Geschwisterstreit fair begleiten: So lernen Kinder Konflikte
- Zwischen Geschwistern kracht es manchmal. Eltern müssen solche Konflikte nicht zwanghaft verhindern – aber darauf achten, dass niemand verletzt wird.
- Foto: Christin Klose/dpa/dpa-mag
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Geschwisterstreit begleiten. Klare Grenzen und Zeit zum eigenen Aushandeln helfen Kindern, Konflikte fair zu lösen und wichtige soziale Fähigkeiten zu üben.
Wenn Geschwister um Aufmerksamkeit, Spielzeug oder Regeln streiten, müssen Eltern nicht jeden Konflikt sofort beenden. Die Kinderpsychologin Claudia Schwarzlmüller rät in der «Apotheken Umschau Eltern», Auseinandersetzungen als Teil der Entwicklung zu verstehen und Kinder dabei verlässlich zu begleiten.
Beim Streit können Kinder lernen, miteinander zu verhandeln, Enttäuschungen auszuhalten und die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen. Sie üben zugleich, eigene Wünsche klar zu benennen und Gefühle besser zu regulieren.
Klare Grenzen geben Kindern Sicherheit
Konflikte sollten nicht unbegrenzt laufen gelassen werden. Hauen, Spucken und Kratzen gehören nicht dazu. Sinnvoll sind wenige, verständliche Regeln, die in einem ruhigen Moment gemeinsam besprochen werden. Dazu kann gehören, dass niemand körperlich wird und nach einem Streit eine Entschuldigung erfolgt.
Der Erziehungswissenschaftler Jan Frederik Bossek von der Universität Köln, der zu Konflikterziehung in Familien forscht, weist darauf hin, dass jede Familie eine eigene Streitkultur entwickelt. Entscheidend ist, dass die vereinbarten Grenzen für alle nachvollziehbar bleiben.
Nicht zum Richter zwischen den Kindern werden
Geschwister vergleichen genau, wer mehr Zuwendung, Aufmerksamkeit oder Privilegien bekommt. Wenn Eltern regelmäßig entscheiden, wer schuld ist oder im Recht war, kann das Rivalitäten verstärken. Eine faire Behandlung bedeutet dabei nicht, immer exakt gleich zu handeln. Alter und individuelle Bedürfnisse dürfen berücksichtigt werden.
Hilfreich ist es auch, feste Rollen zu vermeiden, etwa «das liebe Kind», «unser Clown» oder «das schwierige Kind». Solche Zuschreibungen können Konflikte verfestigen. Wo keine körperliche oder andere Grenzverletzung vorliegt, kann Zeit zum eigenen Klären den Kindern Raum für Lösungen geben.
Der Umgang der Erwachsenen prägt die Streitkultur
Kinder nehmen Spannungen zwischen Erwachsenen oft sensibel wahr. Wenn Eltern eigene Konflikte ruhig und auf Augenhöhe klären, erleben Kinder ein konkretes Beispiel dafür, wie Meinungsverschiedenheiten ohne Abwertung gelöst werden können. Eine entspannte Familienatmosphäre kann nach Einschätzung von Schwarzlmüller dazu beitragen, dass Geschwister seltener streiten.
Geschwisterkonflikte müssen nicht verhindert werden. Mit klaren Regeln, fairer Begleitung und einem guten Vorbild werden sie zu Übungsfeldern für den Familienalltag. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |