Chronische Nierenerkrankung bei Katzen: Warnzeichen richtig deuten

Chronische Nierenerkrankung bei Katzen: Symptome, Diagnose und Behandlung. | Foto: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Foto: herraez
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Chronische Nierenerkrankung bei Katzen. Wer die typischen Frühzeichen kennt und die passenden Kontrollen einplant, kann die Erkrankung oft früher erkennen und so die Behandlung gezielter auf Lebensqualität und Stabilisierung ausrichten.

Chronische Nierenerkrankungen zählen bei Katzen zu den häufigen Diagnosen, besonders im höheren Alter. Darauf weist der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. hin. Das Tückische ist der schleichende Verlauf, weil erste Veränderungen im Alltag leicht als normale Alterserscheinungen wirken.

Praktisch wichtig ist der Blick auf Begleiterkrankungen, die bei älteren Katzen häufiger gleichzeitig auftreten. Dazu gehören Bluthochdruck und eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Eine Hyperthyreose kann eine bereits bestehende Einschränkung der Nierenfunktion zunächst verdecken. Deshalb werden Nierenwerte, Schilddrüsenfunktion und Blutdruck in der tierärztlichen Abklärung häufig gemeinsam bewertet.

Welche Anzeichen im Alltag auffallen können

Am Anfang sind die Hinweise oft unspezifisch. Eine Katze wirkt ruhiger, schläft mehr oder ist weniger aktiv als gewohnt. Später können Veränderungen deutlicher werden, zum Beispiel mehr Trinken und mehr Urinabsatz.

Gerade bei Katzen bleiben diese Hinweise im Alltag aber manchmal verborgen, etwa wenn mehrere Tiere im Haushalt leben oder wenn eine Katze draußen trinkt und urinieren kann. Deshalb gelten zusätzliche, besser überprüfbare Hinweise als hilfreich, unter anderem über das Gewicht.

Typische Warnzeichen, die im Verlauf auftreten können, sind:

  • vermehrtes Trinken und vermehrter Urinabsatz
  • Gewichts- und Muskelverlust
  • verminderter Appetit und Schwäche
  • bei fortgeschrittener Erkrankung Übelkeit und Erbrechen

Für ältere Tiere wird daher ein regelmäßiges Wiegen empfohlen, um schleichende Veränderungen eher zu bemerken.

Zusätzlich kann sich im Verlauf eine Blutarmut (Anämie) entwickeln. Hintergrund ist, dass geschädigte Nieren weniger Erythropoetin bilden, ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Müdigkeit, Schwäche und verminderter Appetit können dadurch verstärkt werden.

Diagnose: Warum mehrere Untersuchungen zusammengehören

Eine chronische Nierenerkrankung lässt sich nicht über ein einzelnes Symptom oder einen einzelnen Laborwert sicher feststellen. Zur Abklärung gehören in der Regel Krankengeschichte und klinische Untersuchung sowie vor allem Blut- und Urinuntersuchungen. Auch der Blutdruck ist ein wichtiger Baustein, weil Bluthochdruck sowohl Begleiterkrankung als auch Folgeproblem sein kann.

Je nach Befund können weitere Untersuchungen nötig sein, zum Beispiel ein Ultraschall von Nieren und Harnwegen. Gleichzeitig werden andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen und mögliche Begleiterkrankungen mitgedacht.

Behandlung: Stabilisieren statt heilen

Eine chronische Nierenerkrankung ist nicht heilbar. Wenn sie nachgewiesen ist und die Nierenfunktion stabil wirkt, wird sie nach den Kriterien der International Renal Interest Society (IRIS) in vier Stadien eingeteilt. Diese Einteilung dient dazu, die Behandlung an Krankheitsstadium und individuelle Befunde anzupassen.

Ziel ist es, das Fortschreiten möglichst zu verlangsamen, Folgeerscheinungen zu begrenzen und Beschwerden zu lindern. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Stadium und den jeweiligen Begleitbefunden ab.

Bei gleichzeitigem Bluthochdruck wird dieser gezielt behandelt. Weitere Schritte orientieren sich an den konkreten Beschwerden, etwa bei Übelkeit oder Appetitverlust. Auch eine durch die Nierenerkrankung bedingte Anämie kann gezielt behandelt werden.

Nierendiät: Phosphat im Blick, Eiweiß passend dosieren

Ein zentraler Therapiebaustein ist die Kontrolle des Phosphathaushalts. Üblicherweise wird zuerst die Phosphoraufnahme über die Nahrung reduziert. Reicht das nicht aus, können zusätzlich Phosphatbinder eingesetzt werden.

Auch die Eiweißversorgung wird angepasst. Dabei geht es nicht um einen möglichst weitgehenden Eiweißverzicht, sondern um eine bedarfsgerechte Versorgung mit hochwertigem, gut verwertbarem Protein. Entscheidend ist außerdem, dass die Katze die Nahrung akzeptiert und ausreichend frisst.

Wenn eine Katze nur wenig frisst oder das Interesse am Futter verliert, können appetitanregende Medikamente die Futteraufnahme unterstützen. Die passende Fütterung und die Auswahl notwendiger Medikamente werden tierärztlich individuell abgestimmt.

Kontrollen: Woran sich im Verlauf orientieren lässt

Da sich eine chronische Nierenerkrankung im Laufe der Zeit verändern kann, begleiten regelmäßige Kontrollen die Therapie. Blut- und Urinuntersuchungen zeigen, wie sich die Nierenfunktion entwickelt und ob Anpassungen sinnvoll sind. Zusätzlich werden Blutdruck, Körpergewicht und Ernährungszustand im Verlauf kontrolliert.

Der Verlauf ist von Katze zu Katze unterschiedlich. Eine frühe Diagnose, eine stadiengerechte Behandlung und regelmäßige Verlaufskontrollen können dazu beitragen, die Erkrankung möglichst lange zu stabilisieren und die Lebensqualität zu erhalten.

Weitere Informationen finden sich beim Bundesverband für Tiergesundheit e.V. unter https://www.bft-online.de/kleintiergesundheit/chronische-nierenerkrankung-bei-katzen.

Praktische Konsequenz ist eine einfache Routine aus Beobachtung, Wiegen und tierärztlich abgestimmten Kontrollen, weil gerade die frühen Veränderungen im Alltag leicht übersehen werden.

Chronische Nierenerkrankung bei Katzen: Symptome, Diagnose und Behandlung. | Foto: Bundesverband für Tiergesundheit e.V., Foto: herraez
Wenn eine Katze im Alter mehr trinkt oder Gewicht verliert, kann das auf eine chronische Nierenerkrankung hindeuten. Blut- und Urinwerte sowie der Blutdruck helfen bei der Einordnung. | Foto: anetlanda/stock.adobe.com
Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

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