Depression früh behandeln: So überbrückt man lange Wartezeiten
- Depressive Symptome können sich im Alltag schleichend verstärken. Frühzeitige Unterstützung kann helfen, die Wartezeit auf einen Therapieplatz sinnvoll zu überbrücken.
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Depression früh behandeln. Frühzeitige Hilfe senkt das Risiko, dass sich Symptome verfestigen oder verschlimmern, auch wenn ein Therapieplatz oft erst nach Wochen verfügbar ist.
Viele merken zunächst „nur“ anhaltende Erschöpfung, weniger Interesse und eine gedrückte Grundstimmung. Wird dann lange gewartet, ändern sich häufig Alltag, Kontakte und Leistungsfähigkeit, was die Belastung zusätzlich verstärken kann. Darauf weist die GAIA AG in einer Mitteilung hin und zitiert die ärztliche Psychotherapeutin Juliane Meiners.
Ein praktischer Zwischenschritt kann sein, die Zeit bis zur regulären Psychotherapie mit geprüften digitalen Angeboten zu überbrücken. Nach Angaben in der Mitteilung liegt die Wartezeit auf einen Therapieplatz in Deutschland im Durchschnitt bei 20 Wochen.
Warum frühe Unterstützung den Verlauf beeinflussen kann
Nach Einschätzung von Juliane Meiners steigt ohne Behandlung das Risiko, dass sich eine depressive Episode „verfestigt“ und in einen länger anhaltenden Zustand übergeht. Psychotherapie setzt genau an typischen Mustern an, die sich im Alltag einschleichen können.
- Chronifizierung vorbeugen: Rückzug, Vermeidung und Gedankenspiralen können sich stabilisieren. Je früher diese Muster bearbeitet werden, desto leichter lassen sie sich laut Meiners durchbrechen.
- Schweren Verläufen zuvorkommen: Depressionen entwickeln sich oft schleichend. Unbehandelt können Antriebslosigkeit, innere Leere und Hoffnungslosigkeit zunehmen und den Alltag bis hin zu Arbeitsunfähigkeit stark einschränken. In schweren Fällen kann auch Suizidgefahr auftreten.
- Rückfallrisiko senken: In der Mitteilung wird auf Studien verwiesen, nach denen nach einer depressiven Phase das Risiko für weitere Episoden erhöht ist. Ziel sei, Resilienz zu stärken und Warnsignale früher abzufangen.
Digitale Therapie als Brücke, wenn kein Platz frei ist
Digitale Therapien, die als digitale Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, zugelassen sind, wurden laut Meiners von der zuständigen Behörde geprüft. Sie können demnach ärztlich verordnet und von Krankenkassen erstattet werden.
Als Beispiel nennt die Mitteilung das Programm „deprexis“. Dafür werden 16 unabhängige Studien angeführt, die eine Wirksamkeit für Betroffene verschiedener Schweregrade bestätigen sollen. Gleichzeitig betont Meiners, dass digitale Angebote eine klassische Psychotherapie nicht ersetzen, aber eine sofort verfügbare Unterstützung sein können.
Wer über mehrere Wochen Warnzeichen wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Interessenverlust oder zunehmenden Rückzug bemerkt, kann die Suche nach ärztlichem oder psychotherapeutischem Rat parallel zur Platzsuche fortsetzen und überbrückende Optionen prüfen.
Weitere Informationen: https://de.deprexis.com/
Praktisch entscheidend ist, dass Unterstützung nicht erst beginnt, wenn ein fester Therapieplatz frei wird, sondern dass die Zeit bis dahin sinnvoll überbrückt werden kann. [red]
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |