Invasion im Südwesten: Mehr als 2.000 Hornissennester gemeldet
- Die Entfernung eines Nestes kann teuer sein. (Archivbild)
- Foto: Jens Kalaene/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Baden-Württemberg. Für Imker und Obstbauern wächst der Druck, zugleich werden Bürger bei Nestfunden wichtiger: Im Südwesten sind seit dem Frühjahr bis Ende August bereits mehr als 2.000 Gründungsnester der Asiatischen Hornisse gemeldet worden.
Das sind nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg weit mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zwischen Januar und August des Vorjahres waren es etwas mehr als 900 Nester. Im gesamten vergangenen Jahr wurden mehr als 3.300 Nester gemeldet.
Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums ordnet die Zahlen vorsichtig ein. Die gestiegenen Meldungen könnten auch damit zusammenhängen, dass die invasive Art bekannter geworden ist und mehr Menschen genauer hinschauen. Klar sei aber auch: Die inzwischen als etabliert geltende Asiatische Hornisse breitet sich weiter aus.
Warum der Herbst besonders wichtig wird
Nun beginnt die Hochsaison für sogenannte Sekundärnester. Sie entstehen vor allem ab Herbst, wenn die ersten, kleineren Nester zu eng werden und die Tiere in größere Behausungen umziehen.
Diese Sekundärnester sind deutlich schwieriger zu entfernen. Nach Angaben der Landesanstalt für Bienenkunde können sie bis zu einen Meter Durchmesser erreichen und rund 2.000 Tiere beherbergen. Auf Basis früherer Jahre könnten bis Jahresende noch bis zu 2.000 Meldungen solcher großen Nester dazukommen.
Förderung deckt Kosten oft nicht
Das Land zahlt für die Entfernung leichter zu beseitigender Gründungsnester rund 60 Euro Förderung. Für Sekundärnester sind 200 Euro pro Nest vorgesehen. Nabu-Artenschutzreferent Martin Klatt hält das für unzureichend. Die großen Nester hingen häufig in großer Höhe und seien oft nur mit teuren Hubsteigern erreichbar. Dazu komme eine spezielle stichfeste Ausrüstung, da normale Imkeranzüge nicht ausreichten.
Die Landesanstalt für Bienenkunde verweist darauf, dass Hubsteiger nicht in jedem Fall nötig seien. Nestentferner arbeiteten auch mit der sogenannten Lanzenmethode. Dabei werden Teleskoplanzen eingesetzt. Die Nester werden unter anderem mit heißem Wasserdampf oder mit Staub aus Aktivkohle vernichtet, der die Atemwege der Tiere blockiert.
Hobby-Imker Wolfgang Oberacker, Vorstand des Vereins Asiatische Hornisse Hardt, sieht dennoch eine große Belastung für die Imkerschaft. Er arbeitet nach eigenen Angaben mit einem rund 15.000 Euro teuren Dampfgerät. Die oft mehrstündigen Einsätze seien für ihn nicht kostendeckend. Er wünsche sich, dass das Land wenigstens Ausrüstung stelle und die Bekämpfung nicht allein auf den Schultern der Imker ruhe.
Warum Imker und Obstbauern betroffen sind
Die Asiatische Hornisse jagt und frisst heimische Bienen. Für die Imkerei kann das problematisch werden. Imker Achim Meinzer, Vorstand des Bienenzüchtervereins Karlsruhe, warnt zudem vor Folgen für andere Insekten und den Obstbau. Die Art befalle auch Obst und könne langfristig zu erheblichen Ernteausfällen beitragen.
Meinzer berichtet, er habe in diesem Jahr fünfmal so viele Asiatische Hornissen in der Nähe seiner 30 Bienenvölker gezählt wie im Vorjahr. Aus seiner Sicht werde noch nicht genug getan, um die Art in Schach zu halten.
Wie viele Nester schon entfernt wurden
Nach Angaben von Expertin Carolin Rein von der Landesanstalt für Bienenkunde wurden in diesem Jahr bisher mehr als 1.450 Gründungsnester entfernt. Rund 500 davon wurden mit Geld des Landes gefördert. Außerdem wurden bislang 45 Sekundärnester beseitigt. Weitere knapp 120 sind gemeldet und warten noch auf die Entfernung.
Das Landwirtschaftsministerium spricht von rund 75 Prozent der gemeldeten Nester, die aktuell entfernt werden konnten. Das seien bereits mehr als doppelt so viele wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Für Nestentfernungen stehen insgesamt rund 95.000 Euro bereit. Etwa 30.000 Euro Fördergeld sind bereits verbraucht.
Was die Maßnahmen leisten sollen
Meldungen, Fördergeld und Öffentlichkeitsarbeit sollen die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse verlangsamen und die Dichte der Tiere möglichst gering halten. Ob das ausreicht, ist offen. Wie sich die Zahl der Nestmeldungen im Spätsommer und Herbst entwickelt, lässt sich derzeit nicht absehen.
Rein verweist auf einen möglichen Einfluss des Klimawandels. Die Asiatische Hornisse mag zwar Wärme, braucht aber auch Wasserläufe. Trockenes und heißes Wetter sei schlecht für die Art. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |