Flutfolgen im Ahrtal: Kinder kämpfen weiter mit Ängsten

Auch Gummistiefel für Kinder gehörten zu den benötigten Hilfsgütern nach der Flut. (Archivbild) | Foto: Thomas Frey/dpa
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Ahrtal. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sind die Folgen für viele Familien im Ahrtal weiter spürbar. Kinder und Jugendliche tragen Erinnerungen an die Nacht vom 14. auf den 15. Juli noch immer mit sich und Fachleute berichten von mehr Angststörungen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Der heute 13 Jahre alte Kiyan lebte damals mit seiner Familie direkt an der Ahr. Als sein Vater ihn in der Nacht durch das Wasser zum Auto trug, hielt er alles zunächst für einen Traum. Erst später, als seine Mutter Videos vom zerstörten Haus zeigte, wurde ihm das Ausmaß klar. Spielzeug, Kuscheltiere und Spielekonsolen waren verschwunden.

Erinnerungen an Schreie und Angst um Angehörige

Auch andere Kinder erinnern sich an die Flutnacht sehr genau. Die zehnjährige Johanna wartete mit ihrer Schwester stundenlang am Fenster auf ihre Mutter, nachdem diese geschrieben hatte, dass ihr Auto fast von den Wassermassen erfasst worden sei. Der heute 13-jährige Max verbrachte die Nacht im Obergeschoss seines Hauses, während die Familie um die Großeltern bangte, die auf dem Dach festsaßen.

Die 13-jährige Josephine erinnert sich an „dieses Wasser und die ganzen Schreie“. Ihr Freund Mattis beschreibt den Morgen danach mit Stromausfall und beißendem Ölgeruch. Für viele Kinder wurde die Katastrophe auch in den Monaten danach sichtbar: zerstörte Spielplätze, beschädigte Schulen und unpassierbare Brücken. Vieles, was zum Alltag gehörte, fiel plötzlich weg.

Hilfsangebote reichen nach Einschätzung von Fachleuten nicht aus

Regina Fredrich, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Bad Neuenahr-Ahrweiler, spricht von einer über lange Zeit zusammengebrochenen sozialen Infrastruktur. Behelfsschulen, fehlende Sportplätze, keine Freibäder und kaum Freizeitangebote hätten viele Kinder stark belastet. Ein Teil dieser Belastung wirke bis heute nach.

Nach der Flut wurden nach ihren Angaben ein Traumahilfenetzwerk und ein Traumahilfezentrum aufgebaut. Ein Teil der akuten Angebote sei inzwischen weggefallen. Gleichzeitig suchten viele Familien erst jetzt Unterstützung. Fredrich sagt, die Hilfe sei nicht ausreichend.

Mehr Behandlungsbedarf und lange Wartezeiten

Nach Angaben der Ärztin ist der Bedarf an Behandlung stark gestiegen. Praxen seien überfüllt, die Wartezeiten teils sehr lang. Beobachtet würden mehr Angststörungen, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen. Viele Kinder und Jugendliche hätten Verlustängste entwickelt. Hinzu kämen Ängste bei Dunkelheit oder Starkregen. Auch Angst vor dem Schwimmen sei nicht selten.

Als Belastungsfaktor nennt Fredrich zudem die anhaltenden Sorgen vieler Eltern um ihre finanzielle und existenzielle Sicherheit. Wenn Eltern selbst stark belastet seien, fehle Kindern oft ein wichtiger Halt.

  • Viele Freizeitangebote fielen nach der Flut weg
  • Psychische Belastungen zeigen sich teils erst Jahre später
  • Fachleute sehen weiter hohen Bedarf an schneller Hilfe

Projekte helfen beim Neuanfang im Alltag

Dass sich der Alltag langsam normalisiert, zeigen auch Hilfsprojekte in der Region. Die Organisation „Help - Hilfe zur Selbsthilfe“ sammelte nach der Flut nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro für das Ahrtal und unterstützte damit knapp 190 Projekte. Davon profitierte auch ein Sportverein in Ahrweiler, in dem Jugendliche wieder Tischtennis spielen können.

Trotz aller Verluste ist die Verbundenheit mit der Region bei vielen groß. Auch Kiyan sagt, dass er dankbar sei, dort aufgewachsen zu sein und das Ahrtal schön finde. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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