Brunftzeit bei Rothirsch und Elch: Was im Wald jetzt auffällt

Beim Spaziergang im Wald fällt in den nächsten Wochen häufiger Röhren und Imponierverhalten auf. Das ist typische Brunftzeit bei Rothirsch und Elch und lässt sich mit ein paar Fakten besser einordnen. | Foto: Stephanie Walter
  • Beim Spaziergang im Wald fällt in den nächsten Wochen häufiger Röhren und Imponierverhalten auf. Das ist typische Brunftzeit bei Rothirsch und Elch und lässt sich mit ein paar Fakten besser einordnen.
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Brunftzeit Rothirsch und Elch. Wer jetzt im Wald unterwegs ist, kann das Röhren der Rothirsche und das Imponierverhalten der Elche besser einordnen und erkennt, warum es in dieser Zeit häufiger zu Revierkämpfen und Wanderbewegungen kommt.

Aus dem Wald von Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern ist das Röhren bereits zu hören. Nach Angaben der Deutsche Wildtier Stiftung klingen die Stimmen junger Hirsche anfangs noch dünn und zaghaft, während ältere, etwa zehnjährige Tiere deutlich tiefer röhren. Revierjagdmeisterin Katja Selke beschreibt es so, dass das Röhren tief aus dem Brustkorb kommt und bei günstigem Wind kilometerweit zu vernehmen ist.

Das Röhren gehört zum Kräftemessen in der Brunft. Es signalisiert Präsenz, soll Rivalen beeindrucken und lockt vor allem Hirschkühe an. Treffen konkurrierende Männchen direkt aufeinander, kommt es zu Kämpfen, bei denen die Tiere frontal mit den Geweihen zusammenprallen und sich Kopf an Kopf über den Brunftplatz schieben. Das endet, sobald eines der Tiere nachgibt und flüchtet.

Elche in Deutschland: Wanderer mit Wasserbedarf

Auch Elche sind jetzt paarungsbereit. Immer wieder wandern laut Deutsche Wildtier Stiftung junge Elchbullen auf der Suche nach einer Elchkuh vor allem aus Polen nach Deutschland ein. Europas größte Hirschart zeigt in der Brunft ebenfalls ein auffälliges Imponierverhalten.

Typisch sind dabei mehrere Merkmale:

  • Mit den mächtigen Geweihschaufeln schlägt der Elchbulle heftig gegen Sträucher und junge Bäume.
  • Bei Kräftemessen drücken bis zu 650 Kilogramm schwere Bullen die Köpfe so stark gegeneinander, dass die Vorderläufe tief in den Erdboden einsinken können.
  • Besonders geeignet sind naturnahe Wälder mit Wasserflächen, weil Elche an warmen Tagen tauchen und baden und sich so abkühlen.

Weil Elche Gewässer brauchen, hängt ihr dauerhaftes Vorkommen in Deutschland auch davon ab, ob es ausreichend Wasserflächen zum Abkühlen gibt. Einzelne Tiere leben bereits dauerhaft hierzulande. Katja Selke hält es daher für möglich, dass es in naher Zukunft sogar Elch-Nachwuchs geben könnte.

Ende Oktober ist die Brunftzeit bei beiden Hirscharten wieder vorbei. Während Elche bei ihrer Brautschau Ländergrenzen ungestört überqueren, stößt der Rothirsch in Deutschland teils auf unsichtbare Grenzen. In mehreren südlichen Bundesländern darf er oft nur innerhalb gesetzlich ausgewiesener Rotwildbezirke leben, weil Forst- und Landwirtschaft wirtschaftliche Schäden durch Fraß befürchten.

Eine Studie der TU München ordnet die Folgen dieser Abschottung ein. Demnach zeigen Rothirsch-Vorkommen im Landesinneren Bayerns bereits deutliche Anzeichen genetischer Verarmung und Inzucht. Als Gegenbeispiel nennt die Deutsche Wildtier Stiftung Baden-Württemberg. Dort dürfen männliche Tiere mittlerweile wieder zwischen Rotwildbezirken wandern und so zum genetischen Austausch beitragen. Das wird als Ergebnis jahrelangen Engagements der Stiftung in Kooperation mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg beschrieben.

Zusätzliche Barrieren sind laut Stiftung Autobahnen, Bahntrassen und künstliche Wasserstraßen. Für eine bessere Vernetzung fordert die Deutsche Wildtier Stiftung mehr Grünbrücken sowie jagdfreie Korridore und Trittsteinvorkommen zwischen größeren Populationen.

Zum Download gibt es eine Übersicht zu Ausschlussräumen für Rothirsche in Deutschland unter http://ots.de/FoYYd9.

Praktisch bleibt als Einordnung: In den Wochen der Brunft sind laute Rufe und imponierende Begegnungen Teil eines natürlichen Kräftemessens, während die langfristige Zukunft der Bestände auch davon abhängt, ob Wanderwege und Lebensräume besser vernetzt werden.

Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

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