Heuschrecken-Tagung in Karlsruhe: Warum viele Arten verschwinden
- Riesenblattschrecken zählen zu den größten Insekten der Welt.
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Karlsruhe. Viele Heuschreckenarten verschwinden aus der Landschaft. Gleichzeitig breiten sich einige wärmeliebende Arten stärker aus. Fachleute diskutieren darüber von Freitag, 17. April, an bei einer Tagung im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie beschäftigen sich dort mit der Entwicklung der Bestände und mit Möglichkeiten zur Wiederansiedlung seltener Arten. Museumsdirektor Martin Husemann sieht vor allem den Verlust von Lebensräumen als zentrales Problem.
Wie viele Heuschreckenarten es gibt
In Europa leben nach Angaben der Fachgesellschaft mehr als 1000 Heuschreckenarten und 49 Fangschreckenarten. In Deutschland sind rund 80 Heuschreckenarten bekannt. Dazu kommt mit der Europäischen Gottesanbeterin eine einzige Fangschreckenart.
In Baden Württemberg wurden laut Landesanstalt für Umwelt etwa 70 Heuschreckenarten nachgewiesen. Weil die Zahl vergleichsweise überschaubar ist, gelten Heuschrecken unter Fachleuten als guter Einstieg in die Insektenkunde.
Typische Merkmale der Tiere
Viele Arten besitzen Flügel. Bei einigen sind diese jedoch verkürzt. Charakteristisch sind auch die kräftigen Mundwerkzeuge. Heuschrecken haben ein kauend beißendes Gebiss.
Auch die Geräusche sind artspezifisch. Langfühlerschrecken erzeugen sie durch Reiben der Flügel. Kurzfühlerschrecken bewegen dagegen ihre Beine an den Flügeln entlang.
Der bekannte Warzenbeißer. Insekt des Jahres. trägt seinen Namen aus einem alten Volksglauben. Früher wurde angenommen, dass sein Biss Warzen heilen könne. Für Menschen sind Bisse der Tiere normalerweise kein Problem.
Viele Arten gelten als gefährdet
Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz gilt etwa ein Drittel der Heuschreckenarten in Deutschland als bestandsgefährdet. Einige kommen nur noch in sehr speziellen Lebensräumen vor. Dazu gehören etwa Truppenübungsplätze oder besonders nährstoffarme Wiesen.
Als wichtigste Gefährdungsursache gilt der Mensch. Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind viele Lebensräume verschwunden. Dazu zählen Magergrünland, Halbtrockenrasen und Heideflächen. Aufforstung, Bauprojekte und Gewässerausbau haben diese Flächen stark verändert.
Warum Heuschrecken für die Natur wichtig sind
Heuschrecken spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie zerkleinern harte Gräser und tragen so zur Bodenfruchtbarkeit bei.
Zugleich dienen sie vielen Tieren als Nahrung.
- Vögel nutzen sie als wichtige Proteinquelle
- Spinnen und andere Räuber jagen sie regelmäßig
- Viele Arten zeigen an, wie gesund ein Lebensraum ist
Weil die meisten Heuschrecken ihren gesamten Lebenszyklus im selben Gebiet verbringen, gelten sie als guter Indikator für den Zustand eines Biotops.
Einige Arten profitieren vom Klimawandel
Der Klimawandel verändert die Verbreitung mancher Arten. Wärmeliebende Insekten breiten sich zunehmend aus. Ein Beispiel ist die Europäische Gottesanbeterin. Sie kam früher vor allem in Süddeutschland vor und ist inzwischen in immer mehr Regionen zu finden.
Auch andere Arten wie die Vierpunktige Sichelschrecke werden häufiger beobachtet. Fachleute sehen darin ein deutliches Zeichen für die Veränderungen von Klima und Landschaft.
Invasive Heuschreckenarten mit großen Schäden sind derzeit jedoch nicht zu erwarten. Wanderheuschrecken werden in Deutschland meist nur als Futtertiere gehalten und vermehren sich in der Natur bislang nicht dauerhaft. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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