Depot robuster machen: Warum nicht nur Tech-Aktien und ETFs reichen
- Wenn ein Depot trotz ETFs stark von Tech und Wachstum abhängt, können Rückschläge einzelner Schwergewichte besonders durchschlagen. Eine breitere Mischung soll Schwankungen besser abfedern.
- Foto: kamiphotos/stock.adobe.com
- hochgeladen von Thorsten Kornmann
Depot diversifizieren. Ein robusteres Depot entsteht meist nicht durch möglichst viele „Top-Aktien“, sondern durch eine Mischung unterschiedlicher Anlagetypen und Geschäftsmodelle, damit einzelne Trendthemen das Risiko nicht dominieren.
Viele Depots sehen im Alltag ähnlich aus: Ein oder zwei ETFs auf große Indizes, dazu bekannte Einzelaktien wie Microsoft, Nvidia, Amazon oder Alphabet. Das wirkt breit gestreut, kann aber in der Praxis stark auf Wachstum und Technologie konzentriert sein. Genau darauf weist der Itzehoer Aktien Club GbR hin und nutzt dafür das Bild aus dem Fußball: Elf Stürmer gewinnen keine Meisterschaft, weil ohne Verteidigung und Torwart Stabilität fehlt.
Jörg Wiechmann, Geschäftsführer beim Itzehoer Aktien Club, beschreibt das Kernproblem so: Selbst mit mehreren ETFs und Weltkonzernen kann ein Depot „nahezu vollständig auf ein Thema“ setzen, wenn die großen Indizes von denselben Branchen und wenigen Schwergewichten geprägt werden. Dann hängt die Entwicklung des Depots stärker an der Stimmung rund um Technologie und Wachstum, als vielen bewusst ist.
Was die „Mannschafts-Mischung“ im Depot praktisch bedeutet
Die Grundidee aus der Einordnung des Itzehoer Aktien Club GbR lässt sich auf Alltagsentscheidungen bei der Geldanlage übersetzen: Stabilität kommt eher aus Vielfalt als aus Namen.
- Unterschiedliche Geschäftsmodelle statt gleiche „Rolle“: Ein Depot wird robuster, wenn nicht fast alles von derselben Konjunktur- und Zinslogik abhängt. Aktien aus verschiedenen Branchen können sich in unterschiedlichen Marktphasen anders verhalten.
- Bewertung nicht mit Qualität verwechseln: Auch sehr gute Unternehmen können teuer sein. Hohe Kurse sind keine Garantie, dass die nächste Phase genauso läuft.
- Einzelbeispiele einordnen: Wiechmann nennt Rheinmetall als Beispiel für einen zuvor stark gefeierten „Börsenstürmer“, der zuletzt mehr als 50 Prozent vom Höchstkurs verloren hat. Umgekehrt wird Bayer als lange „glanzloser Abwehrspieler“ beschrieben, der jüngst nach Entspannung im Glyphosat-Streit kräftig anzog. Solche Bewegungen zeigen vor allem: Überraschungen passieren in beide Richtungen.
- Nicht nach jedem „Spieltag“ umbauen: Häufiges Umschichten kann bedeuten, dass nach Kursanstiegen teuer nachgekauft und nach Rücksetzern verkauft wird. Die IAC-Einordnung betont stattdessen langfristig stabil besetzte „Positionen“ im Depot.
Der Fußballvergleich bringt es auf den Punkt: Offensive kann kurzfristig glänzen, aber Stabilität entsteht durch Ausgewogenheit. Übertragen auf die Geldanlage heißt das nicht, dass Technologie grundsätzlich falsch ist, sondern dass ein Depot dann anfälliger wird, wenn es fast nur von einem Stil, einer Branche oder wenigen Index-Schwergewichten getragen wird.
Praktische Konsequenz: Ein Depot wirkt oft erst dann wirklich breit, wenn neben den „Stürmern“ auch andere Rollen und Geschäftsmodelle Gewicht bekommen.
Autor:Meike Jakob aus Landau |