„Checker Tobi“ gibt sein Handy ab: Das passiert nach drei Wochen ohne Smartphone
- Für die Doku verzichtete Krell selbst auf sein Smartphone. (Archivbild)
- Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
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Rheinland-Pfalz. In Rheinland-Pfalz haben rund 100 Schülerinnen und Schüler drei Wochen lang für die ARD-Wissen-Doku „Schule ohne Smartphone“ auf ihr Handy verzichtet. Die dreiteilige Dokumentation ist von Mittwoch, 2. September, an in der ARD-Mediathek abrufbar.
Auch Checker Tobi gab sein Smartphone ab
Moderator Tobias Krell, bekannt aus der Kindersendung „Checker Tobi“, begleitete das Experiment an der Schule nicht nur als Beobachter. Sein eigenes Smartphone kam ebenfalls für drei Wochen in einen Handykäfig. Krell sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe sich besonders auf die social-media-freie Zeit gefreut. Überraschend sei für ihn gewesen, wie schnell er sich daran gewöhnt habe, kein Handy mehr in der Hosentasche zu haben.
Der Versuch habe auch eigene Automatismen sichtbar gemacht. Krell bemerkte nach eigener Aussage schnell, in welchen Situationen er normalerweise zum Handy greift. Seine Erkenntnis: In vielen Momenten brauche er es eigentlich gar nicht.
Jugendliche berichteten von bis zu 15 Stunden Bildschirmzeit
Vor Beginn des Experiments lag Krells Bildschirmzeit nach eigenen Angaben bei etwa drei Stunden am Tag. Einige Jugendliche berichteten in der Doku dagegen von bis zu 15 Stunden täglich. Für sie bedeutete der Verzicht nicht nur weniger Ablenkung, sondern auch das Gefühl, aus Chats, Memes und Trends herauszufallen.
Auch Krell vermisste praktische Funktionen. Besonders fehlte ihm der schnelle Austausch mit Freunden und Familie per Sprachnachricht. Zudem wurden alltägliche Dinge komplizierter. Nach eigenen Angaben verpasste er Arzttermine, weil die Erinnerung aus dem digitalen Kalender fehlte.
Besserer Schlaf zeigte sich sofort
Ein Forschungsteam begleitete den Versuch. Untersucht wurden unter anderem Schlaf, Bewegung, Konzentration und Stimmung. Dafür wurden Fragebögen genutzt, Bewegungsdaten mit Trackern erfasst und auch MRT-Aufnahmen gemacht.
Krell berichtet, alle Jugendlichen hätten ab dem ersten Tag besser geschlafen und sich ausgeruhter gefühlt. Die Doku zeigt damit nicht nur den Verzicht auf ein Gerät, sondern auch die Frage, wie stark digitale Routinen den Alltag prägen.
Phantomvibrationen und Griff in die leere Tasche
Der Verzicht machte auch Gewohnheiten sichtbar. Krell schilderte Phantomvibrationen in der Hosentasche und den automatischen Griff zum Handy, obwohl keines da war. Ein Professor für kognitive Neuropsychiatrie der Universität Heidelberg wertete bei zwei Jugendlichen MRT-Aufnahmen vom Anfang und Ende des Experiments aus. Laut Krell konnten dabei physiologische Anzeichen für Suchtverhalten messbar gemacht werden.
Debatte über Handyregeln an Schulen
Die Doku erscheint mitten in der Diskussion über Smartphones in Schulen und Social-Media-Regeln für Jugendliche. Krell spricht sich nicht für eine einfache Lösung aus. Regulierung hält er grundsätzlich für sinnvoll, zugleich hätten die Jugendlichen ein Verbot im Experiment abgelehnt. Sein Schwerpunkt liegt deshalb auf Medienbildung: Kinder und Jugendliche sollten früh lernen, mit Smartphones und digitalen Medien umzugehen.
Dabei sieht Krell auch Erwachsene in der Verantwortung. Eltern, Lehrkräfte und Erzieher seien Vorbilder. Schulen sollten klare Regeln schaffen. Handyfreie Zeiten hält er ebenfalls für sinnvoll.
Was Familien aus dem Experiment mitnehmen können
Für den Alltag nennt Krell kleine Schritte statt eines dreiwöchigen Verzichts. Ein Tag ohne Smartphone könne helfen, eigene Routinen zu erkennen. Dazu gehören:
- ein analoger Wecker statt des Handys am Morgen
- Gespräche und Bewegung draußen
- ein Kochbuch aus Papier statt einer Rezept-App
- ein handgeschriebener Einkaufszettel statt einer digitalen Liste
Krell selbst hat nach dem Experiment seine Social-Media-Zeit begrenzt. Für Instagram setzte er sich nach eigenen Angaben ein Limit von 20 Minuten. Insgesamt komme er inzwischen eher auf zwei Stunden Bildschirmzeit am Tag statt auf drei. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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