Kindersicherheit zuhause: Warum Unfälle meist daheim passieren
- Symbolbild: Viele Kinderunfälle passieren nicht draußen, sondern in der eigenen Wohnung. Eine Umfrage zeigt, wo Eltern Risiken erkennen, aber Schutzmaßnahmen oft noch fehlen.
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Kindersicherheit zuhause. Das größte Unfallrisiko für Kinder liegt in Deutschland nicht draußen, sondern in den eigenen vier Wänden.
Ob morgens im Bad, beim Kochen oder auf dem Weg zur Treppe, viele typische Alltagsmomente werden schnell unterschätzt. Genau dort helfen kleine, konkrete Maßnahmen oft mehr als ein allgemeines Gefühl von Sicherheit.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verweist auf eine YouGov-Umfrage unter Eltern: Nur 34 Prozent der Eltern von Kindern unter 13 Jahren wissen, dass das Zuhause der häufigste Unfallort ist. Gleichzeitig halten 65 Prozent das eigene Zuhause für sicher.
Wo die Lücke zwischen Wissen und Umsetzung liegt
Die Umfrage zeigt vor allem ein Umsetzungsproblem. Risiken werden erkannt, Schutzmaßnahmen werden im Alltag aber häufig aufgeschoben. Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV, beschreibt eine Lücke zwischen Risikobewusstsein und konkretem Handeln.
Konkrete Beispiele aus der Befragung:
- Herd und Verbrennungen: Fast die Hälfte der Eltern stuft das Verbrennungsrisiko am Herd als mittel bis hoch ein. Einen Herdschutz haben 29 Prozent installiert.
- Treppen und kippende Möbel: 60 Prozent sehen hier ein Sturzrisiko. Große Möbel gesichert haben 33 Prozent.
- Putzmittel und Medikamente: 59 Prozent verstauen beides kindersicher.
- Bad: Rutschfeste Matten nutzen 38 Prozent.
- Treppe: Ein Treppengitter ist bei 37 Prozent installiert.
- Knopfzellen und Batterien: 34 Prozent verwahren sie sicher.
Prof. Dr. Stefanie Märzheuser, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder“, ordnet ein, dass gerade bei jüngeren Kindern eine vorausschauende Sicht auf den Alltag hilft. Gemeint ist vor allem, die Wohnung aus der Perspektive eines Kindes zu betrachten und Risiken mit kleinen Veränderungen zu senken.
Kinderunfall-Check: kurze Einschätzung statt Bauchgefühl
Um Sicherheitslücken greifbarer zu machen, haben der GDV und die BAG „Mehr Sicherheit für Kinder“ den kostenlosen Kinderunfall-Check entwickelt. Das Online-Tool richtet sich an Eltern von Kindern bis 13 Jahren, umfasst bis zu zwölf Fragen und zeigt, welche Schutzmaßnahmen bereits umgesetzt sind und wo typische Lücken liegen.
Link zum Tool: www.kinderunfall-check.de
Zusätzliche Baustellen: Notfälle und Schwimmen
Neben klassischen Haushaltsrisiken geht es laut Umfrage auch um Vorbereitung auf Notfälle. 37 Prozent der Eltern haben Notfallsituationen konkret besprochen und geübt. 29 Prozent haben das Absetzen eines Notrufs nicht eingeübt.
Beim Schwimmen berichten Eltern zudem, dass 20 Prozent der Kinder im relevanten Alter nicht sicher schwimmen können. Selbst bei den 9- bis 13-Jährigen betrifft das fast jedes fünfte Kind. Der GDV weist in diesem Zusammenhang auf ein häufiges Missverständnis hin: Das Seepferdchen steht für erste Schwimmkenntnisse, aber nicht für sichere Schwimmkompetenz.
Am Ende bleibt als praktische Konsequenz: Kindersicherheit zuhause wird oft weniger durch mehr Wissen verbessert als durch wenige, konkret umgesetzte Maßnahmen im Alltag.
Autor:Meike Jakob aus Landau |