Fluorid und Karies: Was im Alltag wirklich zählt
- Symbolbild: Viele Verbraucher stoßen online auf Warnungen vor Fluorid. Der Überblick ordnet ein, was bei Zahnpasta, Trinkwasser und Speisesalz in Deutschland für den Kariesschutz praktisch relevant ist.
- Foto: tetxu/stock.adobe.com
- hochgeladen von Thorsten Kornmann
Fluorid und Karies. Fluorid in Zahnpasta senkt das Kariesrisiko nachweislich und ist bei richtiger Anwendung im Alltag in der Regel sicher, auch wenn im Netz immer wieder Warnungen kursieren.
Wer beim Zähneputzen unsicher ist, weil in sozialen Medien von Vergiftungen oder angeblichen Folgen für die Intelligenz die Rede ist, braucht vor allem eine klare Einordnung für den Alltag. Entscheidend ist nicht das Schlagwort, sondern die Dosis und die korrekte Nutzung.
Die Initiative proDente e. V. verweist dazu auf die Einschätzung der Bundeszahnärztekammer, nach der Fluorid neben dem täglichen Zähneputzen ein zentraler Baustein moderner Kariesprophylaxe ist. Als gut belegter Effekt gilt, dass der Rückgang von Karies in den letzten zwei Jahrzehnten maßgeblich mit dem breiten Einsatz von Fluoriden zusammenhängt.
Warum Fluorid den Zahnschmelz schützt
Heute gilt als entscheidend, was direkt an der Zahnoberfläche passiert. Fluorid stärkt den Zahnschmelz gegen Säureangriffe, fördert die natürliche Remineralisierung und hemmt säurebildende Bakterien. Damit sinkt das Kariesrisiko messbar.
Als wichtigste Fluoridquelle im Alltag gilt Zahnpasta. Für Kinder werden in Deutschland klare Mengen empfohlen, damit Schutz und Sicherheit zusammenpassen.
- Ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Lebensjahr: zwei Mal täglich eine reiskorngroße Menge fluoridhaltige Kinderzahnpasta.
- Bis zum sechsten Lebensjahr: zwei Mal täglich eine erbsengroße Menge fluoridhaltige Kinderzahnpasta.
- Ab dem sechsten Geburtstag: zwei Mal täglich eine Erwachsenenzahncreme.
Fluorid über Nahrung oder Wasser: Einordnung für Deutschland
Fluorid muss nicht zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden. Es ist kein essenzieller Nährstoff. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von einer zusätzlichen Fluorid-Einnahme ab, bewertet fluoridiertes Speisesalz aber als sinnvolle Maßnahme zur Kariesprophylaxe.
Natürliches Fluorid kommt in kleinen Mengen in Lebensmitteln wie Fisch, Mineralwasser und Tee vor, genannt wird auch Matcha. Fluoridiertes Speisesalz ist seit 1991 im Handel.
Beim Trinkwasser gibt es in Deutschland keine künstliche Fluoridierung. Der natürliche Fluoridgehalt liegt im Schnitt bei 0,1 Milligramm pro Liter. Über 90 Prozent der Proben enthalten weniger als 0,3 Milligramm pro Liter und damit deutlich weniger als der gesetzliche Grenzwert von 1,5 Milligramm pro Liter. Für Mineralwasser gelten ebenfalls Vorgaben, maximal 5 Milligramm pro Liter sind zulässig.
Zu viel Fluorid: Wann es relevant wird
Im Alltag gilt eine Überdosierung als kaum möglich, wenn Zahnpasta korrekt verwendet wird. Wie bei vielen Stoffen entscheidet die Menge über den Effekt.
Eine dauerhaft überhöhte Aufnahme kann während der Zahnentwicklung bei Kindern zu Dentalfluorosen führen. Das zeigt sich als kleine weiße Flecken auf den Zähnen. Genau deshalb sind die empfohlenen Zahnpasta-Mengen für Kinder so konkret. Der Zahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke ordnet Fluorid als einen der am besten untersuchten Wirkstoffe der Zahnmedizin ein und verweist auf den signifikanten Effekt bei der Kariesreduktion.
Behauptung „Fluorid senkt die Intelligenz“: Was die Prüfstellen dazu sagen
Im Netz wird ein Zusammenhang zwischen Fluorid und kognitiven Beeinträchtigungen bei Kindern behauptet. Als Grundlage werden Beobachtungsstudien aus Ländern mit sehr hohen natürlichen Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser genannt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit haben solche Daten geprüft und kommen zu dem Fazit, dass diese Studien nicht ausreichen, um einen Zusammenhang zu belegen. Gleichzeitig wird von proDente auf eine neuere Studie verwiesen, in der Jugendliche bessere Ergebnisse beim Lesen und Rechnen zeigten, wenn die Fluoridzufuhr gesichert war.
Am Ende zählt für den Alltag vor allem diese Konsequenz: Fluoridhaltige Zahnpasta in den empfohlenen Mengen bleibt eine der verlässlichsten Maßnahmen, um Karies vorzubeugen.
Autor:Meike Jakob aus Landau |