Psychische Belastung: Männer suchen oft spät Hilfe
- Viele Männer holen sich bei psychischer Belastung erst spät Hilfe. (Symbolbild)
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Oberderdingen. Anhaltender schlechter Schlaf, Rückzug oder hoher Alkoholkonsum können auf eine psychische Belastung hinweisen. Trotzdem suchen viele Männer erst spät Unterstützung, sagt die Psychologin Katharina Piekorz aus Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe.
Im Erstgespräch erlebe sie häufig Männer, die stark belastet seien und dennoch fragten: „Ist das denn jetzt schlimm genug?“ Frauen kämen nach ihrer Erfahrung oft eher zu dem Schluss, Hilfe zu benötigen. Eine Rolle spielten dabei erlernte Bilder von Männlichkeit und männliche Vorbilder, die Sorgen, Angst oder Überforderung selten offen ansprechen.
Eine Forsa-Umfrage für die hkk Krankenkasse zeigt: Von Männern mit Partnerin oder Familie sprechen 57 Prozent über ihre Sorgen. Im Freundeskreis tun dies 45 Prozent. Mehr als jeder Dritte versucht demnach, Probleme allein zu bewältigen.
Warnzeichen nicht lange übergehen
Nach Einschätzung von Piekorz können mehrere Veränderungen Anlass sein, genauer hinzusehen:
- Schlafprobleme, die über längere Zeit bleiben
- exzessiver Sport oder hoher Alkoholkonsum
- Rückzug und Schweigen über Sorgen
- Flucht in Arbeit und dauerndes Funktionieren
- Erholung, die auch am Wochenende oder im Urlaub nicht mehr gelingt
Wenn solche Belastungssymptome nicht verschwinden oder das Umfeld darauf aufmerksam macht, sei professionelle Unterstützung sinnvoll, sagt die Psychologin. Sie vergleicht mentale Warnzeichen mit einer Kontrollleuchte im Auto: Viele Menschen ließen das Fahrzeug prüfen, ignorierten die eigenen Signale aber lange.
Rollenbilder können den Zugang erschweren
Das Thema Männergesundheit ist laut Piekorz weiterhin oft tabu. Die Aktion „Movember“ macht im November mit dem Schnurrbart als Symbol auf die Gesundheit von Männern aufmerksam. Dazu gehört auch die psychische Gesundheit.
Zahlen unterstreichen die Bedeutung des Themas. Männer sterben nach Angaben der Universität Tübingen im Durchschnitt fünf Jahre früher als Frauen, oft aus weitgehend vermeidbaren Gründen. Im Psychreport 2025 der Krankenkasse DAK entfielen auf jeweils 100 Versicherte 431 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen bei Frauen und 266 bei Männern. Piekorz wertet dies auch als Hinweis darauf, dass Männer sich bei psychischer Belastung seltener eine Krankschreibung zugestehen.
Finden Betroffene über längere Zeit keine Hilfe, könne zudem das Suizidrisiko steigen. Männer stellen dabei laut Piekorz mit knapp 70 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil.
Therapie als Unterstützung verstehen
Der Schauspieler Martin Luding berichtet, dass Trennung, Scheidung, beruflicher Druck und Konflikte in einer neuen Beziehung ihn an seine Grenzen gebracht hätten. Freunde hätten ihm geraten, kürzerzutreten. Schließlich habe er sich therapeutische Hilfe gesucht, weil er allein nicht weitergekommen sei und seine neue Partnerschaft nicht gefährden wollte.
Die anderthalbjährige Therapie sei eine wichtige Erfahrung gewesen, sagt der 55-Jährige. Sie habe ihm geholfen, Prägungen und Erfahrungen besser einzuordnen. Psychologische Hilfe sei keine Niederlage, betont Piekorz, sondern Ausdruck von Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |