Hitzeschutz in Rheinland-Pfalz: Schulen fordern klare Regeln
- Zumindest etwas Abhilfe gegen Hitze: Mancherorts wird auf Ventilatoren zurückgegriffen. (Archivfoto)
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Rheinland-Pfalz. Zum Schulstart am Montag, 10. August könnte Hitze für viele Kinder, Eltern und Lehrkräfte erneut zum Problem werden, weil es im Land bisher keine einheitlichen Regeln für überhitzte Klassenräume gibt.
Vor den Sommerferien waren Temperaturen von 30 Grad und mehr in Unterrichtsräumen nach Angaben von Verbänden und Schülervertretungen vielerorts keine Ausnahme. Schulen und Kitas haben zwar bereits mit Sonnenschutzfolien, Trinkwasserspendern, Bäumen oder Sonnensegeln gegengesteuert. Für längere Hitzeperioden reicht das aus Sicht vieler Beteiligter aber oft nicht aus. Klimaanlagen bleiben in Schulgebäuden und Kitas die Ausnahme.
Keine landesweiten Vorgaben für Hitzefrei
Allgemeine Regeln für Hitzefrei oder den Umgang mit Temperaturen ab 30 Grad gibt es in Rheinland-Pfalz nicht. Nach Angaben des Bildungsministeriums entscheiden Schulleitungen vor Ort selbst, ob Unterricht in einzelnen Räumen noch zumutbar ist. Das gilt auch für Maßnahmen wie Trinken im Unterricht.
Gerade diese unterschiedlichen Entscheidungen stoßen auf Kritik. Lehrerverbände, die Landesschülervertretung, Elternvertreter sowie die Gewerkschaften GEW und VBE dringen auf verbindliche Standards. Sie verweisen auf Gesundheitsrisiken, auf Probleme beim Lernen und auf ungleiche Bedingungen von Schule zu Schule.
Was Verbände und Schüler jetzt fordern
Aus Sicht des Verbands der Lehrer an berufsbildenden Schulen Rheinland-Pfalz braucht es neben langfristigen baulichen Lösungen auch schnelle Hilfe im Alltag. Genannt werden unter anderem:
- Ventilatoren ab 26 Grad
- Wasserspender für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte
- mobile Klimageräte in besonders belasteten Räumen
- organisatorische Maßnahmen wie angepasste Abläufe oder kürzerer Unterricht, wo das möglich ist
Der Verbandsvorsitzende Harry Wunschel verweist darauf, dass die Lage an berufsbildenden Schulen unterschiedlich ist. In vollschulischen Bildungsgängen könne Online-Unterricht eine Möglichkeit sein. Für klassische Berufsschulklassen sei das oft keine sinnvolle Lösung, weil Auszubildende dann aus der heißen Schule direkt in einen ebenfalls heißen Betrieb wechseln würden.
Schüler berichten von Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen
Die Landesschülervertretung spricht von vielen Rückmeldungen, wonach konzentriertes Lernen in überhitzten Räumen zeitweise kaum möglich gewesen sei. Genannt werden Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten. Aus Sicht der Schülervertretung ist Hitze an Schulen deshalb kein Komfortthema, sondern ein Gesundheits- und Bildungsproblem.
Auch Elternvertreter sehen Handlungsbedarf. Der Regionalelternbeirat Trier berichtet, dass manche Eltern ihre Kinder an sehr heißen Tagen gar nicht oder nur zeitweise in die Schule geschickt hätten. Betroffen gewesen seien vor allem jüngere oder gesundheitlich vorbelastete Kinder. Kritisiert wird, dass es keine verbindlichen Hitzefrei-Kriterien gibt, auf die sich Familien verlassen können.
Ungleiche Bedingungen zwischen den Schulen
Nach Beobachtung der Landesschülervertretung reagieren Schulen sehr unterschiedlich auf Hitze. Manche führen Trinkpausen ein oder passen Stundenpläne an, andere tun das nicht. Kritiker sehen darin auch ein Problem der Bildungsgerechtigkeit, weil Lernbedingungen stark vom Gebäude und von Entscheidungen vor Ort abhängen.
Die GEW fordert deshalb klare Zuständigkeiten, abgestufte Maßnahmen und feste Verfahren für besonders heiße Tage. Der VBE verlangt ebenfalls verbindliche Standards statt improvisierter Einzellösungen.
Was Städte in Mainz, Koblenz und Trier planen
Mainz setzt nach Angaben von Oberbürgermeister Nino Haase auf langfristige bauliche Verbesserungen, Verschattung, Sonnenschutzfolien, bessere Lüftungsmöglichkeiten sowie klimatisierte Busse und Straßenbahnen. Zum Ferienende würden viele Schulen vorzugsweise nachts gelüftet, damit die Gebäude zum Schulstart möglichst kühl sind.
In Koblenz wird der Hitzeschutz an Schulen nach Angaben der Stadt je nach Standort weiterentwickelt. Bei Neubauten und Sanierungen werden außenliegender Sonnenschutz, Verschattung und Begrünung eingeplant. Die Wirkung von Sonnenschutzfolien wird an einzelnen Schulen geprüft. Eine flächendeckende Ausstattung mit Klimaanlagen ist dort derzeit nicht vorgesehen.
In Trier soll zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme an allen Schulstandorten erstellt werden. Sie soll zeigen, welche Maßnahmen bereits bestehen und wo weiterer Handlungsbedarf ist. Das gilt auch für städtische Kindertagesstätten.
Sommerferien länger machen gilt nicht als einfache Lösung
Eine Verlängerung der Sommerferien auf acht bis zehn Wochen, wie in einigen südlichen Ländern, gilt aus Sicht des Bildungsministeriums nicht als einfache Antwort. Dafür müssten sich alle 16 Bundesländer einigen. Zudem würden andere Ferienzeiten kürzer. Als weitere Nachteile nennt das Ministerium längere Betreuungszeiten für berufstätige Eltern im Sommer und weniger Erholungspausen im restlichen Jahr.
Fest steht damit vor dem Schulstart am Montag, 10. August, dass viele Schulen im Land weiter auf Einzelfallentscheidungen setzen müssen, während Verbände und Vertretungen verbindliche Regeln für den Hitzeschutz verlangen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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