40 Jahre nach Tschernobyl: Diese Lebensmittel können noch belastet sein
- Im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl kommt es 1986 zum bis dahin folgenschwersten Reaktorunfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. (Archivbild)
- Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
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Baden-Württemberg. Auch 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl können im Südwesten noch geringe Spuren radioaktiver Stoffe im Boden und in einzelnen Lebensmitteln auftreten. Anlass ist der Jahrestag des Unfalls am Sonntag, 26. April. Behörden betonen jedoch, dass die Belastung für die Bevölkerung heute als gesundheitlich nicht relevant gilt.
Nach Angaben des Umweltministeriums gelangten kurz nach dem Reaktorunglück 1986 radioaktive Partikel mit Regenfällen nach Süddeutschland. Besonders betroffen waren Teile Bayerns. In Baden-Württemberg weisen vor allem Oberschwaben und der Schwarzwald messbare Rückstände auf.
Wie hoch ist die Strahlenbelastung heute?
Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt, dass die zusätzliche Belastung durch Tschernobyl heute weniger als ein Prozent der natürlichen Strahlung ausmacht. Radiologisch spiele sie daher für die Bevölkerung keine Rolle.
Von den damals freigesetzten Stoffen ist heute vor allem noch Cäsium-137 messbar. Das radioaktive Isotop entsteht bei Kernspaltung und hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Ein Teil ist inzwischen zerfallen. Etwa 60 Prozent der ursprünglichen Menge sind verschwunden.
In Ackerböden ist Cäsium meist fest gebunden. Pflanzen nehmen es dort nur in geringen Mengen auf. Anders ist die Situation im Wald. Dort bleibt der Stoff beweglicher und gelangt leichter in Pilze und andere Organismen.
Welche Lebensmittel können noch belastet sein?
Messungen der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter zeigen, dass vor allem zwei Lebensmittelgruppen weiterhin auffallen können
- Wildpilze. Einzelne Arten können Cäsium aus Waldböden aufnehmen. In den vergangenen Jahren lagen getestete Pilze jedoch deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert.
- Wildschweinfleisch. Bei Tieren aus Schwarzwald und Südosten Baden-Württembergs wurden teilweise Grenzwertüberschreitungen gemessen.
Der erlaubte Höchstwert für Lebensmittel liegt in Deutschland bei 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm. Produkte darüber dürfen nicht verkauft werden.
Warum sind besonders Wildschweine betroffen?
Wildschweine fressen häufig unterirdische Pilze wie den Hirschtrüffel. Dieser Pilz kann Cäsium besonders stark anreichern. Über die Nahrung gelangt der Stoff in das Fleisch der Tiere und sammelt sich dort an.
Ist Wildschweinfleisch im Handel sicher?
Ja. In Baden-Württemberg gilt seit 2006 ein Kontrollsystem. In stärker belasteten Regionen muss jedes erlegte Wildschwein gemessen werden. Zusätzlich nehmen Behörden Stichproben bei Metzgereien und in Gaststätten. Fleisch über dem Grenzwert wird entsorgt und gelangt nicht in den Verkauf.
Was gilt für Pilzsammler?
Das Bundesumweltministerium empfiehlt, nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Diese Empfehlung gilt auch wegen möglicher Schwermetalle in Pilzen. Besonders stark anreichern können etwa Maronenröhrlinge, Trompetenpfifferlinge, Semmelstoppelpilze, Pfifferlinge und Steinpilze.
Zuchtpilze aus dem Handel gelten dagegen als unbedenklich, da sie kaum Cäsium-137 enthalten.
Wer sich für Messwerte in der eigenen Region interessiert, kann diese über eine Online-Karte des Bundesamts für Strahlenschutz abrufen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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