1,5-Grad-Ziel: Was der neue UNEP-Bericht für Klimaschutz heißt
- Symbolbild: Der neue UNEP-Bericht geht davon aus, dass die 1,5-Grad-Grenze zeitweise überschritten wird. Das Bundesumweltministerium ordnet ein, welche Klimaschutz-Maßnahmen dann besonders zählen.
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1,5-Grad-Ziel Klimaschutz Maßnahmen. Der neue UNEP-Bericht ordnet ein, dass die 1,5-Grad-Grenze voraussichtlich überschritten wird und dass es für die Rückkehr Richtung 1,5 Grad vor allem schnelle Emissionsminderungen braucht, ergänzt durch mehr natürliche CO2-Speicherung und zusätzliche technische CO2-Entnahme.
Im Alltag ist die Kernbotschaft vor allem eine Prioritätenliste für Klimaschutzpolitik, die späteren Aufwand und Kosten begrenzen soll. Je früher Emissionen sinken, desto weniger Kohlendioxid muss in Zukunft zusätzlich aus der Luft entfernt und dauerhaft gespeichert werden.
Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit beschreibt dazu einen „Dreiklang“ aus Emissionsminderung, Stärkung natürlicher Senken wie Wälder und Moore sowie dem Aufbau von Technologien zur technischen CO2-Entnahme. Ziel ist, die Erwärmung langfristig wieder in Richtung 1,5 Grad zu senken.
Der „Dreiklang“: Was genau damit gemeint ist
1. Emissionen vermeiden und mindern
Der Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP („Limiting Overshoot – Navigating exceedance of 1.5°C and pathways towards return“) betont, dass die schnelle Absenkung des Treibhausgasausstoßes die Grundvoraussetzung bleibt. Die Bundesregierung hält laut Bundesumweltministerium am Vorrang der Emissionsminderung und an den gesetzlichen Minderungszielen im Bundes-Klimaschutzgesetz fest.
Genannt wird das im März beschlossene Klimaschutzprogramm 2026. Es enthält 67 Maßnahmen, die im Jahr 2030 zusammen mehr als 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzlich einsparen sollen. Beispiele sind der Ausbau von Windenergie, die Elektrifizierung von Industrie und Verkehr, klimafreundlichere Wärmenetze und Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft. Für diese neuen Maßnahmen sind für 2027 bis 2030 zusätzlich acht Milliarden Euro vorgesehen.
2. Natürliche Senken stärken
Als zweiter Baustein nennt das Bundesumweltministerium die Stärkung natürlicher Kohlenstoffspeicher. Dazu zählen Wälder, Moore, Böden, Auen, Gewässer und Meere. Sie können große Mengen Kohlenstoff speichern, stehen aber durch Klimawandel und Nutzung unter Druck.
Als Instrument verweist das Ministerium auf das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Die Einordnung dahinter ist doppelt: Natürliche Senken helfen beim Klimaschutz und haben laut Ministerium zusätzliche Effekte wie mehr Widerstandsfähigkeit von Landschaften, zum Beispiel durch Wasserhaltefunktionen intakter Moore, Wälder und Auen.
3. Technische CO2-Entnahme aufbauen
Der dritte Baustein betrifft neuartige Technologien, die Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnehmen und dauerhaft speichern. Hintergrund sind „Restemissionen“, die auch bei ambitionierter Klimapolitik langfristig als schwer vermeidbar gelten, laut Ministerium insbesondere in der Landwirtschaft und bei bestimmten Industrieprozessen.
Die Bundesregierung stimmt nach Angaben des Bundesumweltministeriums derzeit eine Langfriststrategie zur CO2-Entnahme aus der Atmosphäre ab. Sie soll den Rahmen für den Hochlauf technischer und anderer neuartiger Senken setzen und Grundlage für Ziele für technische Senken nach dem Klimaschutzgesetz sein. Zusätzlich werden Maßnahmen für Investitionsförderung und Marktanreize vorbereitet.
Warum „Overshoot“ nicht als Ziel gilt, aber als Risiko eingeplant wird
UNEP warnt vor einer absehbaren Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze und mahnt entschlossenes Handeln an, damit Dauer und Ausmaß der Überschreitung möglichst klein bleiben. Die Bundesregierung ordnet das so ein: Eine Überschreitung ändere nichts an der Richtung der Klimapolitik, entscheidend seien weiterhin schnelle Emissionsminderungen, weil sie das spätere Ausmaß notwendiger CO2-Entnahme verringern.
Deutschland hat sich nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz verpflichtet, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen und nach 2050 Netto-Negativemissionen. Diese Negativemissionen werden in der Logik des Ministeriums als Beitrag verstanden, um langfristig wieder näher an einen 1,5-Grad-Pfad zu kommen.
Praktische Einordnung: Was an den Zahlen hängen bleibt
- Für 2030 werden mehr als 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid zusätzliche Einsparung durch 67 neue Maßnahmen genannt.
- Für 2027 bis 2030 sind zusätzlich acht Milliarden Euro zur Umsetzung dieser neuen Maßnahmen vorgesehen.
- Restemissionen werden als langfristig unvermeidbar eingeordnet, vor allem in Landwirtschaft und Teilen der Industrie.
Unterm Strich ist die Botschaft aus UNEP-Bericht und Einordnung des Bundesumweltministeriums eine klare Reihenfolge: Erst Emissionen schnell senken, dann natürliche Speicher stärken, und für verbleibende Restemissionen technische CO2-Entnahme planbar aufbauen.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |