ETF-Wechsel vermeiden: Breitere Streuung reicht oft nicht
- Welt-ETF mit breiter Streuung: Der Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF umfasst große, mittlere und kleine Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern.
- Foto: Andrea Warnecke/dpa-mag
- hochgeladen von Cornelia Bauer
ETF-Wechsel vermeiden. Für viele Anleger lohnt es sich meist nicht, vorhandene Welt-ETF-Anteile für einen neuen Fonds mit mehr Aktien zu verkaufen. Die mögliche Steuer auf bereits erzielte Gewinne kann bei einem langen Anlagehorizont stärker ins Gewicht fallen als die etwas breitere Streuung und niedrigere laufende Kosten.
Der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF bündelt Aktien aus Industrie- und Schwellenländern sowie große, mittlere und kleine Unternehmen. Die thesaurierende Variante hat innerhalb weniger Wochen mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Daneben gibt es eine ausschüttende Variante.
Mehr Aktien erhöhen die Streuung nur noch begrenzt
Der zugrunde liegende Index enthält mehr als 10.000 Aktien und deckt damit etwas mehr als 99 Prozent des Aktienmarkts ab. Zum Vergleich: Der MSCI World mit rund 1.300 Titeln erreicht laut Stiftung Warentest etwa 78 Prozent, der FTSE All-World mit rund 4.300 Aktien mehr als 90 Prozent. Zusätzliche Titel erweitern die Abdeckung, der Vorteil wird mit jeder weiteren Aktie jedoch kleiner.
Auch beim oft kritisierten Gewicht von US-Aktien ist der Unterschied geringer, als die hohe Titelzahl vermuten lässt. Im MSCI World liegt der US-Anteil bei rund 73 Prozent. Beim Global All-Cap beträgt er rund 62 Prozent und entspricht damit ungefähr dem Anteil im FTSE All-World.
Niedrige Kosten sind ein Vorteil, kleine Aktien können aber bremsen
Die laufenden Kosten des Vanguard-ETF liegen bei 0,07 Prozent pro Jahr. Vergleichbare Welt-ETFs können bis zu 0,3 Prozent pro Jahr kosten. Der Fonds bietet damit eine günstige Möglichkeit, Schwellenländer und kleinere Unternehmen in einem einzigen ETF abzubilden.
Stiftung Warentest weist zugleich auf zwei Einschränkungen hin:
- Kleine Aktien sind oft weniger liquide. Beim Verkauf können dadurch Preisnachteile entstehen.
- Der ETF bildet den Index voraussichtlich nicht vollständig nach. Ende August hielt er rund 6.400 statt mehr als 10.000 Aktien. Bei so großen Indizes kann diese angenäherte Nachbildung Kosten sparen.
- Beim Verkauf alter ETF-Anteile fallen auf Gewinne sofort Steuern an. Diese mindern das Kapital, das anschließend weiter vom Zinseszinseffekt profitieren kann.
Bestehende Anteile können im Depot bleiben
Nach Einschätzung der Stiftung Warentest ist der Global All-Cap eine gute Alternative für neue Anlagen, wenn kleine Unternehmen und Schwellenländer im Depot enthalten sein sollen. Bei bereits aufgebauten Welt-ETF-Positionen spricht der unmittelbare Steuerabzug von rund einem Viertel des Gewinns häufig gegen eine komplette Umschichtung. Praktischer kann es sein, vorhandene Anteile zu behalten und künftige Sparraten auf den neuen ETF zu lenken. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |