Neue Handyblitzer in Baden-Württemberg: Land prüft Einsatz
- In Rheinland-Pfalz werden die Handyblitzer bereits eingesetzt. (Archivbild)
- Foto: Thomas Frey/dpa
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Stuttgart. Wer während der Fahrt zum Smartphone greift, könnte in Baden-Württemberg künftig leichter erwischt werden. Das Land prüft den Einsatz sogenannter Handyblitzer, die Autofahrer mit Handy am Steuer automatisch erkennen sollen.
Nach Angaben des Innenministeriums war Ablenkung im Straßenverkehr zuletzt bei rund jedem zehnten tödlichen Unfall im Südwesten ein Faktor. Häufig spielt dabei das Mobiltelefon eine Rolle.
Im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU ist deshalb vereinbart worden, den möglichen Einsatz der Technik zu prüfen. Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin geht es auch darum zu klären, welche rechtlichen Grundlagen für einen Einsatz im Land nötig wären.
Kameras filmen von Brücken
Ein Vorbild gibt es bereits im Nachbarland Rheinland-Pfalz. Dort dürfen sogenannte Monocams seit März eingesetzt werden. Die Kameras stehen meist auf Autobahnbrücken oder anderen erhöhten Positionen und filmen vorbeifahrende Fahrzeuge. Hinweisschilder informieren über die Kontrollen.
Eine Künstliche Intelligenz analysiert die Bilder. Erkennt das System ein Smartphone in der Hand eines Fahrers, wird ein Foto gespeichert. Polizeibeamte prüfen anschließend, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt. Wird kein Handy erkannt, werden die Daten wieder gelöscht.
Bei einem Test des Systems im Jahr 2022 registrierten Behörden innerhalb von 90 Tagen mehr als 1200 Autofahrer auf Autobahnen bei Mainz und Trier mit einem mobilen Gerät in der Hand.
ADAC sieht Nutzen für Verkehrssicherheit
Der ADAC Württemberg steht der Technik grundsätzlich offen gegenüber. Wer während der Fahrt auf das Smartphone schaut oder Nachrichten tippt, gefährde sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.
Damit Regeln Wirkung zeigen, brauche es eine hohe Kontrolldichte. Nur wenn das Entdeckungsrisiko groß genug sei, hätten Sanktionen eine abschreckende Wirkung. Kamerasysteme könnten dabei helfen. Gleichzeitig müsse der Datenschutz sorgfältig beachtet werden.
Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat spricht sich für einen breiteren Einsatz der Technik aus. Rheinland-Pfalz könne dabei als Vorbild dienen.
Handy am Steuer wird schnell teuer
Wer in Deutschland mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird, muss mit spürbaren Strafen rechnen:
- Mindestens 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg
- 150 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot bei Gefährdung anderer
- 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot bei Sachbeschädigung
Für Fahranfänger gilt ein Handyverstoß als schwerwiegender Verstoß. Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Zusätzlich wird ein Aufbauseminar angeordnet.
Ablenkung häufige Unfallursache
Die Unfallstatistik zeigt die Folgen von Unaufmerksamkeit. Rund zehn Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg hängen mit Ablenkung zusammen. Neben Smartphones können auch Essen, Trinken oder Rauchen am Steuer die Konzentration gefährlich mindern.
Wann die Prüfung zum möglichen Einsatz von Handyblitzern abgeschlossen ist, steht noch nicht fest. Einen konkreten Zeitplan nennt das Innenministerium bislang nicht. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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