CO2-Zertifikate: TÜV SÜD setzt auf digitale Prüfung mit SustainCERT
- TÜV SÜD übernimmt SustainCERT und baut digitale CO2-Verifizierung (dMRV) aus.
- Foto: TÜV SÜD, Foto: Michel Mahieu
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CO2-Zertifikate prüfen lassen. Die Übernahme von SustainCERT durch TÜV SÜD kann für Unternehmen den Aufwand bei der Nachweisführung rund um CO2-Kompensation und Klimaziele senken, weil Prüfungen stärker digital ablaufen und Emissionsminderungen schneller nachvollziehbar werden sollen.
Laut Mitteilung von TÜV SÜD hat der Konzern die in Luxemburg ansässige Validierungs- und Verifizierungsstelle SustainCERT S.A. erworben. Ziel ist es, die eigene Emissionsverifizierung mit einer digitalen Plattform zu verbinden, die Messung, Berichterstattung und Verifizierung digital unterstützt, kurz dMRV.
Für den Alltag in vielen Betrieben ist das vor allem dort relevant, wo CO2-Reduktionen nachgewiesen werden müssen, zum Beispiel bei Klimaberichten, bei Projekten in der Lieferkette oder beim Kauf und Einsatz von CO2-Zertifikaten. Je besser Datenströme und Prüfpfade dokumentiert sind, desto einfacher lässt sich intern und gegenüber Dritten erklären, woher eine Emissionsminderung stammt und wie sie geprüft wurde.
Was sich durch digitale CO2-Verifizierung konkret ändern kann
SustainCERT bringt nach Angaben von TÜV SÜD akkreditierte Verifizierungsdienstleistungen nach internationalen Standards und sogenannten Artikel-6-Mechanismen mit. Artikel 6 ist ein Begriff aus dem Pariser Klimaabkommen und steht vereinfacht für Regeln, wie Staaten Emissionsminderungen international anrechnen oder handeln können.
Die praktische Wirkung hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab. In der Mitteilung werden drei typische Verbesserungen beschrieben, die sich aus der Kombination aus klassischer Emissionsprüfung und digitaler dMRV-Plattform ergeben sollen.
- Schnellere Abläufe durch digitale Datenerfassung und vollständig digitale Prüfungen, was besonders bei häufigeren Ausgaben von CO2-Zertifikaten relevant ist.
- Mehr Nachvollziehbarkeit, weil Messwerte, Berechnungen und Prüfentscheidungen digital dokumentiert werden können.
- Bessere Skalierbarkeit für Projekte und Lieferketten, wenn viele Datenpunkte über Standorte oder Partner hinweg zusammenlaufen.
Ein konkretes Beispiel aus der Mitteilung ist ein Pilotprogramm beim Standardgeber Verra. Dort wurden erstmals CO2-Zertifikate genehmigt, die in hoher Frequenz ausgegeben werden können, etwa monatlich oder zweimonatlich. SustainCERT habe dabei als Validierungs- und Verifizierungsstelle die vollständig digitale Prüfung durchgeführt. Die Plattform nutze dafür umfangreiche Daten und auch künstliche Intelligenz, um Prüfungen schneller und genauer zu machen.
Warum das Thema gerade wichtiger wird
In der Mitteilung wird der Hintergrund so eingeordnet: Kohlenstoffmärkte entwickeln sich zu einem stärker regulierten System, während gleichzeitig die Nachfrage nach verifizierten Emissionsminderungen steigt. Parallel sind Transparenz und Glaubwürdigkeit von Emissionszertifikaten stärker in den Fokus gerückt. Das erhöht in der Praxis den Druck, Nachweise sauber zu dokumentieren und unabhängig prüfen zu lassen.
SustainCERT ist nach eigenen Angaben zudem bei Regeln und Anforderungen für Maßnahmen in der Wertschöpfungskette früh dabei gewesen. Genannt wird unter anderem eine „Impact Management Platform“, die Emissionsminderungen über komplexe Scope-3-Lieferketten hinweg zuordnen und berichten helfen soll. Zudem verweist SustainCERT auf die „Value Chain Initiative“, ein Kooperationsforum mit über 120 Unternehmen, NGOs und Normungsgremien.
Wer sich fachlich einordnen möchte, findet weitere Informationen bei TÜV SÜD zum Carbon Management unter https://www.tuvsud.com/de-de/themen/nachhaltigkeit/dekarbonisierung sowie bei SustainCERT unter https://sustain-cert.com/.
Unterm Strich bedeutet die Übernahme vor allem eines: CO2-Nachweise sollen sich in Zukunft häufiger digital prüfen lassen, was Prozesse vereinfachen kann, ohne die unabhängige Verifizierung zu ersetzen. [red]
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |