Neue Studie aus Saarbrücken: Hochbegabte Männer weniger konservativ
- Eine neue Studie liefert Erkenntnisse zu Hochbegabung und politischer Orientierung. (Symbolbild)
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Saarbrücken. Eine Langzeitstudie aus dem Südwesten zeigt einen auffälligen Zusammenhang zwischen Intelligenz und politischer Einstellung. Hochbegabte Männer vertreten demnach seltener konservative Positionen als Männer mit durchschnittlichem Intelligenzquotienten.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität des Saarlandes und der Philipps Universität Marburg. Erstautor ist der Psychologe und Intelligenzforscher Maximilian Krolo aus Saarbrücken. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Intelligence“ veröffentlicht. Grundlage ist das sogenannte Marburger Hochbegabtenprojekt. Dafür wurden im Schuljahr 1987 1988 mehr als 7000 Grundschulkinder mit Intelligenztests untersucht. Rund zwei Prozent der Kinder galten als hochbegabt.
Teilnehmer über mehr als drei Jahrzehnte begleitet
Ein Teil dieser Gruppe wurde über Jahrzehnte hinweg wissenschaftlich begleitet. Insgesamt nahmen 107 hochbegabte Personen sowie eine Vergleichsgruppe durchschnittlich begabter Menschen regelmäßig an Befragungen teil. Mehr als 35 Jahre später stellten die Forschenden Fragen zu politischen Einstellungen. 87 hochbegabte und 71 durchschnittlich begabte Erwachsene beantworteten den Fragebogen. Das entspricht einer Rücklaufquote von knapp 75 Prozent. Die Teilnehmenden ordneten sich auf einer politischen Skala von links bis rechts ein. Zusätzlich beantworteten sie detaillierte Fragen zu Themen wie Liberalismus, Sozialstaat und gesellschaftlicher Ordnung.
Unterschied vor allem bei Männern
Nach Angaben der Forschenden zeigte sich ein klarer Unterschied innerhalb der männlichen Teilnehmer. Männer mit durchschnittlicher Intelligenz unterstützten häufiger Werte, die mit Tradition und einer strengeren sozialen Ordnung verbunden sind. Hochbegabte Männer stimmten solchen konservativen Positionen seltener zu. Bei den befragten Frauen ergaben sich diese Unterschiede nicht.
Warum Forschende das interessiert
Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass hochbegabte Menschen überdurchschnittlich oft einflussreiche Positionen erreichen. Deshalb sei es relevant zu verstehen, wie diese Gruppe Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beurteilt. Gleichzeitig betont das Forschungsteam, dass hohe Intelligenz nicht automatisch zu extremen politischen Ansichten führt. Insgesamt seien hochbegabte Erwachsene politisch ähnlich vielfältig und meist ebenso moderat wie der Rest der Bevölkerung.
Weitere Untersuchungen sollen klären, ob sich diese Unterschiede auch im tatsächlichen politischen Verhalten zeigen. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |