Einkäufe günstiger machen. Auf den gesamten Monat gerechnet ist der Vorteil aber oft kleiner, als einzelne Aktionspreise vermuten lassen.

  • Preis prüfen: Nicht jeder App-Rabatt ist automatisch der günstigste Preis im Marktvergleich.
  • Daten abwägen: Für personalisierte Angebote geben Nutzer Informationen über ihr Einkaufsverhalten preis.
  • Aufwand berücksichtigen: Mehrere Apps, Coupons und Bedingungen können Zeit kosten.
  • Grundpreise vergleichen: Gerade bei Lebensmitteln entscheidet oft der Kilopreis oder Literpreis.

Warum Aldi einen anderen Weg geht

Aldi Nord und Aldi Süd verzichten bisher vollständig auf Bonusprogramme mit App-Rabatten. In einer Werbekampagne stellen die Unternehmen heraus, dass es einen Preis für alle gebe und zwar ohne Bedingungen. Der Discounter setzt damit auf Einfachheit.

Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn hält diesen Weg für „erfolgreich und sinnvoll“. Bonusprogramme seien bei Kunden umstritten, viele empfänden sie als kompliziert. Aus seiner Sicht unterscheidet sich Aldi damit klar vom übrigen Lebensmittelhandel. Eine spätere Einführung eines Bonusprogramms könnte die Glaubwürdigkeit von Aldi gefährden.

Lidl hält dagegen und wirbt damit, dass Kunden ohne App sparen könnten, mit App aber noch mehr. Aus Sicht von Rüschen können beide Strategien funktionieren, weil Verbraucher unterschiedliche Erwartungen haben.

Was Händler von den Apps haben

Für Händler sind Rabatt-Apps ein Tauschgeschäft. Kunden erhalten Preisvorteile oder exklusive Angebote. Im Gegenzug gewinnen die Unternehmen Daten, Einblicke ins Kaufverhalten und im besten Fall treuere Kunden. So können Händler Zielgruppen genauer ansprechen und Angebote gezielter ausspielen.

Andreas Riekötter vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sieht Rabattprogramme zwar fest im Alltag verankert. Zugleich erkennt er Anzeichen einer Sättigung. Viele Menschen wollten nicht 10 oder 20 verschiedene Apps verwalten, um Rabatte zu sammeln. Laut IFH haben Nutzer im Schnitt 4,2 Händler-Apps installiert.

Ob Rabatt-Apps die Kundenbindung dauerhaft stärken, ist aus Sicht des IFH fraglich. Viele Nutzer wechseln demnach je nach Vorteil zwischen mehreren Apps. Für Kunden zähle am Ende häufig der beste Preis und nicht die Zugehörigkeit zu einem einzelnen Treueprogramm.

Warum viele Nutzer trotzdem skeptisch bleiben

Die YouGov-Umfrage zeigt ein gemischtes Bild. 93 Prozent der App-Nutzer sagen, sie sparten damit Geld. 86 Prozent finden dadurch aktuelle Angebote und Rabatte leichter. 72 Prozent sehen für sich persönlich relevante Angebote. 56 Prozent können ihren Einkauf besser planen.

Gleichzeitig gibt es klare Kritik. 55 Prozent aller Befragten halten es für unfair, dass Rabatte nur angemeldeten Nutzern angeboten werden. Jeder Zweite hat Bedenken beim Datenschutz und bei der Nutzung persönlicher Daten. 47 Prozent empfinden den Aufwand als zu hoch. 46 Prozent stören sich an Benachrichtigungen oder Werbehinweisen. Für 29 Prozent ist die Bedienung zu kompliziert und unübersichtlich.

Die Entscheidung des Brandenburgischen Oberlandesgerichts könnte deshalb über den Einzelfall Lidl hinaus wichtig werden. Sie betrifft eine Rabattpraxis, die für viele Menschen längst zum Alltag beim Einkaufen gehört. [dpa/red]

Autor:

dpa content aus Ludwigshafen

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