Krebsdiagnose in Saarbrücken: Warnzeichen früh ernst nehmen
- Patrik Oberleuck steht in seinem Krankenhauszimmer und schaut aus dem Fenster. Oberleuck leidet an Speiseröhrenkrebs.
- Foto: Laszlo Pinter/dpa
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Saarbrücken. Anhaltende Schluckbeschwerden und unerklärlicher Gewichtsverlust können Warnsignale sein, die ärztlich abgeklärt werden sollten. Der Fall des Saarbrücker Feuerwehrmanns Patrik Oberleuck zeigt, wie schnell aus Beschwerden eine lebensverändernde Diagnose werden kann.
Der 43-Jährige hat nach eigenen Angaben Speiseröhrenkrebs. Der Tumor erschwere ihm das Schlucken erheblich. Bei einem Gespräch steht ein Glas Wasser vor ihm. Ein kleiner Schluck sei möglich, mehr kaum. Gleichzeitig riecht es in der Umgebung nach Essen. „Müssen wir das Interview unbedingt an einem Ort machen, wo es so sehr nach Essen riecht?“, fragt Oberleuck.
Die Erkrankung sei weit fortgeschritten, berichtet er. Sie habe in die Leber gestreut. Weitere Untersuchungen hätten einen Befall im Bereich der Aorta und des Herzens gezeigt. Eine Heilung sei nach Auskunft seiner Ärzte nicht mehr möglich. Er werde palliativ behandelt.
Krebsprävention: Früherkennung steht bis Sonntag im Mittelpunkt
Oberleucks Geschichte fällt in die nationale Krebspräventionswoche, die noch bis Sonntag, 27. September, läuft. Deutsche Krebshilfe, Deutsches Krebsforschungszentrum und Deutsche Krebsgesellschaft stellen sie in diesem Jahr unter das Motto „Lass mal checken“. Im Mittelpunkt steht die Krebsfrüherkennung.
„Früherkennung ist entscheidend für die Chance auf Heilung“, sagt Markus Hecht, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Der stellvertretende Sprecher des Universitätsmedizinischen Zentrums für Tumorerkrankungen des Saarlandes verweist auf große Unterschiede zwischen frühen und fortgeschrittenen Erkrankungsstadien.
Zugleich zeigt der Fall eine Grenze der Vorsorge. Für Speiseröhrenkrebs gibt es in Deutschland kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Umso wichtiger sei es, länger anhaltende Veränderungen des eigenen Körpers ernst zu nehmen.
Welche Warnzeichen Betroffene ernst nehmen sollten
Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums gehören anhaltende Schluckbeschwerden zu den typischen Warnzeichen für Speiseröhrenkrebs. Auch Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können auftreten. Nicht jedes Symptom bedeutet Krebs. Doch Beschwerden, die bleiben oder sich verschlimmern, sollten medizinisch abgeklärt werden.
- Schluckbeschwerden, die über längere Zeit anhalten
- Gewichtsverlust, der nicht bewusst herbeigeführt wurde
- Appetitlosigkeit oder zunehmende Probleme beim Essen
- Beschwerden beim Trinken oder beim Schlucken fester Nahrung
Bei Oberleuck waren es vor allem Schluckbeschwerden und ein massiver Gewichtsverlust. Feste Nahrung habe er irgendwann nur noch mit viel Wasser herunterbekommen. Innerhalb weniger Monate verlor er rund 25 Kilogramm. Anfangs habe er das Abnehmen sogar positiv gesehen. Bei zuvor mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht seien einige Kilos weniger willkommen gewesen. Doch das Gewicht sank weiter.
Diagnose nach Magenspiegelung
Am 13. Juli ging Oberleuck zu seiner Hausärztin. Als er vom massiven Gewichtsverlust erzählte, schickte sie ihn ins Krankenhaus. Eine Magenspiegelung brachte die Diagnose. Ein Arzt habe ihm gesagt: „Ich habe sehr schlechte Neuigkeiten für Sie.“ Bei der Untersuchung wurde ein großer Tumor in der Speiseröhre entdeckt.
Weitere Untersuchungen zeigten ihm zufolge Metastasen in der Leber und später den Befall im Bereich der Aorta und des Herzens. Innerhalb weniger Tage ging es für ihn nicht mehr um die Frage, wann er wieder arbeiten kann. Es ging darum, wie viel Zeit ihm bleibt.
Diese Früherkennungsangebote gibt es
Die Möglichkeiten zur Krebsfrüherkennung unterscheiden sich je nach Tumorart deutlich. Nach Angaben von Professor Hecht übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen Untersuchungen unter anderem bei Brustkrebs, Hautkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs sowie bei gynäkologischen Tumoren. Für bestimmte Risikogruppen komme inzwischen auch eine CT-Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs infrage.
Doch nicht jedes Angebot werde gleich häufig genutzt. „Die Akzeptanz verschiedener Früherkennungsmaßnahmen ist unterschiedlich“, sagt Hecht. Gerade Menschen mit starken Risikofaktoren wie Rauchen oder hohem Alkoholkonsum nähmen Angebote häufig nicht wahr.
Auch beim Lebensstil sieht der Mediziner Möglichkeiten zur Prävention. Rauchen erhöhe unter anderem das Risiko für Lungenkrebs, Kopf-Hals-Tumore und Blasentumore. Alkohol erhöhe unter anderem das Risiko für Tumore im Kopf-Hals-Bereich sowie an Speiseröhre, Magen und Leber. Sonnenschutz spiele bei der Vorbeugung von Hauttumoren eine wichtige Rolle.
Vom Helfer zum Patienten
Seit 27 Jahren engagiert sich Oberleuck bei der Freiwilligen Feuerwehr Saarbrücken Sankt Johann. Bei Bränden und Unglücken war er oft zur Stelle. Jahrelang kümmerte er sich zusätzlich um den Feuerwehrnachwuchs. Seit der Diagnose haben sich die Rollen vertauscht.
Die Chemotherapie spürt er deutlich. „Dinge, die im Alltag vorher selbstverständlich waren, sind für mich heute fast unlösbar.“ Duschen, Rasieren und ein wenig Haushalt erschöpften ihn teilweise so sehr, dass er sich anschließend hinlegen müsse. Eine Bekannte helfe ihm inzwischen zu Hause. Essen und Trinken würden zunehmend schwieriger. Sollte er nicht mehr ausreichend Nahrung und Flüssigkeit aufnehmen können, könnte eine erneute Aufnahme ins Krankenhaus notwendig werden. Auch eine künstliche Ernährung sei mit seinen Ärzten besprochen worden.
Für Oberleuck ist es ungewohnt, auf Hilfe angewiesen zu sein. Über Jahrzehnte war er einer von denen, die kamen, wenn Menschen Hilfe brauchten. Nun kommen andere für ihn. „Die Solidarität vom Freundes- und Feuerwehrkreis ist unbeschreiblich“, sagt er. Auch finanzielle Sorgen begleiten die Erkrankung. Mit Unterstützung von Freunden hat er deshalb eine Spendenaktion eingerichtet. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |