Klimarisiken: Was neue Aufsichtsvorgaben für Versicherte bedeuten
- Klimarisiken rücken bei Versicherern stärker in den Fokus der Aufsicht. Für Versicherte kann das langfristig mehr risikogenauere Tarife, mehr Transparenz und mehr Augenmerk auf Naturgefahren bedeuten.
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Klimarisiken Versicherer. Für Versicherte bedeutet der neue Aufsichts-Fokus vor allem, dass Versicherer Klimarisiken systematischer prüfen und darüber berichten sollen, was langfristig Einfluss auf Beiträge, Bedingungen und die Verfügbarkeit von Schutz gegen Naturgefahren haben kann.
Wenn nach Starkregen Wasser in den Keller läuft oder ein Sturm das Dach beschädigt, entscheidet am Ende der Vertrag, wie schnell und in welchem Umfang gezahlt wird. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ordnet ein, dass Aufseher in Deutschland und Europa Klimarisiken im Finanzsystem weiter beobachten und die Instrumente dafür ausbauen. Praktisch relevant ist das, weil Versicherer dafür mehr Daten nutzen und Risiken genauer in ihre Planungen einpreisen.
Im Kern geht es um zwei Risikofelder, die in der Aufsicht stärker verankert werden. Das sind physische Risiken durch Unwetter wie Überschwemmungen und Stürme und Übergangsrisiken, wenn sich Regeln und Märkte in Richtung Klimaschutz verändern. Beides kann sich mittelbar in Versicherungsschutz und Preislogik niederschlagen, auch wenn konkrete Vertragsänderungen daraus nicht automatisch folgen.
Was sich bei Solvency II ändert: neue Pläne, weniger Detailvorschriften
Mit dem Solvency-II-Review sollen Versicherer künftig Nachhaltigkeitsrisikopläne erstellen. Diese Pläne sollen finanzielle Risiken aus Nachhaltigkeitsfaktoren strukturiert analysieren. Gleichzeitig arbeiten Versicherer schon heute mit Klimaszenarien in der ORSA, der regelmäßigen Risiko- und Solvenzanalyse als zentralem Steuerungsinstrument.
Wichtig für die Einordnung: Nach Darstellung des GDV verzichtet die EU-Kommission vorerst auf zusätzliche technische Detailvorgaben. Im deutschen Versicherungsaufsichtsgesetz soll die Richtlinienvorgabe übernommen werden. Die Zielwerte aus den Plänen sollen im Solvabilitäts- und Finanzbericht veröffentlicht werden, voraussichtlich erstmals 2028 für das Geschäftsjahr 2027.
BaFin-Schwerpunkte 2026: Naturgefahren, Kapitalanlagen, Greenwashing
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat für 2026 angekündigt, bei Nicht-Leben-Versicherern stärker auf physische Klimarisiken zu schauen. Als besonders relevant nennt die BaFin Stürme, Überschwemmungen und Überflutungen nach Starkregen.
Aus einer BaFin-Umfrage bei Versicherern und kleineren Banken ergibt sich als Signal: Rund die Hälfte der befragten Versicherer geht davon aus, dass Klimarisiken in materiellem Umfang auf andere Risikoarten durchschlagen können. Als praktische Konsequenz wird in der Aufsicht stärker geprüft werden, ob Risiken ausreichend identifiziert und gesteuert werden.
Außerdem will die BaFin 2026 ESG-Themen im Kapitalanlageverhalten der Versicherer prüfen und stichprobenartig auf Anti-Greenwashing-Vorgaben und Markttransparenz achten. Auch ein mögliches Update ihres Merkblatts zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken steht auf der Liste. Zudem will die BaFin perspektivisch auch CSRD-Berichte berücksichtigen, sobald EU-Vorgaben in deutsches Recht umgesetzt wurden.
EU-Leitlinien zu ESG-Stresstests: mehr Standard, nicht automatisch mehr Pflicht
Die europäischen Aufsichtsbehörden haben gemeinsame Leitlinien veröffentlicht, wie Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken in Stresstests für Banken und Versicherer einfließen können. Diese Leitlinien treten am Donnerstag, 1. Januar 2027 in Kraft.
Für die Praxis ist entscheidend: Die Leitlinien verpflichten nicht automatisch zu ESG-Stresstests. Sie sollen ESG-Risiken transparenter und rechtssicher in Stresstests integrieren und gemeinsame Methodenstandards schaffen. Vorgesehen ist, dass Aufseher mit Wesentlichkeitsanalysen die relevantesten Risiken auswählen. Zunächst stehen Klima- und Umweltrisiken im Fokus. Soziale und Governance-Risiken sollen erst später folgen, wenn Tools und Methoden verfügbar sind. Gleichzeitig ist eine proportionale Anwendung angelegt, also mit Erleichterungen für kleinere oder weniger komplexe Unternehmen.
EIOPA prüft Kapitalentlastung durch Klimaanpassung: warum das für Schäden relevant ist
Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA konsultiert, ob und wie Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung in Solvency II berücksichtigt werden können. Diskutiert wird, ob Anpassung Risiken tatsächlich messbar senkt und dann in der Kapitalunterlegung sichtbar wird.
EIOPA unterscheidet dabei zwischen:
- Großen Anpassungsmaßnahmen wie Rückhaltebecken oder die Renaturierung von Flussauen, die in eine allgemeine Neubewertung von Risikoparametern einfließen könnten.
- Kleinen Anpassungsmaßnahmen am Eigentum, etwa klimaangepasste Bauvorschriften oder hochwasserresistente Fenster, die perspektivisch im Naturkatastrophen-Modul berücksichtigt werden könnten.
Zur Veranschaulichung nennt EIOPA eine Modellrechnung für die 2021 vom Hochwasser betroffenen Regionen in Deutschland. Ein besserer Schutz hätte die regionalen Schäden um 15 bis 35 Prozent gesenkt. Die jährliche Gesamtschadenssumme läge dadurch um sechs bis sieben Prozent niedriger. Das ist eine modellbasierte Abschätzung, zeigt aber, warum Prävention für Versicherbarkeit und Schadenhöhe eine Rolle spielt.
Praktische Einordnung: worauf sich der Blick bei Versicherungen eher richtet
Aus Verbrauchersicht lässt sich der Aufsichtstrend so zusammenfassen: Klimarisiken werden stärker mit Daten, Szenarien und Stresstests hinterlegt. Das kann mittelfristig dazu beitragen, dass Tarife und Bedingungen risikogenauer werden.
Typische Felder, in denen sich das eher zeigen kann, sind:
- stärkere Nutzung öffentlich verfügbarer Risiko-Informationen wie Hochwassergefahrenkarten und Geodatenbanken bei der Risikoprüfung, wie von der BaFin hervorgehoben.
- mehr Transparenz im Berichtswesen der Versicherer durch veröffentlichte Zielwerte in Nachhaltigkeitsrisikoplänen.
- mehr Aufmerksamkeit der Aufsicht für Markttransparenz und Anti-Greenwashing im Produktumfeld.
Unterm Strich wird Versicherungsschutz gegen Naturgefahren nicht automatisch teurer oder knapper, aber die Aufsicht sorgt dafür, dass Klimarisiken weniger als Fernrisiko behandelt werden und stärker in die finanzielle Planung einfließen.
Dieser Text wurde mit maschineller Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |