Fernbeziehung mit Kind: So bleibt der Alltag verlässlich
- Papa wiedersehen - wenn auch nur am Handy-Bildschirm: Regelmäßiger Kontakt ist das A und O, um dem Kind Verlässlichkeit zu geben.
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Fernbeziehung mit Kind. Eine Fernbeziehung mit Kind kann funktionieren, wenn der Alltag für den Nachwuchs verlässlich bleibt und der abwesende Elternteil regelmäßig erreichbar ist. Entscheidend ist weniger die Distanz als klare Routinen, fester Kontakt und ein Wiedersehen, das sich am Tempo des Kindes orientiert.
Darauf weist Peter Wendl hin. Der Paar- und Familientherapeut forscht an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu Fernbeziehungen und schreibt Bücher zum Thema. "Es muss für das Kind kein wesentlicher Nachteil sein, solange ein verlässlicher Bezugsmensch vor Ort bleibt", sagt er.
Kinder brauchen festen Kontakt und eine greifbare Perspektive
Wichtig ist demnach nicht nur Stabilität zu Hause, sondern auch Verlässlichkeit von dem Elternteil in der Ferne. Der Kontakt sollte nicht nur über gemeinsame Familientelefonate laufen, sondern auch individuell mit dem Kind.
Gerade für ältere Kinder ist das einfacher, weil sie selbst schreiben oder anrufen können. Aber auch Drei- oder Vierjährige können laut Wendl bereits allein telefonieren.
Hilfreich ist außerdem eine konkrete Perspektive bis zum nächsten Wiedersehen. Für junge Kinder sind Zeitangaben wie "in 14 Tagen" oft schwer greifbar. Wendl empfiehlt deshalb einfache, spielerische Methoden.
- Jeden Tag eine von vierzehn Murmeln von einem Glas in ein anderes legen.
- Die verbleibende Zeit damit sichtbar machen.
- Das Wiedersehen für Kinder leichter verständlich machen.
"Wir nennen das den Adventskalender-Effekt: Wenn das Glas leer ist, kommt Papa beziehungsweise Mama nach Hause", beschreibt der Therapeut.
Beim Wiedersehen gibt das Kind das Tempo vor
Für die Rückkehr nach Hause nennt Wendl eine klare Regel. "Die Nähe stellt das Kind her und nicht der Elternteil, gerade die körperliche Nähe."
Denn während ein Elternteil weg ist, läuft der Familienalltag weiter. Bei der Rückkehr ist deshalb nicht automatisch sofort wieder große Nähe da. Das kann für Erwachsene enttäuschend sein, das Kind braucht aber mitunter Zeit, bis es kuscheln oder Körperkontakt zulassen möchte.
Auch das Paar muss bewusst Paar bleiben
Für Mütter und Väter bleibt die Fernbeziehung auch als Paar eine besondere Belastung. "Die wichtigste Challenge wird sein, trotz Kind ein Paar zu bleiben." Laut Wendl ist das oft noch schwieriger als in Nahbeziehungen mit Kind, weil in der knappen gemeinsamen Zeit vieles um den Nachwuchs kreist.
Umso wichtiger sind Phasen zu zweit, in denen das Paar sich gegenseitig im Blick behält. Unterm Strich kann eine Fernbeziehung mit Kind gelingen, wenn Eltern Verlässlichkeit, individuellen Kontakt und klare Wiedersehensrituale bewusst in den Alltag einbauen. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |